Ein platter Reifen über Nacht ist ärgerlich. Dutzende platte Reifen in wenigen Straßen sind dagegen kein Zufall: In Hamburg haben Unbekannte in der Nacht zu Montag zahlreiche SUV vorübergehend fahruntüchtig gemacht. Betroffen waren unter anderem Fahrzeuge an der Alster und in Winterhude. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
Zu der Aktion bekannte sich das sogenannte "Widerstands-Kollektiv". Die Gruppe behauptet, bei insgesamt 60 SUV die Luft aus den Reifen gelassen zu haben. Die Polizei hatte diese Zahl am Montag zunächst nicht bestätigt, da die Erfassung der betroffenen Fahrzeuge noch lief.

Eine kleine Linse reicht

Besonders perfide ist die simple Methode: Nach Angaben der Gruppe wurden kleine Linsen in die Ventilkappen der Reifen gesteckt. Wird die Kappe anschließend wieder aufgeschraubt, drückt die Linse gegen den Ventilstift. Das Ventil bleibt dadurch geöffnet und die Luft kann nach und nach aus dem Reifen entweichen. Der NDR bestätigt, dass die Aktivisten nach eigenen Angaben genau diese Methode eingesetzt haben.
Von außen kann die Manipulation leicht übersehen werden. Die Ventilkappe sitzt schließlich wieder auf dem Ventil. Erst der zunehmend platte Reifen macht deutlich, dass etwas nicht stimmt.
Die Gruppe hinterließ nach eigenen Angaben außerdem Zettel an den betroffenen Fahrzeugen und begründete die Aktion mit Umweltbelastung und Gefahren durch SUV im Straßenverkehr. Für diese Woche kündigte sie weitere Aktionen in Hamburg an.

Deshalb kann Weiterfahren gefährlich werden

Wer einen manipulierten Reifen nicht bemerkt und losfährt, riskiert mehr als einen kaputten Reifen. Bereits bei rund 0,5 bar zu wenig Luftdruck können sich laut ADAC die Fahreigenschaften verändern. Der Bremsweg kann länger und die Kurvenlage schlechter werden. Bei hohen Geschwindigkeiten drohen zudem schwere Reifenschäden.
Mit zu wenig Luft im Reifen wird das Auto schwammiger, der Bremsweg länger und die Kurvenlage schlechter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Besonders problematisch: Nicht jedes Reifendruck-Kontrollsystem erkennt den Druckverlust schon im Stand. Direkt messende Systeme überwachen den tatsächlichen Druck über Sensoren in den Rädern. Indirekte Systeme erkennen Veränderungen dagegen unter anderem über das Abrollverhalten der Reifen und reagieren üblicherweise langsamer.

So erkennen Autofahrer die Manipulation

Wer den Verdacht hat, dass sein Auto betroffen sein könnte, sollte vor dem Einsteigen einmal um den Wagen gehen. Wirkt ein Reifen deutlich weicher oder steht die Reifenflanke ungewöhnlich stark auf dem Boden, sollte man nicht einfach losfahren.

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Ein Blick auf die Ventile kann ebenfalls helfen. Sitzt unter einer Ventilkappe ein Fremdkörper, sollte dieser nicht ignoriert werden. Im Zweifel den Luftdruck an allen vier Reifen kontrollieren. Den vom Hersteller vorgeschriebenen Wert findet man je nach Auto beispielsweise in der Bedienungsanleitung, an der B-Säule, im Handschuhfach oder auf der Innenseite des Tankdeckels.
Auch nach dem Start gilt: Leuchtet die gelbe Reifendruck-Warnleuchte auf, sollte der Fahrer die Warnung ernst nehmen. Ist ein Reifen bereits platt, rät der ADAC davon ab, weiterzufahren. Ist äußerlich nichts zu erkennen, sollte der Reifendruck möglichst schnell kontrolliert werden.

Reifendruckkontrolle allein reicht nicht immer

Auf das elektronische Reifendruck-Kontrollsystem sollte man sich deshalb nicht ausschließlich verlassen. Seit November 2014 ist ein solches System bei neu zugelassenen Pkw in der EU vorgeschrieben. Der ADAC empfiehlt trotzdem, den Reifendruck regelmäßig manuell zu überprüfen, am besten etwa alle zwei Wochen.
Wer sein Auto über Nacht an der Straße abstellt und ungewöhnliche Veränderungen bemerkt, sollte deshalb genauer hinschauen. Ein kurzer Kontrollgang ums Auto dauert nur wenige Sekunden. Im Fall der Hamburger Aktion kann genau dieser Blick verhindern, dass aus einer simplen Manipulation am Ventil ein beschädigter Reifen oder eine gefährliche Fahrt wird.