Mercedes-Patent: selbst schließendes Cabriodach
Mercedes-Cabrios sollen Regen künftig hören

Ein offenes Cabrio und Regen – keine gute Kombination. Bei Mercedes soll das Dach künftig automatisch schließen, bevor der erste Tropfen fällt. Es bleiben jedoch Fragen.
Bild: Mercedes-Benz AG
Regen ist der größte Feind eines jeden Cabriofahrers. Schnell hat man sich beim Blick in den Himmel verkalkuliert, und das Verdeck ist geöffnet, wenn die ersten Tropfen fallen. Das ist unschön, wenn man im Auto sitzt. Schlimmer ist es jedoch, wenn das Cabrio offen geparkt wurde und ein Schauer einsetzt. Mit einem neuen Patent könnte das bei Mercedes-Cabrios künftig nicht mehr passieren.
Die Autos sollen nämlich künftig selbst erkennen, dass Regen droht – und das Verdeck dann schließen. Der Fokus liegt bei Mercedes dabei offenbar auf Gewittern.
Mikrofone sollen Gewitter erkennen
Mikrofone am Fahrzeug sollen dauerhaft horchen, ob ein Donner in der Nähe hörbar ist. Der soll auch bei lauten Umgebungsgeräuschen, beispielsweise anderen Fahrzeugen, aufgespürt werden. Darauf könnte man beispielsweise eine KI trainieren.
Hat das System einen Donner registriert, soll es herausfinden, ob das Gewitter tatsächlich naht. Dafür wird das Geräusch analysiert. Wie laut ist es? Eher langgezogen oder ein kurzer Knall? Und donnert es öfter hintereinander?

Mercedes' Fokus liegt auf Gewittern: Per Lichtsensor könnten laut Patentschrift zusätzlich Blitze erkannt werden.
Bild: Mercedes-Benz AG
In der Patentschrift heißt es außerdem, dass das System den aktuellen Wetterbericht hinzuziehen könnte. Klingt zunächst nach einer klugen Idee, denn Regen kommt erfahrungsgemäß oft ohne Gewitter vor. Aber ob die Prognosen auch allein ausgewertet werden, ist dem Patent nicht zu entnehmen.
Das Problem mit den Wetterberichten
Dazu sind Wettervorhersagen nicht genau – vor allem bei lokalen Regenschauern. Gerade bei Apps kann man das beobachten. Zwei Wetter-Apps können für denselben Ort unterschiedliche Prognosen liefern. Laut SWR liegt das unter anderem daran, dass die Daten von unterschiedlichen Anbietern stammen, deren Karten den kompletten Globus in recht große Punkte einteilen. 30 bis 60 Kilometer ist so ein Punkt groß.
Zurück zum Mercedes-Patent: Wenn das Auto ermittelt hat, dass es demnächst regnet, soll es – je nach Dringlichkeit – das Dach und die Fenster schließen oder dem Fahrer vorher einen Hinweis geben.
Darum wird der Regensensor nicht genutzt
Der erste Gedanke könnte sein: Warum nutzt man nicht einfach den Regensensor? Der Grund ist einleuchtend, denn der Sensor registriert Regen erst dann, wenn er schon aufs Auto prasselt. Und damit zu spät, um den Innenraum eines Cabrios vor einem Wasserschaden zu schützen.
Fazit
Die Idee, dass sich ein Cabrioverdeck vor einem Schauer selbst schließt, ist ziemlich gut. Weil die meisten Regengüsse aber nicht Teil eines Gewitters sind, wirkt der Fokus aufs Donnergrollen seltsam. Vielleicht will Mercedes sich aber einfach nicht in die Karten schauen lassen, und das Ergebnis überrascht uns – warten wir's ab.
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