mobee: Gebrauchtwagensuche mit KI
Findet die KI den richtigen Gebrauchten für Sie?

Das Gebrauchtwagen-Portal mobile.de hat kürzlich die KI-gestützte Suche "mobee" gelauncht. Wir haben sie ausprobiert. Und: CEO Ajay Bhatia über die Zukunft der Autosuche.
Bild: mobile.de
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Künstliche Intelligenz ist spätestens seit ChatGPT in aller Munde. Sie soll uns im Alltag entlasten und Orientierungshilfe geben – vom Formulieren von Texten bis zur Urlaubsplanung. Nun hält sie auch im Autokauf Einzug: mobile.de, Deutschlands größtes Portal für Gebrauchtwagenangebote, hat einen neuen KI-Assistenten eingeführt. "mobee" heißt der digitale Begleiter, der als intelligenter Suchagent fungieren soll.
Die Idee: Statt stundenlang Filter zu setzen und Inserate zu vergleichen, geben Interessenten ihre Wünsche einfach in normaler Sprache ein. Ob "familienfreundliches SUV unter 40 000 Euro" oder "kompakter Stadtflitzer für Fahranfänger": mobee soll solche Anfragen verstehen, direkt mit den rund 1,4 Millionen Angeboten abgleichen und passende Vorschläge liefern. Damit will mobile.de nicht nur die Suche beschleunigen, sondern auch die Beratung verbessern: Der Assistent vergleicht Modelle, erklärt Finanzierungsmöglichkeiten und gibt Markteinschätzungen.
Nach einer Pilotphase ist das Tool nun für alle nutzbar. mobile.de verspricht eine "neue Qualität der Fahrzeugsuche", von der ersten Anfrage bis zur finalen Kaufentscheidung. Die wichtigsten Fragen zum neuen Feature beantwortet Ajay Bhatia, CEO von mobile.de, im Interview.
Außerdem in diesem Artikel: Ob mobee im Alltag wirklich funktioniert und wie hilfreich der virtuelle Berater tatsächlich ist, haben unsere Redakteure ausprobiert.
AUTO BILD: Wie wird sich die Suche mit KI bei mobile.de verändern: Bekomme ich jetzt bessere oder einfach nur schnelle Ergebnisse als zuvor? Ajay Bhatia: Durch künstliche Intelligenz wird die Suche nach dem perfekten Fahrzeug intuitiver als je zuvor. Unser neuer GenAI-Assistent "mobee" berät Kaufinteressierte wie ein persönlicher Verkaufsexperte: Er erfasst individuelle Anforderungen, vergleicht Modelle, erklärt verschiedene Finanzierungsoptionen und führt durch gezielte Nachfragen zum optimalen Angebot – ob "familienfreundlicher SUV unter 40.000 Euro" oder "sparsamer Stadtflitzer für Fahranfänger".

Ajay Bhatia ist CEO von mobile.de. Im Interview erklärt er, wie mobee die Autosuche verändert.
Bild: mobile.de
Was kann die KI, was die manuelle Suche nicht leisten kann? mobee versteht natürliche Sprache und übersetzt Wünsche automatisch in präzise Suchkriterien. Man kann einfach beschreiben, wonach man sucht. mobee filtert dann automatisch die Suchergebnisse – vorausgesetzt, die jeweiligen Filter existieren in der Datenbank von mobile.de als Deutschlands größtem Fahrzeugmarkt. Besonders für diejenigen, die noch nicht wissen, welches Auto zu ihnen passt oder die zwischen mehreren Modellen schwanken, bietet mobee eine hervorragende Entscheidungshilfe.
KI lebt von der schnellen Weiterentwicklung. Lernt die mobile.de-KI dazu und stellt sich so besser auf meine Bedürfnisse ein, oder starte ich jedes Mal bei null?
Individuelle Chatverläufe speichert mobee derzeit noch nicht. Dennoch lernt unsere KI auf Basis des Nutzerverhaltens kontinuierlich dazu. Aktuell planen wir, mobee noch enger mit den diversen Informationsquellen auf mobile.de zu verzahnen, wie zum Beispiel gespeicherten Favoriten oder dem individuellen Suchverlauf. Auf diese Weise werden wir mobee weiter ausbauen und optimieren.
Für wen bringt die neue Suche den größten Mehrwert: Käufer, Verkäufer oder beide?
Von mobee profitieren beide Seiten: Kaufinteressierte erhalten erstklassige Beratung und eine herausragende Nutzererfahrung, die sie zu einem optimalen Fahrzeugangebot führt. Autohändler werden bei der zeitaufwendigen Vorabberatung entlastet. Die Kunden kommen noch informierter und kaufbereiter in das Autohaus. Somit kann mobee die perfekte Basis für einen erfolgreichen Verkaufsabschluss schaffen.
Welchen Prompt können Sie für Ihre KI empfehlen? Gibt es einen besonderen "Hack" für die besten Ergebnisse?
Wie bei anderen generativen KI-Assistenten gilt auch für mobee: Stellen Sie klare, präzise Fragen, nutzen Sie Schlüsselwörter und liefern Sie Kontext, damit die KI Ihre Anliegen bestmöglich verstehen kann. So könnte eine Beispielfrage lauten: "Vergleiche das Platzangebot, den Verbrauch, typische Schwachstellen sowie den Wiederverkaufswert von VW Golf und Ford Focus." Auf einer solchen Basis kann mobee selbst komplexere Anliegen mit diversen Vergleichsdimensionen bedienen.
Oldtimersuche mit mobee
Kim-Sarah Biehl, Redakteurin
Eine KI, die einen bei der Suche nach dem richtigen Auto unterstützt? Klingt spannend! Schon beim ersten Test fällt auf: Geht es um neuere Autos, kann die KI sehr präzise auf individuelle Wünsche eingehen. Sucht man etwa einen Kombi mit frischem TÜV für lange Autobahnstrecken, liefert mobee schnell passende Ergebnisse. Bei speziellen Anfragen, etwa nach einem Oldtimer, braucht die KI aktuell noch etwas mehr Vorarbeit und fragt recht früh nach Marke und Modell – genau der Punkt, an dem man sich von einer KI eigentlich etwas mehr Orientierung erhoffen würde. Wünschenswert wären auf die Aussage "Ich suche nach einem Oldtimer" unter anderem die Fragen: "Soll das Auto im Alltag genutzt werden? Wie gut soll der Zustand sein: Sammlerstück oder Projektauto? Aus welcher Epoche soll der Oldtimer stammen?" Andersherum wissen die meisten Oldtimerfans aber ohnehin, was sie suchen. Und an der Stelle übernimmt mobee genau das, was man ansonsten selbst über die Filter einstellen würde. Das spart Zeit bei der Suche. Gleichzeitig ist Potenzial erkennbar: Ginge der Fokus hier noch mehr auf Interaktion, eine beratende Funktion und Hilfe in der ersten Findungsphase, dann könnte mobee eine noch größere Erleichterung bei der Autosuche werden.

