Dem neuen GLC stellt Mercedes mit dem üblichen halben Jahr Zeitabstand das GLC Coupé zur Seite, ebenfalls in Bremen gebaut: fünf Zentimeter länger (4,76 Meter) bei identischer Breite (1,89 m), dreieinhalb Zentimeter niedriger (1,61 m).
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Innen gibt es das wohlbekannte Arrangement aus schräg gestelltem Zentralschirm und Digitalcockpit. Mercedes verzichtet ganz auf Knöpfe und Schalter, regelt alles über das 11,9-Zoll-Zentraldisplay. Auch in den Lenkradspeichen gibt's nur Sensorfelder, die wir genauso kritisieren müssen wie die etwa von VW: wenig Feedback und Treffsicherheit – ein Rückschritt gegenüber den eindeutigen Drehreglern und echten Tasten alter Schule.
Mercedes GLC 300 4Matic Coupé
Moderner Mercedes: Cockpit ohne Drehregler. Alles liegt gut zur Hand, nur den Lenkradtasten mangelt es an Rückmeldung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Trost bietet die hellwache, auf natürliche Sprache reagierende Sprachbedienung (Schlüsselbefehl: "Hey Mercedes"), über die mancher das halbe Auto bedient.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Turbo, Mildhybrid
Einbaulage
vorn längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
1999 cm³
kW (PS) 
190 + 17 (258 + 23)
max. Drehmoment
400 Nm
Vmax
246 km/h
Getriebe
Neunstufenautomatik
Antrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
v. 235/55 R 19 Y, h. 255/50 R 19 Y
Reifentyp
Bridgestone Turanza T005 MO-S
Radgröße
v. 8 x 19", h. 9 x 19"
Abgas CO2
180 g/km
Verbrauch*
7,6 l/100 km
Tankinhalt
62 l
Kraftstoffsorte
Super
Partikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
68 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
2400/750 kg
Stützlast
100 kg
Kofferraumvolumen
545–1490 l 
Länge/Breite/Höhe
4764/1890–2075**/1605 mm
Radstand
2888 mm
Grundpreis
72.947 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
82.921 Euro

Die Unterschiede zum Standard-SUV zeigen sich in knapperen Türausschnitten für die Fondpassagiere, die aber auch hier menschenwürdige 380 mm über dem Fußboden sitzen, und im kleineren Ladevolumen: 545 bis 1490 Liter (GLC SUV: 620–1689 l). Die Ladekante (84 cm) liegt deutlich höher als beim SUV. Da unser Exemplar aber mit Luftfederung (im Paket mit der Allradlenkung, 3320 Euro) ausgestattet ist, lässt sich die Ladekante per Taste im Laderaum um rund fünf Zentimeter absenken.

Dank Allradlenkung lässt es sich gut manövrieren

Die Allradlenkung mit 4,5 Grad maximalem Einschlagwinkel der Hinterräder erweist sich schon beim Manövrieren aus einer städtischen Parklücke heraus als Segen: Der Wendekreis schrumpft auf kleinwagenhafte 10,9 Meter.
Mercedes GLC 300 4Matic Coupé
Macht den GLC gefühlt kleiner: Die Hinterradlenkung schrumpft den Wendekreis auf 10,9 Meter – das ist Kleinwagen-Niveau.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Die Grundabstimmung fällt minimal straffer aus als beim Standard-SUV: Beim Fließheck ist das Sportfahrwerk Serie und federt mit den maßvoll-dezenten 19-Zoll-Standardrädern der AMG Line Advanced verbindlich straff, aber doch sensibel an. Bodenwellen nimmt es gekonnt, kleine Frostaufbrüche oder Gullydeckel aber leicht zittrig, und auf Fahrbahnkanten ploppen die Räder weit heraus – bei Luftfederung systembedingt, da sind Adaptivdämpfer mit Stahlfedern schneller.

GLC Coupé zeigt sich sehr fahrsicher

Die Anbindung Fahrer-Straße wäre nahezu perfekt, wäre da nicht eine ausgeprägte Rollbewegung um die Längsachse auf unebener Geradeaus-Strecke. Kommt aber eine Kurve, strafft sich das Fahrwerk des tendenziell untersteuernden Allradlers und stützt sich in der Kurve recht sportiv ab. Offenbar braucht er den Lenkimpuls, um sich der Seitenneigung entschlossen entgegenzustemmen.
Mercedes GLC 300 4Matic Coupé
Agiles SUV-Coupé: Mit der adaptiven Lenkung geht der GLC gut ums Eck. Es braucht nur zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Gelungen auch die adaptive Lenkung: nur zwei Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag, angenehme Handkraft, direkt und dennoch verreißsicher. Hyperaktiv wird die Lenkung nie, bei Spurwechseln mit hohem Tempo überlenkt man das GLC Coupé nicht. Auch dank der Mischbereifung in Tateinheit mit der sich in Millisekunden straffenden Federung müssten wir lange im Gedächtnis kramen, sollten wir ein noch fahrsichereres Fahrzeug in dieser Klasse benennen.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,2 s 
0–100 km/h
6,3 s 
0–130 km/h
10,2 s 
0–160 km/h
15,9 s 
0–200 km/h
28,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,5 s 
80–120 km/h
4,3 s
Leergewicht/Zuladung
1950/552 kg
Gewichtsverteilung v./h.
53/47 %
Wendekreis links/rechts
11,0/10,9 m
Sitzhöhe
690 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
33,9 m 
aus 100 km/h warm
34,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
53 dB(A) 
bei 100 km/h
62 dB(A) 
bei 130 km/h
66 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
7,0 l/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
8,0 l S/100 km
(+5 %)
Sportverbrauch
10,5 l/100 km
CO2 (Testverbrauch)
190 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
770 km

Nicht minder beeindruckt die Ausgereiftheit aller elektronischen Fahrhilfen, von der sensiblen aktiven Spurführung (Rettungsgassenfunktion unter 60 km/h, weist die richtige Spur vor dem Stau) über die verlässlich Tempo abbauenden Pre-Crash-Sicherheitsbeauftragten bis zur Fußgängererkennung. Bei aktivierter Zielführung verbinden sich Verkehrszeichenerkennung, Navi und Tempomat zu einem punkteschonenden Paket. Hinter alldem steckt erkennbar penible Feinarbeit.

