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Tatsächlich ist der neue GLE 300 d quasi der Baby-Grizzly unter den Bären-SUV. Doch so viel sei gleich vorweggenommen: Dieser vermeintlich kleine Motor unter der imposanten Haube macht sich gut.

E-Motor hilft dem Vierzylinder-Diesel

Denn der Vierzylinder bekommt als OM 654 M inzwischen Unterstützung von einem 48-Volt-Elektrosystem. Heißt: An der Kurbelwelle des "Ölmotors" hebelt eine ebenso kleine wie feine Elektromaschine mit.
Mercedes GLE 300 d 4Matic
Vierzylinder: Der 2.0 Diesel-Reihenmotor mit Turboaufladung arbeitet mit leichter Hybrid-Technik zusammen – das funktioniert sehr gut.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Das hilft dann, den Verbrenner zu entlasten, den Verbrauch zu senken, mehr Kräfte zu mobilisieren, die Turbolücke zu schließen. Wie sich das anfühlt, was es bringt und was der GLE 300 d grundsätzlich auf dem Kasten hat, klärt der Einzeltest.

Der GLE ist schwer und raumgreifend

Wobei Kasten das Stichwort liefert: Der GLE ist ein belastbarer Riese. Stattlich und mit entsprechend raumgreifenden Nachteilen außen (allein über 12 Meter Wendekreis, 2,15 Meter Breite an den Spiegeln!); gigantisch und mit entsprechend luftigen Vorteilen innen.
Mercedes GLE 300 d 4Matic
Schwer in Form: Formal ein Prestige-Felsen, in Kilogramm gefasst ebenso – rund 2,4 Tonnen Leermasse.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bis zu 2055 Liter Gepäck gehen hinein, satte 665 Kilogramm Ladung darf er dabei buckeln, Anhänger mit 2,7 Tonnen Gesamtgewicht zerren. Alle fünf Passagiere an Bord genießen zudem beste Platzverhältnisse. Die Sitze sind bequem, ab Linie Advanced elektrisch beheiz- und voll einstellbar.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Vierzylinder, Biturbo
Einbaulage
vorn längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
1993 cm³
kW (PS) bei 1/min
198 + 15 (269 + 20)/4200
Nm bei 1/min
550/1800
Vmax
226 km/h
Getriebe
Neunstufenautomatik
Antrieb
Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
v. 275/45 R 21, h. 315/40 R 21 Y
Reifentyp
Pirelli P Zero (MO-S)
Radgröße
v. 10 x 21“, h. 11 x 21”
Abgas CO2
190 g/km
Verbrauch*
7,2 l/100 km
Tankinhalt
85 l
Kraftstoffsorte
Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt
S/24 l
Vorbeifahrgeräusch
69 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
2700/750 kg
Stützlast
108 kg
Kofferraumvolumen
630-2055 l
Länge/Breite/Höhe
4924/2010–2157**/1797 mm
Radstand
2995 mm
Grundpreis
88.744 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
102.524 Euro
Ohnehin strotzt der GLE vor Luxus, Komfort und elektronisch begleiteter Sicherheit. So sind ohne Aufpreis Helfer wie ein Staufolgeassistent oder die hilfreiche Verkehrszeichenerkennung mit Tempoübernahme an Bord, in Verbindung mit der optionalen Linie Advanced dann auch das starke LED-Licht.

MBUX glänzt bei der Sprachbedienung

Wie in fast allen Mercedes-Modellen bearbeitet und beantwortet das Bediensystem MBUX auch im aktuellen GLE Kommandos und Wünsche der Passagiere mit Bravour.
Mercedes GLE 300 d 4Matic
Viel Platz, viel Info: Im GLE fahren MBUX und große Displays mit. Die Sprachbedienung ist sehr gut, Kurzwahltasten erleichtern die Bedienung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gut: Zu den Berührbildfunktionen gibt es Kurzwahltasten für die Menüs und ein Fingerpad in der Mittelkonsole. Das benötigt der Fahrer auch dringend – denn Icons auf der rechten Seite des breiten Berührbildschirms erreicht er beispielsweise nur, wenn er sich aus seinem Sitz vorlehnt und den Arm lang streckt.
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Die haptisch fragwürdigen Tastfelder in den Lenkradspeichen sind zudem ein ähnlich lästiges Übel. Dafür sitzt man enorm hoch über der Straße, genießt nach vorn eine gute Übersicht, eine 360-Grad-Kamera (bei Advanced Plus an Bord) sichert beim Rangieren ab.

