Mini Cooper SE: Gebrauchtwagen-Test
Gebrauchter Mini Cooper SE: Der Akku ist seine größte Schwäche

Kultiges Design, agile Fahreigenschaften und mittlerweile erstaunlich günstige Gebrauchtpreise: Der Mini Cooper SE bringt einiges mit. Doch sein kleiner Akku setzt klare Grenzen. Lohnt sich der elektrische Kleinwagen gebraucht?
Bild: Christoph Börries
Da die UKL1-Basis ursprünglich für Verbrenner entwickelt wurde, fällt der T-förmige Akku im Unterboden vergleichsweise kompakt aus. Dafür bleibt das Leergewicht mit 1,44 Tonnen für einen viersitzigen Stromer überschaubar. Neu war diese Kombination markentypisch kostspielig, mittlerweile sind vor allem frühe Exemplare deutlich günstiger zu bekommen.
Kompakte Abmessungen, ordentlich Platz vorn
Das ist er: Eine Stilikone mit bayrischen Genen. Seit BMW die Marke 2001 revitalisierte, lebt Mini vom Technologietransfer. Der Cooper SE baut auf der dritten Generation des modernen Mini (intern F56) auf. Er ist somit nicht wie sein Nachfolger ein eigenständiges, sondern ein elektrisches Derivat. Von diesem konstruktiven Ansatz profitieren die moderaten Abmessungen: 3,85 Meter Länge, 1,73 Meter Breite und 1,43 Meter Höhe sind zwar weit entfernt vom Urmodell, in heutigen Zeiten wirkt der Dreitürer aber tatsächlich mini.
Das Konzept mit kultig gestaltetem Innenraum und sportlicher Retro-Note taugt für vier Personen. Vorn bietet der F56 eine niedrige Sitzposition und angenehm konturierte Sitze, die auch 1,90-Meter-Menschen gerecht werden. Die Rückbank eignet sich eher für gelegentliche Mitfahrer oder Grundschulkinder.

Blick in den Kofferraum: Der Akku kostet keinen Nutzraum, der Cooper SE ist daher halbwegs variabel. Cool: die Union-Jack-Rückleuchten.
Bild: Christoph Börries
Im Alltag fühlt man also nicht sofort den Technologiebruch, selbst der Kofferraum ist mit 211 bis 731 Liter Volumen so groß wie bei den Verbrennergeschwistern. Die Bedienung erfolgt überwiegend über Tasten und Mini-typische Kippschalter. Für die Integration der Batterie wurde die Bodenfreiheit gegenüber den Verbrennern um 18 Millimeter erhöht.
Schon die Basis ist ordentlich ausgestattet
Das hat er: Richtig karg ist selbst ein früher Cooper SE nie. Die Standardausstattung umfasst unter anderem Klimaautomatik, das Infotainmentsystem Connected Navigation sowie digitalisierte Instrumente. Eine praktische Wärmepumpe steigert die Heizeffizienz, spart besonders im Winter kostbare Energie. Trotzdem lohnt ein genauer Blick auf die Ausstattung, denn Mini ließ sich als Premiummarke Konfigurationsvielfalt und Komfortdetails extra bezahlen.

