Spaß verkörpert der Mercedes GLK nicht unbedingt. Als 220 CDI ist er ein kompakter Hochsitzkinderwagen mit ausreichend Platz für die Reise und viel Sinn fürs Nüchterne. Große Emotionen weckt der graue Kasten nicht. Das sahen auch die Kunden so – die Konkurrenz von Audi und BMW verkaufte sich besser. Etwas hinter den Erwartungen blieb auch der riesige GL, der das andere Ende in der Mercedes-­Geländewagenhierarchie markiert. Zu seinem Debüt 2006 wurde er sogar als Nachfolger des legendären G-­Modells gehandelt, doch es blieb bei der Idee. Seitdem versucht er sich in der Rolle der deutschen Range-Rover-­Alternative.

Der GLK ist der Liebling der TÜV-Prüfer

Mercedes GLK 220 CDI
Der GLK ist solide verarbeitet und fühlt sich auch im Alter noch frisch an. Das gilt auch für das knackige Fahrverhalten.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Nach einer halben Stunde Problemsuche im GLK wird klar: Er hat keins. Wie ein Vorführwagen rollt der sechs Jahre alte 220 CDI vom Autohus über die Landstraßen der niedersächsischen Provinz. In dieser Ausbaustufe leistet der OM 651 genannte Diesel 170 PS. Dank hohem Drehmoment muss die Sechsgangschaltung nicht oft bemüht werden. Auch in der Werkstatt gibt der hochbeinige C­-Klasse-­Bruder den Streber, ist zudem Liebling beim TÜV. Den AUTO BILD-­Dauertest über 100.000 Kilometer absolvierte ein 220 CDI 4Matic mit einer 2+. Nur eine undichte Wasserpumpe verhinderte ein besseres Ergebnis. Mercedes kennt das Thema und tauschte im Rahmen von Kundendienstaktionen großzügig aus.

Die Verarbeitungsqualität des GL enttäuscht

Mercedes GL 320 CDI 4Matic
Gemessen an Größe und Gewicht ist das Kurvenverhalten des GL leichtfüßig.
Bild: Thomas Ruddies / AUTO BILD
Wie kompakt der GLK ist, wird deutlich, wenn er dem GL gegenübersteht. Auf 5,09 Meter Länge und 1,84 Meter Höhe streckt dieser sich. Der GLK wirkt daneben wie das Beiboot eines Kreuzfahrtriesen. Mit Sechszylinder, allerlei Luxus und Luftfederung weckt der GL hohe Erwartungen. Auch an den praktischen Nutzen: 510 Newtonmeter Drehmoment und 3,5 Tonnen Anhängelast. Doch der Einstieg ernüchtert. Das Platzangebot des auch als Siebensitzer lieferbaren GL ist gemessen an der Außenlänge knapp. Im Komfortmodus ignoriert die Federung zwar alle Straßenschäden, stellt aber mit ausuferndem Nachschwingen auch manchen Magen auf eine Bewährungsprobe. Vor allem aber enttäuscht die Verarbeitungsqualität. Die Baureihe X 164 wurde wie die R-­Klasse (Baureihe 251) in Tuscaloosa, Alabama, produziert und ist auf die Bedürfnisse des US-­Markts zugeschnitten. Hohe Fertigungsqualität gehört wohl nicht dazu. Brüchige Kunststoffe, ablösender Klarlack und Rostansätze in den Türen stehen im krassen Gegensatz zu  Markenanspruch und dem Neupreis von rund 80.000 Euro. Nach zehn Jahren sollen es noch 18.400 Euro sein. Viel Geld für fast 300.000 Kilometer und eine ungewisse Zukunft. Zumal Werkstätten beim GL unbarmherzig die Hand aufhalten.
Überblick: Alles zum Mercedes GLK und Mercedes GL
Was bei dem AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer Mercedes GLK und GL außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Der mächtige, kantige GL wirkt beeindruckend und passt optisch gut zur Marke. Leider gilt das nicht für seine Qualität. Verarbeitungsmängel, Rost und Probleme mit den großen Dieseln sind nicht akzeptabel. Verblüffend gut ist dagegen der GLK, der kaum Schwachpunkte hat. Kleine Abzüge gibt es nur für das hohe Ersatzteilpreisniveau.