Der Motor will nicht recht zum GLC passen

Im Widerspruch zur Hochklassigkeit von Fahrwerk, Lenkung und Fahrhilfenabstimmung steht der akustisch überraschend präsente 2,0-Liter-Turbo. Im Sportmodus klingt er leicht angeraut, bleibt aber naturgemäß ein nöliger Vierzylinder; den Wohlklang eines Reihensechsers kann er nicht liefern.
Mercedes GLC 300 4Matic Coupé
Macht wenig Freude: Der zwei Liter große Vierzylinder beschleunigt den GLC zwar anständig, ist aber akustisch stets präsent.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Der GLC 300 ist ohne Zweifel schnell (0-100 km/h in 6,3 s, 246 km/h Spitze), leider konterkariert die angestrengte Akustik den Eindruck von Souveränität. Zentraler Vorteil gegenüber dem Plug-in-Bruder GLC 400 e ist das 430 Kilogramm niedrigere Gewicht, neben der 400 kg höheren Zuglast.
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Mercedes macht vieles selbst, etwa die sinnvoll schaltende Neunstufen-Wandlerautomatik, mit der Kick-down und Ladedruckaufbau aber immer noch etwas länger dauern als etwa bei BMW mit ZF-Achtstufengetriebe.
Seinem Premium-Anspruch wird der GLC dennoch voll und ganz gerecht, etwa beim Allradsystem. Hier schuftet nicht die SUV-übliche, nur bei Bedarf die zweite Achse zuschaltende Lamellenkupplung, sondern ein echtes Zentraldifferenzial, also eine Zahnradkonstruktion. Die verteilt die Kraft von vornherein ungefähr hälftig (vorn:hinten 45:55 Prozent), bei leichter Hecklastigkeit zugunsten der Agilität. 
Eine Differenzialbremse hindert die Räder einer Achse am Durchdrehen auf Schnee oder Matsch. Das sorgt für hohe Spurtreue ohne viele Regeleingriffe der Elektronik und ist ein höherwertigeres, wohl auch dauerhafteres System als die übliche Lamellenkupplung (Kupplung = Verschleißteil).

Wertung

Wertung
Karosserie
Toller Qualitätseindruck. Platz vorne gut, hinten zumutbar. Viel Zuladung und Zuglast. Unübersichtlich.
3,5/5 Punkten
Antrieb
Spurtstark, schnell. Verbrauch angesichts des Gewichts okay. Laufkultur entspricht nicht dem Preis.
4/5 Punkten
Fahrdynamik
Fahrsicherheit top (geht aber etwas auf Kosten der Agilität), ebenso Geradeauslauf und Traktion.
4/5 Punkten
Connected Car
Telefon, Onlinefunktionen, Sprachsteuerung, Audio und Navi zählen zum derzeit Besten am Markt.
5/5 Punkten
Umwelt
Raumgreifend, schwer, nicht sonderlich leise, nur ein Mildhybrid – keine Version für Umweltbewegte.
2,5/5 Punkten
Komfort
Gut: Sitze und Sitzposition vorn, Federung, Innengeräusch. Fondlehne etwas steil, Einstieg hinten eng.
4,5/5 Punkten
Kosten
Sehr hoher Anschaffungspreis, teuer auch in der Wartung. Nur zwei Jahre Garantie auf die Technik.
1,5/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2-

Nachteile birgt die schnittige Dachlinie. Der Blick auf Ampeln fordert dem Fahrer mehr Verrenkung ab als beim SUV (allerdings gemildert durch ein Kamerabild, das mehr sieht als ein Mensch), der schmale Sehschlitz hinten mit viel Säule und wenig Glas erschwert das Erkennen von Radlern beim Rechtsabbiegen. Schade, ist das Auto doch sonst so sicherheitsbewusst ausgelegt. Und ermahnt uns beim Überschreiten eines Tempolimits geradezu penetrant. Okay, man kann's mit einem kurzen Tastendruck verstummen lassen.
Mercedes GLC 300 4Matic Coupé
Großes Auto, großer Preis: Für den GLC 300 4Matic Coupé in der getesteten Ausstattung stehen am Ende stolze 82.921 Euro auf der Rechnung.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Wer gelegentlich Waldwege unter die Räder nimmt, wird die Frontkamera schätzen, die die Motorhaube virtuell durchsichtig macht (im Paket mit der 360˚-Kamera, 547 Euro), und den Unterfahrschutz zu 130 Euro. Unser Exemplar brachte zudem das umfängliche Fahrassistenz-Plus-Paket mit (2892 Euro). Ja, auch die Aufpreise sind premium.

Fazit

Fahrsicherheit, Infotainment und Allradsystem werden dem Premium-Anspruch absolut gerecht, der Vierzylinder-Klang eher nicht. Ein generelles Fließheck-Manko: weniger Platz und Übersicht für mehr Geld. AUTO BILD-Testnote: 2-