Mobilmacher: Orangework
Absolut exklusiv: Orangework baut vier Expeditionsfahrzeug im Jahr

Stephan Schmidt wollte vor rund 25 Jahren nur seinen Lkw zum Expeditionsfahrzeug ausbauen. Mit seinem handwerklichen Geschick und dem Reisemobil-Boom machte er daraus ein Geschäft.
Bild: Fabian Hoberg / AUTO BILD
- Fabian Hoberg
Die Maserung auf dem Holz führt von Tür zu Tür. Fast nahtlos, in gleicher Optik. Ein Detail, das sofort beim Betreten des Iveco Daily auffällt und die Arbeit von Orangework in Köln-Rath gut beschreibt: Der Hersteller von Expeditionsfahrzeugen fertigt seine Möbelelemente nach Maß und ganz individuell, immer in höchster Handarbeitsqualität und mit viel Liebe zum Detail.
Orangework baut Expeditionsfahrzeuge, mit denen Abenteurer mehrere Monate weltweit autark unterwegs sein können. Oft sind es MAN TGS, MAN TGS 6x6, Mercedes Unimog, Arocs oder Iveco Daily. Aber auch Bremach T-Rex, Land Rover Defender, Mercedes G-Modelle als 4x4 oder 6x6 baut Orangework zum Reisemobil um. Vorteil der Fahrzeuge: Sie sind sehr robust und zuverlässig. Zudem bieten die Marken ein großes, weltweites Händlernetz und eine gute Teileversorgung.

Guido Knetschowsky (l.) und Stephan Schmidt (r.) bauen mit ihrem Team rund vier Expeditionsfahrzeuge pro Jahr. Exklusivität ist damit garantiert.
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Denn seit 1998 arbeitet Stephan Schmidt als selbstständiger Schreiner. Anfangs baut er Ladenlokale und Messestände auf und um. 2004 fragt ein Kunde eines Zulieferers, ob er nicht seinen Transporter zum Camper verfeinern könne. Er kann. Und wie. Der Kunde ist happy und Stephan Schmidt auch. So sehr, dass er wenig später eine Firma für den professionellen Ausbau von Expeditionsfahrzeugen gründet – nach dem Namen seiner Lieblingsfarbe. Seitdem entstehen bei Orangework komplette Aufbauten samt Inneneinrichtungen, natürlich in Holz.
Der Zufall macht es möglich
Dabei fing alles, wie so oft, mit einem Zufall an. Stephan Schmidt wollte sich mit 18 Jahren aus einem alten Hanomag A-L 28 von 1965 sein eigenes Wohnmobil bauen. Er überlegt sich einen möglichst praktischen Grundriss, schreinert sich Schränke, Betten und Regale, passt sie in die Kabine ein. Nahezu perfekt. Während seines Zivildienstes in Köln arbeitet er mit ehemaligen Häftlingen in einer Schreinerei, dabei entfacht seine Liebe zu Holz. In Kombination mit dem Faible für Lastwagen ist das fatal.

Alles Handarbeit: Spezielle Träger und Aufnahmen schweißen Mitarbeiter selbst.
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Mit 21 Jahren macht Stephan Schmidt seinen Lkw-Führerschein. Schmidt verkauft den lahmen Hanomag und kauft sich einen stärkeren Magirus Mercur 125D von 1964. Klar, dass anschließend ein kompletter Innenausbau aus Holz folgt – in einer selbst gebauten Wohnkabine. Mit der reist er quer durch Europa und Marokko, wohnt darin aber auch sieben Jahre lang neben seiner ersten Arbeitshalle, einer Schreinerei.
Reparaturen müssen einfach sein
Die ist längst einer neuen, moderneren Halle gewichen. Was geblieben ist, sind die Handwerkskunst und die Liebe zum Detail. Die von Hand gefertigten Aufbauten der Allradler konstruiert Firmengründer Stephan Schmidt so robust, dass selten Teile kaputt gehen. Metertiefes Wasser, steile Steigungen oder extreme Höhen stellen für die Fahrzeuge kein Problem dar. Dank Allradantrieb und großer Bodenfreiheit sind diese Expeditionsfahrzeuge meist dort unterwegs, wo Straßen und Zivilisation aufhören.
"Auch nach Tausenden von Schotterpisten-Kilometern muss am Fahrzeug alles fest halten, da darf nichts klappern", erklärt Schmidt. Falls doch einmal etwas rappelt, lassen sich die Teile oft mit Hammer, Schraubenschlüssel und -dreher reparieren. Ein Teil der Installation lässt sich von außen bedienen und notfalls reparieren – falls im Busch etwas kaputt gehen sollte.

