Ministerpräsident kritisiert GM
"Massive Verunsicherung"

–
Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier wirft Opel-Mutter General Motors schlechte Informationspolitik vor. Es geht um die Zukunft der deutschen Opel-Standorte.
Bild: dpa
(dpa) Nach immer neuen Spekulationen um Sparpläne beim verlustreichen Autobauer Opel hat Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) dem Management der US-Mutter General Motors (GM) schlechte Informationspolitik vorgeworfen. "Bei diesem Zirkus ist doch völlig klar, dass eine Verunsicherung auch am Markt eintritt", sagte Bouffier am 11. Mai 2012 dem Radiosender hr-Info. "Was ich nicht akzeptieren kann, ist, dass über Wochen niemand weiß, wie es weitergeht. Das führt zu einer massiven Verunsicherung."
Übersicht: Alle News und Tests zur Marke Opel
Das Opel-Werk in Rüsselsheim sieht Bouffier nicht gefährdet. Zwar habe ihm Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke mitgeteilt, dass noch nicht endgültig entschieden sei, ob die Zafira-Entwicklung aus Rüsselsheim verlagert wird. Stracke gehe aber davon aus, dass dieser Schritt keine Auswirkungen auf Arbeitsplätze hätte. Bouffier wird am 14. Mai gemeinsam mit seinem Mainzer Pendant Kurt Beck (SPD) zu einer Opel-Betriebsversammlung ins Stammwerk Rüsselsheim kommen. In der Einladung kritisiert der Betriebsrat, die Belegschaft sei angesichts der Spekulationen sauer, verärgert und frustriert und verlange vom Management umfassende Informationen über die Zukunft des Unternehmens.
Finanzielle Unterstützung für den kriselnden Hersteller schloss Bouffier indes aus. "Ich kann nicht hessisches Steuergeld in die Hand nehmen, um eine Unternehmensentwicklung zu befördern. Das wäre nicht zulässig und gegenüber allen anderen Mitbewerbern nicht zu vertreten." Im Wettbewerb der Standorte sollen Politik und Betriebsräte in England GM Zugeständnisse signalisiert haben, um das Opel-Werk in Ellesmere Port zu erhalten.
Die Opel-Werke im Überblick
Deutschland: Bochum
In Bochum liefen 2011 ein Astra-Modell und zwei Zafira-Modelle vom Band. Nach Werksangaben arbeiten noch 3200 Beschäftigte direkt im Unternehmen sowie rund 1000 Menschen bei Partner- und Fremdfirmen.
Deutschland: Eisenach
In Eisenach bauen 1524 Beschäftigte den Corsa.
Deutschland: Rüsselsheim
Am Stammsitz Rüsselsheim werden der Insignia sowie ein Astra-Modell (5-Türer) gefertigt. Mitarbeiter: 13.825, davon 3200 in der Produktion.
Deutschland: Kaiserslautern
In Kaiserslautern bauen 2640 Beschäftigte Komponenten, Motoren und Achsen.
Polen: Gleiwitz
In Gleiwitz läuft seit 2011 nur noch der Astra (bis 2010 auch der Zafira) vom Band; in dem Werk sind 3523 Menschen beschäftigt.
Spanien: Saragossa
Am Standort Saragossa fertigen rund 6100 Mitarbeiter den Corsa, den Meriva und den Combo.
England: Ellesmere Port
Etwa 2100 Mitarbeiter bauen in Ellesmere Port Astra-Modelle.
England: Luton
In Luton werden die baugleichen Transporter Opel Vivaro und Renault Traffic von 1100 Beschäftigten gefertigt.
Weitere Standorte
Motoren und/oder Getriebe werden zudem in Szentgotthard (Ungarn/660 Mitarbeiter) und Aspern (Österreich/1736) sowie in einem Joint Venture ...
Weitere Standorte
... in Tychy (Polen) hergestellt. In Rüsselsheim und Turin hat der Hersteller Entwicklungszentren.
Service-Links