Mercedes-Maybach S-Klasse in Europa ohne Zwölfzylinder
Mercedes streicht DAS Alleinstellungsmerkmal des Maybach

Mercedes streicht mit dem prestigeträchtigen V12 das Alleinstellungsmerkmal des Maybach – zumindest in Europa. Das hat sich sonst noch getan!
Bild: Mercedes-Benz Group AG
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Früher war alles besser! Eine Redensart, die ab sofort auf die Mercedes-Maybach S-Klasse zutrifft, denn der prestigeträchtige V12 wird mit der Modellpflege in Europa aus dem Programm gestrichen. Ein Verlust, der in dieser Fahrzeugklasse schwer wiegt – und den weder zusätzliche Sterne noch ein Superscreen auffangen können!
Einige Wochen nach der "normalen" Mercedes S-Klasse erhält auch das Topmodell eine umfangreiche Modellpflege. Mercedes spricht gar von einer "neuen Dimension von Exklusivität und Komfort". Natürlich wurde in einigen Details noch mal nachgebessert (dazu gleich mehr), doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Maybach S-Klasse bereits vor der Modellpflege zu den exklusivsten und komfortabelsten Autos gehörte, die man für Geld kaufen kann.
Was in der Luxusklasse jedoch nicht zu unterschätzen ist: der Faktor Prestige. Nachdem der Zwölfzylinder in der S-Klasse schon mit der Einführung der Generation 223 (mit Ausnahme des S 680 Guard) entfallen war, wurde das monumentale Aggregat im S 680 zum Alleinstellungsmerkmal – nicht nur innerhalb der Baureihe, sondern innerhalb des gesamten Konzerns.

Die edle Manufaktur-Zweifarblackierung "Opalithweiß bright/Verdesilber Metallic" ist neu und passt hervorragend zur 5,48 Meter langen Luxuslimousine.
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Ab sofort arbeitet im Mercedes-Maybach S 680 der überarbeitete V8-Biturbo (M 177 evo), der speziell für das Topmodell noch mal verfeinert wurde. So sollen zwei zusätzliche Ausgleichswellen für eine außergewöhnliche Laufruhe sorgen. Der V8 ist mit 612 PS genauso stark wie der 6,0-Liter-V12, fahrdynamisch sollte er ihm also in nichts nachstehen. Doch bei einem Maybach geht es nicht in erster Linie um Leistungswerte, sondern um Luxus, Komfort – und natürlich um das Wissen, dass das Beste gerade gut genug ist.
Für europäische Kunden ist der V8-Biturbo ab sofort das Beste, wohingegen Kunden in anderen Märkten ihren Maybach S 680 weiterhin als V12 bekommen. Auf die Frage, ob sie bei Mercedes ausschließen würden, dass der Maybach in Europa noch mal mit zwölf Zylindern kommt, wollte (oder konnte?) man keine finale Antwort geben. Übrigens genauso wenig wie auf die Frage nach der bisherigen Verteilung zwischen V8 und V12. Fairerweise muss an dieser Stelle aber auch gesagt sein, dass der Wegfall des Zwölfzylinders in Europa natürlich keine freiwillige Entscheidung von Seiten Mercedes war.

Im Rahmen der Modellpflege werden zwei neue Raddesigns angeboten. Eines in 21 Zoll mit Goldfinish und dieses polierte Vielspeichenrad in 20-Zoll. Alle Felgentypen kommen ab sofort mit selbstnivellierenden Nabendeckeln.
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Abgesehen vom V12-Entfall übernimmt der Maybach die meisten Neuerungen aus der Modellpflege der S-Klasse. Der jetzt noch größere Chrom-Kühlergrill macht unmissverständlich klar, dass das hier keine "normale" S-Klasse ist. Erstmals sind der Grill und sogar das Maybach-Signet beleuchtet. Der illuminierte Mercedes-Stern ist nur einigen Märkten vorbehalten - Deutschland zählt selbstredend nicht dazu. Die vielen kleinen Maybach-Logos in den Lufteinlässen sind verchromt, und die Scheinwerfer mit Sterngrafik verfügen über dezente Akzente in Roségold.
Darüber hinaus gibt es zwei neue Felgendesigns mit selbstnivellierenden Nabendeckeln sowie in die Seitenschweller integrierte Projektoren, die das Wort "Maybach" auf den Boden werfen. Das Maybach-Logo in der C-Säule ist jetzt ebenfalls beleuchtet – aber, Sie haben es geahnt, nicht bei uns. Die Rückleuchten mit drei Sternen pro Seite sind ebenso von der S-Klasse bekannt wie die leicht überarbeitete Griffleiste. Natürlich bleibt auch das "Night Series"-Paket im Programm – für alle, die Chrom nichts abgewinnen können.

Für alle, die kein Chrom mögen: Das Designpaket "Night Series" bleibt weiterhin im Programm.
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Zeit, einzusteigen. Parallel zur S-Klasse bekommt auch das Topmodell das neue Cockpit mitsamt serienmäßigem Superscreen. Hierfür wurde das Armaturenbrett umgestaltet. Neue, höherwertige Zierteile und zusätzliche Personalisierungsoptionen sind positiv zu erwähnen. Zudem gibt es erstmals ein lederfreies Interieur, das aus Leinen und recyceltem Polyester besteht.
In einem Maybach sitzt es sich jedoch traditionell hinten rechts am allerbesten – da macht auch die Modellpflege keine Ausnahme. Also die extralange Tür bequem per Knopfdruck im Dachhimmel schließen und zurücklehnen. Leder (in der neuen Farbe "Beech Brown"), so weit das Auge reicht. Sogar die Lautsprecher-Abdeckungen sind beledert – viele dieser Arbeiten werden von Hand in der hauseigenen Manufaktur erledigt, was bemerkenswert ist.

Luxuriöser geht es kaum: Auch die Lederausstattung in der Farbe "Beech Brown" ist neu. Im Maybach ist praktisch alles beledert, sogar die Lautsprecher-Abdeckungen.
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Dass die Bildschirme des Fond-Entertainments größer geworden sind und das Tablet durch zwei Fernbedienungen ersetzt wurde, verkommt zur Nebensache. Wer einmal in einem Maybach hinten gesessen hat, wird den Reiz des ultimativen Luxus besser verstehen können.
Das Bestellfenster für die überarbeitete Mercedes-Maybach S-Klasse ist in den ersten europäischen Märkten ab sofort geöffnet. Erhältlich ist das Topmodell in Europa als S 580 4Matic und S 680 4Matic, in ausgewählten Märkten gibt es auch einen Plug-in-Hybrid mit Sechszylinder. Zu den Preisen sagt Mercedes noch nichts. Zuletzt startete der V8 bei 184.301 Euro, für den V12 wurden 239.439 Euro fällig.
Beim Verlassen des Studios fällt ein letzter Blick auf die opulente Luxuslimousine in der Manufaktur-Zweifarblackierung "Opalithweiß bright/Verdesilber Metallic". Zugegeben, so ein Maybach macht optisch echt was her. War früher vielleicht doch nicht alles besser?
Fazit
Nennen Sie mich altmodisch, aber für mich gehört in einen Maybach ein Zwölfzylinder. Sicherlich fährt der neue S 680 mit V8-Biturbo (mindestens) genauso gut, aber in dieser Fahrzeugklasse ist der Motor einfach eine Frage des Prestiges. Dass der V12 in anderen Märkten weiterhin erhältlich ist, fühlt sich für europäische Kunden an wie eine Farce.
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