Verspieltes Retro-Design ist typisch Mini. Die Materialien wirken für die Klasse enorm wertig.
Bild: Christoph Börries
Frühe Modelle wurden über die Pakete Trim S, M, L und XL aufgewertet, später brachte Mini verschiedene Designwelten. Basis ist der von uns gefahrene Essential. Den mit Farbe, Speichenfelgen, Hochglanzflächen und Kunstlederelementen verfeinerten Classic Trim, den noblen Mini Yours Trim mit Glattleder und 17-Zoll-Alus sowie den futuristischen Mini Electric Trim mit Cross-Punch-Ledersportsitzen, reichlich gelben Farbakzenten sowie besonders markanten Alufelgen sprechen jeweils unterschiedliche Look-Erwartungen an. Die Mini Electric Collection rundet die Auswahl mit Teilledersportsitzen und Aluminiumdekor-Akzenten im Innenraum sowie schwarzen Zierelementen und auffälligen Foliengrafiken im Exterieur auf.
Gefällt uns
- Vollwertiger Gesamteindruck
- Günstiger Unterhalt
- Gelungenes Design
Gefällt uns nicht
- Müdes Basistriebwerk
- Karge Grundausstattung
- Sporadische Fehler bei Software und Elektronik
Wichtiger im Alltag sind jedoch charmante Extras wie Sitzheizung, Rückfahrkamera und das LED-Licht. Dinge wie das Head-up-Display oder das Harman/Kardon-Soundsystem erhöhen den Komfort weiter, sind aber nicht spielentscheidend. Beim optionalen Panorama-Glasdach lockt das bessere Raumgefühl, jedoch sollten Funktion und Fahrgeräusche vor dem Kauf ein wichtiger Prüfpunkt sein.
184 PS sorgen für Fahrspaß
So fährt er: Enorm flink. Der vom BMW i3 adaptierte Elektroantrieb passt prima zum Charakter des kurzen Mini. 270 Newtonmeter stehen quasi ohne Verzögerung bereit, was gerade bei Nässe eine Herausforderung für die Vorderräder sein kann. Von null auf 100 km/h sprintet der SE in nur 7,3 Sekunden.
Technische Details
Cooper SE | |
|---|---|
Motor | Hybridsynchronmaschine, vorn |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 75 kW (102 PS) |
Spitzenleistung | 135 kW (184 PS) |
Drehmoment | 270 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 150 km/h |
0-100 km/h | 7,3 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 28,9 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Einstufen-Reduktionsgetriebe/Vorderrad |
L/B/H | 3850/1727/1432 mm |
Kofferraumvolumen | 211-731 l |
Leergewicht/Zuladung | 1440/335 kg |
Im relevanten Stadtverkehr kann man so locker Erster an der Ampel sein, aber auch auf Landstraßen funktioniert das Konzept und wirkt für ein E-Auto ungewöhnlich emotional. Der tief verbaute Akku senkt den Schwerpunkt, sorgt aber gleichzeitig für ein nochmals strafferes Fahrgefühl. Der 2,50 Meter kurze Radstand und die direkt übersetzte Lenkung prägen das Fahrverhalten. Verschiedene Rekuperationsstufen ermöglichen individuellere Fahrprofile. Starkes Energierückgewinnen beim Lupfen des Fahrpedals oder entspanntes Ausrollen sind möglich.

Mit 184 PS Spitzenleistung hat der E-Motor leichtes Spiel. Und der Akku hält: Unser Testwagen zeigte nach 79.085 Kilometern noch solide 94,4 Prozent Restkapazität.
Bild: Christoph Börries
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt theoretisch 150 km/h, jedoch spricht die kleine Batterie grundsätzlich gegen Ausnutzung des Topspeeds, wenn man mit klar dreistelligen Reichweiten plant. Je nach Konfiguration nennt Mini optimistisch WLTP-Werte von rund 203 bis gut 234 Kilometern. Im Alltag sind jedoch eher 150 bis 200 Kilometer realistisch. Winterliche Kälte und flottes Autobahntempo können den Radius weiter reduzieren. Für Pendelstrecken reicht das oft, als regelmäßiger Langstreckenwagen verlangt der SE Planungsgeschick.
Und das Laden? Der AC-Lader schafft dreiphasig maximal 11 kW, am DC-Lader sind mäßige 50 kW möglich. Das ist im Vergleich zu aktuellen Elektroautos recht wenig.
Worauf sollte man beim gebrauchten Mini Cooper SE achten?
Das macht Ärger: Mini bot ab Werk drei Jahre Gewährleistung, drei Jahre Lack und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf den HV-Akku gibt es acht Jahre oder 160 000 km Garantie.
Die aktiven Haubendämpfer laufen nach nur fünf Jahren ab, was regelmäßig zu HU-Problemen führt. BMW startete 2024 einen Rückruf wegen eines Fehlers im Batteriesystem. Die Fahrzeuge erhielten unter anderem eine aktualisierte Überwachungssoftware. Vereinzelt wurden Feuchtigkeit und Korrosion im Batteriegehäuse dokumentiert. Außerdem gibt es mitunter Probleme mit der Ladeelektronik und der Ladeklappe, Unterspannung der 12-Volt-Batterie kann für vielfältige Phantomproblemesorgen. Beim KBA sind insgesamt zwei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,0 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 200-500 Euro |
Haftpflicht (14)* | 501 Euro |
Teilkasko (20)* | 633 Euro |
Vollkasko (17)* | 948 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatteriemodul (1 von 7) | 4598 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 1069 Euro |
E-Motor | 4642 Euro |
Antriebswelle v. l. | 884 Euro |
Wasserpumpe Sekundärsystem | 819 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1304 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 724 Euro |
Infotainmentbildschirm | 2849 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 195/55 R 16 H) | 500 Euro |
Fazit
Die größte Schwäche des Cooper SE steht transparent im Datenwerk des Neuwagenprospekts: Der Akku ist für heutige Verhältnisse arg klein, lädt langsam, zeigt aber wenig Degradation. Ansonsten gefällt der agile Edel-Kleinwagen im Alltag mit gutem Design, klassenunüblich edlen Details, einem auf Fahrspaß optimierten Fahrwerk und guter Qualität. Bedingt durch den Wertverlust ist das einstige Premium-Modell jetzt leistbar, allerdings muss das Nutzerprofil passen.
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