Für die Bearbeitung der Wohnkabine vergehen mehrere Monate, für den Komplettbau ein Jahr.
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Elektronische Fehler können die Mitarbeiter häufig über eine Fernwartung feststellen oder mittels Video-Anruf beheben. Selbst wenn Besitzer der Allradfahrzeuge mit den grobstolligen Reifen das Potenzial nicht ausschöpfen – sie schätzen die Sicherheit, dass sie überall durchkommen könnten, wenn sie nur wollten.
Bis zu 4000 Stunden pro Lastwagen
In den Abteilungen GFK-Bau, Möbelbau, Elektrotechnik und Sanitärbau entstehen bei Orangework nacheinander die kompletten Kabinen, insgesamt arbeiten zehn Mitarbeiter über ein Jahr an einem Expeditionsfahrzeug, darunter Schreiner, Schlosser, Elektriker und zwei Ingenieure. Nur vier Fahrzeuge entstehen pro Jahr, seit Gründung des Unternehmens rund 40 exklusive Fahrzeuge. An einem Lastwagen oder Transporter sitzen die Mitarbeiter zwischen 2500 bis 4000 Stunden, arbeiten oft mit nur zwei Personen in einer Kabine. Allein für die Bestellung der Einzelteile bei über 200 Lieferanten ist ein Mitarbeiter rund zwei Monate beschäftigt.
Die Sandwich-Platten aus Holland werden in Köln bearbeitet, geschnitten und zu einer hochfesten Wohnkabine mit einem speziellen Zwei-Komponenten-Material geklebt und verbacken. Dadurch gibt es keine Probleme mit Dichtfugen, auch nicht bei starker Kälte.

Selbst kilometerlange Fahrten durch Sand und Geröll kann den Wohnkabinen nichts anhaben.
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Die fertige Kabine wird innen weiß und außen in der Wunschfarbe lackiert, meist mit einem robusten Strukturlack, passend zur Fahrzeugkabine. Anschließend folgt der Innenausbau mit Elektrik, Heizung und Sanitäranlagen. Bis auf die GFK-Platten stellt Orangework alles selbst her, neben den Möbeln auch Konstruktionen wie Zwischenrahmen mit spezieller Vier-Punkt-Lagerung für mehr Geländegängigkeit.
Beim Innenausbau arbeiten die Schreiner mit großen CNC-Fräsen, Schleifmaschinen und Drehbänken für Holz und GFK. "Die Holzmöbel müssen exakt sitzen, damit wir möglichst auf Silikon verzichten können und der Innenausbau noch nach Jahren übelster Piste hält", erklärt Stephan Schmidt. Beim Bau des Grundrisses achtet er darauf, dass die Kabine ein Wohlfühlraum wird: nicht technisch-kalt, sondern harmonisch-warm. Dafür bietet Orangework verschiedene Möbelfronten, Materialien, Farben, Schrägen und Rundungen an. Schubladen bauen die Schreiner mit Selbsteinzug und verschiedenen Schließmechanismen.
Viele Kunden besorgen LKW zum Umbau selbst
Für das Stromsystem nutzt Orangework Marinetechnik von Mastervolt – weil sie robuster und zuverlässiger arbeitet als Technik aus dem Caravan-Sektor. Die meisten Fahrzeuge nutzen zum Campen Strom der PV-Anlage auf dem Dach, die Energie wird in Akkus gespeichert. Das Einzige, was die große Tour dann einschränkt, sind Lebensmittel, Wasser und Kraftstoff.

Besitzer von Orangework-Expeditionsfahrzeugen setzen ihre Fahrzeuge meist auf Fernreisen ein.
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Die Hälfte der Kunden besorgt sich den Lkw für den Umbau übrigens selbst, bei einigen unterstützt Orangework sie. "Wir empfehlen einen Händler in der Nähe, wenn Kunden dort Fahrzeuge kaufen können. Problem: MAN verkauft nur an Gewerbetreibende, daher übernehmen wir dann auf Wunsch den Kauf", erklärt Guido Knetschowsky, geschäftsführender Gesellschafter von Orangework und Maschinenbauer. Es gebe auch einige Kunden, die für ihr Expeditionsfahrzeug erst extra den Lkw-Führerschein machen.
"Viele Interessenten kommen aber vorher mit genauen Vorstellungen zu uns, wir beraten und entwickeln die dann mit ihnen weiter", sagt Guido Knetschowsky. Kunden können ihr Fahrzeug ganz individuell gestalten und planen. "Wir setzen nicht auf vorgefertigte Bauteile, sondern passen alles individuell an. Deshalb vermessen wir jedes Fahrzeug vor dem Bau genau", erklärt Guido Knetschowsky. Alles Einzelanfertigungen. Die hohe Fertigungstiefe habe den Vorteil, dass Kunden Änderungswünsche während der Planung noch einfließen lassen können. Derzeit müssen Kunden etwa mit zweieinhalb Jahren Vorlauf für den Umbau rechnen.
Mindestens 450.000 Euro kostet ein ausgestatteter Iveco, ein MAN TGS liegt bei mindestens 600.000 Euro – mit Doppelbett, Dusche, Fußbodenheizung, Waschmaschine, Spülmaschine und einer großen Küche inklusive. Und der Maserung auf dem Holz, die von Tür zu Tür führt. Fast nahtlos, in gleicher Optik.
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