Zuletzt betrachteten wir drei Szenarien, die die Mobilität in den nächsten 50 Jahren grundlegend verändern könnten. Unser heutiges Szenario würde die Steuerung des Fahrzeugs möglicherweise in den Kopf verlagern – buchstäblich. Denn bis zum Jahr 2075 könnte das Lenkrad im Auto überflüssig werden. Nicht wegen autonomer Systeme, sondern durch die Kraft unserer Gedanken.
Eine neuronale Schnittstelle – implantiert (BCI: Brain-Computer-Interface) oder als Headset getragen (nicht ganz so gruselig) – erlaubt es, ein Fahrzeug allein durch mentale Impulse zu steuern. Abbiegen, beschleunigen, navigieren – alles funktioniert über gezielte neuronale Aktivierung.
Was vor wenigen Jahren ein medizinisches Forschungsfeld war (z. B. bei Neuralink oder NextMind), wird dank Fortschritten in Neurotechnologie, KI und Sensorik zunehmend zur Alltagstechnologie. Erste Anwendungen in der Steuerung von Prothesen oder Rollstühlen ebnen den Weg.
Zwar bleiben Sicherheitsbedenken, doch der Komfortgewinn ist immens: Weder Lenkrad noch Pedale und auch nicht Touch oder Sprache – alles im Auto wird künftig durch Gedankenkraft bedient.
Das bedeutet: Es gibt keine körperliche Anstrengung mehr beim Fahren. Und auch keine Hürden mehr für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Wer denken kann, kann lenken – das Auto wird zur Erweiterung des Nervensystems. Die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt.
Wahrscheinlichkeit des Eintritts bis 2075: fünf bis zehn Prozent (bei komplexen Steuerungsaufgaben)
Was dafür spricht:
  • Neuronale Schnittstellen (BCIs) werden bereits erfolgreich in der Prothetik und Forschung eingesetzt.
  • Neuralink implantierte 2024 erstmals einen Gehirnchip in einen lebenden Menschen. Der querschnittsgelähmte Noland Arbaugh, der weder Arme noch Beine bewegen kann, schafft es seitdem, eine Computermaus mit seinen Gedanken zu steuern.
  • Neben Neuralink (gegründet von Elon Musk) forschen weitere Tech-Unternehmen mit großen Budgets an dieser Technologie.
  • Bereits 2016 fand an einer Universität in Florida ein gedankengesteuertes Drohnenrennen statt. Zwar flogen die Drohnen langsam, doch die Machbarkeit der Technik wurde demonstriert – allerdings mussten sich die Teilnehmer extrem konzentrieren, um die Fluggeräte auf Kurs zu halten.

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Was dagegen spricht:
  • Neuronale Steuerung ist kognitiv sehr fordernd.
  • In Studien zeigt sich: Das bewusste Aktivieren bestimmter Gehirnprozesse ist mental anstrengend.
  • Herausfordern ist zudem, dass die "Gedankensteuerung" zuverlässig, sicher und in Echtzeit erfolgen muss.
  • Schon bei einfachen Aktionen wie "rechts abbiegen" oder "langsamer fahren" entsteht eine hohe mentale Belastung, die den Komfortgewinn fraglich erscheinen lässt.
Fazit: Die neuronale Steuerung könnte in Spezialanwendungen, insbesondere in der Medizintechnik, bahnbrechend sein. Im Straßenverkehr dürfte sie jedoch auch im Jahr 2075 eine Randerscheinung bleiben. Zudem ist die Bereitschaft sicherlich gering, sich einen Chip ins Gehirn implantieren zu lassen – vor allem, da autonome Systeme voraussichtlich schon deutlich früher den Verkehr dominieren werden.
Mit den möglichen Überraschungen, die autonomes Fahren noch bereithalten könnte, beschäftigen wir uns im nächsten Szenario.