Im Fahrwerk steckt zu viel Härte

Die adaptive Luftfederung mit großer Spreizung in der Höhenverstellung (astreine Offroadkompetenz!) bietet große Reserven, selbst dicke Buckel dringen nicht als Schläge bis in den Innenraum durch.
Mercedes GLE 300 d 4Matic
Zu straff: Der GLE eckt nervös gegen Kanten, die 21-Zöller erzeugen auf schlechten Straßen ein Grundbeben im Fahrzeug.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Allerdings: Das Fahrwerk sollte insgesamt flauschiger reagieren, die Federung feiner ansprechen. Mercedes hat den GLE so sportlich-präzise abgestimmt, dass er nervös gegen Kanten eckt, bei hohem Tempo Rillen nachläuft, im Aufbau über hektische Wankansätze stresst und auf schlechten Straßen in einem Grundbeben aus den riesigen 21-Zoll-Reifen mit 40er Querschnitt umherrauscht. Wir meinen: So viel straffe Führung steht einem AMG, nicht dem auf seichte Reisefahrt und Alltagspriorität gekämmten Vierzylinder.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,4 s 
0–100 km/h
6,9 s 
0–130 km/h
11,6 s 
0–160 km/h
18,4 s 
0–200 km/h
42,2 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,8 s 
80–120 km/h
5,0 s
Leergewicht/Zuladung
2305/665 kg
Gewichtsverteilung v./h.
54/46 %
Wendekreis links/rechts
12,2/12,2 m
Sitzhöhe
790 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
36,9 m 
aus 100 km/h warm
35,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A) 
bei 100 km/h
63 dB(A) 
bei 130 km/h
67 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
6,5 l/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,7 l D/100 km
(+7 %)
Sportverbrauch
10,8 l/100 km
CO2 (Testverbrauch)
203 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
1100 km
Der ist übrigens nahezu immer präsent, ordentlich gedämmt zwar, doch selbst unter leichter Last klar als Dieselmotor zu vernehmen. Die schlaue Liaison mit dem Elektromotor tut ihm gut. Er spricht spontan an und baut aus dem Schiebebetrieb heraus schnell satten Druck auf.

Beim Verbrauch ist noch Potenzial

Außerdem startet er (im Rahmen der Start-Stopp-Funktion) beinahe unmerklich und sehr flink, das schwere Auto setzt sich beim Ampelstart entsprechend angenehm wach in Bewegung. Gleichzeitig ermöglicht die Montage der E-Maschine direkt an der Kurbelwelle einen eleganten Übergang in die Segelfunktion.
Mercedes GLE 300 d 4Matic
Ordentlich: Im Testdurchschnitt verbrauchte das Diesel-Dickschiff 7,7 l/100 km. Das ist gut für seine Liga, wir hätten uns aber weniger gewünscht.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wir zählen zusammen: Motor elektrisch entlastet, viel Rekuperation, Freilaufmodus möglich – das dürfte einen geringen Verbrauch ergeben. Stimmt nicht ganz. Die 7,7 Liter im Testmittel gehen in dieser Dino-Liga als gut durch, absolut gesehen hätten wir uns aber noch weniger gewünscht.

Wertung

Wertung
Karosserie
Viel Platz, üppiger Laderaum mit viel Zuladung. Feine Materialien. 2,7 Tonnen Anhängelast.
4/5 Punkten
Antrieb
Gute Fahrleistungen, souveräner Allradantrieb, offroadtauglich, große Reichweite.
3,5/5 Punkten
Fahrdynamik
Auto mit großer Masse, sicher über Fahrhilfen. Üppiger Wendekreis, kalt mäßige Bremsen.
4/5 Punkten
Connected Car
Umfangreich ausgestattet, herausragende Sprachbedienung, schnelles Navi mit bester Stauführung.
5/5 Punkten
Umwelt
Schweres Auto mit üppigen Maßen, minimale Elektrifizierung, Vorbeifahrgeräusch eher hoch.
2,5/5 Punkten
Komfort
Luftfederung ab Werk, sollte jedoch feiner ansprechen. Tolle Sitze, hohes Ausstattungsniveau.
4/5 Punkten
Kosten
Empfindlich hoher Kaufpreis, stärkerer Wertverlust, teure Werkstatt, nur zwei Jahre Garantie.
2/5 Punkten
AUTO BILD-Testnote
2-
Fast 2,4 Tonnen (Leergewicht plus Fahrer) lassen sich halt auch elektrisch unterstützt nicht so einfach bewegen. Immerhin reagiert die Bremse (35,3 Meter von 100 auf 0 km/h bei warmer Anlage) aufmerksam. Mit kalten Scheiben ist der GLE allerdings weniger bissig, benötigt fast 37 Meter.

Bildergalerie

Mercedes GLE 300 d 4Matic
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Mercedes GLE 300 d im ersten Test

Fazit

Ein luxuriöser, riesiger, stattlicher Begleiter mit gigantischem Prestigefaktor. Der Vierzylinder ist kein Nachteil – mit diesen Leistungsdaten und in Verbindung mit der E-Maschine sogar passabler Ersatz. AUTO BILD-Testnote: 2-