Statt aufwendig Filter zu setzen, kann man jetzt mit einer einfachen Anweisung alle passenden Autos finden.
Bild: mobile.de
Selbst filtern war gestern
Lena Trautermann, Stellv. Chefredakteurin
Natürlich gehe ich mit maximalem Ehrgeiz an die Sache und überfordere die KI gleich mal mit einer komplexen Anfrage: "Mein aktuelles Auto ist ein Audi A4 Avant (Bj. 2012) mit 2.0 TDI und 177 PS. Ich bin zufrieden, aber er hat eine hohe Laufleistung, daher muss ein neues her. Es soll ähnlich praktisch sein, mindestens 190 PS haben und darf nicht mehr als 50.000 Euro kosten." mobee reagiert sogar noch charmant mit einer Rückfrage zum Getriebe (manuell oder Automatik), muss nach meiner Antwort dann aber passen: "Leider keine passenden Ergebnisse." Aber mal ehrlich: Bei einer Anfrage, die so viele Parameter kombiniert und implizite Anforderungen enthält, würde selbst ein echter Autonerd erst mal ins Grübeln kommen. Viel besser klappt's, wenn man der KI klar vorgibt, was man sucht: "Kombi, über 190 PS, maximal 50.000 Euro, Diesel, Automatik." Dann liefert mobee eine akkurate Trefferliste, die sich nach Belieben weiter verfeinern lässt. Und das klappt trotz kurzer KI-Denkpause deutlich schneller als bei der klassischen Filtersuche, bei der man sich durch zig Auswahlfelder klicken muss. Die KI macht die Suche so spürbar einfacher und effizienter. Und als Bonus kann man mit mobee dann auch noch über Grundsatzfragen diskutieren – zum Beispiel, ob das nächste Auto lieber Elektro oder Verbrenner sein soll.
Ein kreatives Kerlchen
Stefan Novitski, Redakteur
Auch einen Funken Inspiration, der manchmal bei der Autosuche fehlt, liefert jetzt die KI von mobile.de. "Welche Autos empfiehlst du Fahranfängern?", frage ich. Und nach 20-sekündiger Denkpause gratuliert mir mobee zum Führerschein (fast 30 Jahre zu spät), wägt zwischen Leasing und Gebrauchtwagen ab, geht auf Sicherheitsaspekte ein und listet sieben Kleinwagen auf, die für Fahranfänger durchaus geeignet sind. Ein absolut brauchbarer und kompakter Überblick, den mobee dem Anwender aus seinem virtuellen Ärmel schüttelt. "Zeige mir eine Auswahl dieser Modelle bis 10.000 Euro." Macht mobee, hinzu kommen nun aber auch größere Kisten wie Vans und Kastenwagen. An der einen oder anderen Stelle patzt der künstliche Kumpel dann doch, kennt etwa den Unterschied zwischen Vollhybrid oder Plug-in-Hybrid nicht. Doch die User-Angaben übersetzt mobee in über 90 Prozent der Fälle in die korrekten Filter. Allerdings muss man etwas kompliziert über die Vor- und Zurück-Navigationstasten zwischen Ergebnisliste und KI-Dialogfeld springen. Besser integriert wäre mobee als zusätzliches Fenster, das permanent für den Anwender sichtbar bleibt. Doch es funktioniert auch so ohne große Verzögerung, nachträglich Korrekturen oder Verfeinerungen an der Suche vorzunehmen. Fazit: klarer Mehrwert, für viele wohl die elegantere Methode, Ergebnislisten einzugrenzen. Vor allem weniger versierten Usern erweitert mobee gekonnt den Horizont.
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