Als sein Vorgänger, die erste Generation des Mercedes GLE Coupé, 2015 auf den Markt kam, war sie technisch schon ein ganz alter Karren. Der C 292 basierte auf dem bereits seit 2011 gebauten W 166, damals noch M-Klasse genannt. Jetzt wirkt der neue Boss ganz frisch – und wir haben das große SUV-Coupé zum ersten Test gebeten.

Unter der Haube macht jetzt ein Reihensechszylinder Feuer

Mercedes GLE Coupé
Neuer Motor: Statt des V6 ist jetzt ein Reihensechser an Bord – als 400 d mit 330 PS und 700 Nm.
Steigen wir ein in unseren 400 d. Das fällt hinten nun etwas leichter, da das neue Blechkleid ein paar Zentimeter länger ausgefallen ist. Doch noch immer müssen Fondpassagiere ab 1,75 Meter Körpergröße dem Design Tribut zollen und den Kopf beim Zustieg aufgrund der abfallenden Dachlinie einziehen. Auf der Rückbank fällt die Kopffreiheit dann aber nicht mehr ganz so knapp aus wie beim Alten. Den gab es nur in einer Dieselvariante, als 350 d. Damals grummelte noch ein V6-Selbstzünder mit 258 PS unter der Haube, der mit der hohen Fahrzeugmasse spürbar zu kämpfen hatte. Den OM 642 hat Mercedes ad acta gelegt, stattdessen kommt nun ein Reihensechser zum Einsatz (OM 656). Der Biturbo läuft konzeptbedingt viel vibrationsärmer (das merkt man schon bei Standgas) und liefert deutlich mehr Punch.
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Die Fahrleistungen fallen standesgemäß und souverän aus

Mercedes GLE Coupé
Geht ordentlich: Trotz über 2,5 Tonnen Gewicht ist das GLE Coupé in glatten sechs Sekunden auf 100 km/h.
Die Werksangabe beim Standardsprint verfehlt unser Testwagen mit glatten sechs Sekunden zwar um drei Zehntel, dennoch wirkt das GLE 400 d Coupé mit seinen 330 PS und 700 Newtonmetern sehr souverän motorisiert. Trotz des nun noch höheren Gewichts. Knapp 2,3 Tonnen gibt der Hersteller an. Unser technisch schwer aufgerüsteter Testwagen bringt es auf über 2,5 Tonnen. Das ist Wahnsinn! In vielen Situationen kaschiert der Boss seine Opulenz gekonnt, was auch am E-Active Body Control genannten Fahrwerk liegt. In Verbindung mit dem 48-Volt-Bordnetz beherrscht das Aktivfahrwerk allerlei Tricks, neigt sich im Curve-Modus (in drei Stufen verstellbar) in Kurven hinein und erkennt Bodenwellen, die mit kaum spürbarer Karosseriebewegung überfahren werden. Beim Rangieren merkt man dann ganz deutlich, was für ein Trumm man bewegt.
Der Wendekreis fällt mit unter zwölf Metern noch erfreulich gering aus, doch bei vollem Lenkeinschlag radiert der Benz ungestüm über die Vorderräder, und da verhärtet beim schnellen Gegeneinschlag sogar die Lenkung. Fühlt sich an, als wäre da einer schon beim Ausparken am Limit. Das Lenkungsverhärten lässt sich auch bei schnell aufeinanderfolgenden Richtungswechseln provozieren.

Der Testwagen knackt fast die 100.000-Euro-Marke

Mercedes GLE Coupé
Kostet reichlich: Mit allen testrelevanten Extras brachte es unser GLE 400 d Coupé auf satte 99.414 Euro.
Und wo wir gerade so schön am Boss herumkritisieren – da wären noch ein paar Kleinigkeiten, die uns auf den Zeiger gehen. So schmälert die gewaltige Mischbereifung offensichtlich den Komfort. Generell ist auch das luftgefederte GLE Coupé ein meisterhafter Gleiter. Doch die 21 Zoll großen Räder nehmen auch kleinste Unebenheiten in der Asphaltdecke mit, was hier und da die Karosserie erzittern lässt. Den "normalen" GLE haben wir da stressresistenter in Erinnerung. Die Neunstufenautomatik segnen wir sonst mit den höchsten Noten. Doch hier nervt zuweilen das zu hektische Ablegen aus Start-Stopp, wenn der Kraftschluss des sehr kurz übersetzten ersten Gangs etwas übereilig zuschnappt. Keine Frage, wir meckern auf allerhöchstem Niveau. Doch da sieht man sich auch angekommen, wenn man sich für ein Auto in der 100.000-Euro-Liga entscheidet.
Das Fazit: Das Nonplusultra in Sachen Komfort bietet das große und schwere GLE Coupé trotz des selbstbewussten Auftritts nicht. Trotzdem beeindruckend, wozu der technisch hochgerüstete Benz imstande ist! AUTO BILD-Testnote: 3+