Der 350 PS starke Vierzylinder-Boxermotor des Porsche 718 Cayman S lässt hinsichtlich der Fahrleistungen keine Wünsche offen – ohne Einschränkungen oder Relativierungen. Punkt. Allerdings hatten wir bisher noch kein einziges Auto unter unseren Fittichen, das nur durch ein paar zusätzliche PS unattraktiver geworden wäre. Zweitens schlummern in den Tiefen des 718er-Chassis noch jede Menge fahrdynamische Reserven. Und drittens ist es für einen Tuner nunmal verdammte Pflicht, die Motorleistung zu steigern – und zunehmend auch Herausforderung, denn die Hersteller sichern die Software immer besser gegen Eingriffe.

Neue Software und neue Abgasanlagen sorgen für mehr Leistung

MTM 718 Boxster S
Mit externem Steuergerät und neuem Auspuff holt MTM 402 PS und 490 Nm aus dem 2,5-Liter-Boxer.
MTM und TTP knöpfen sich den 718 Boxster S vor und steigern dessen Leistung auf rund 400 PS und fast 500 Nm. MTM bedient sich hierzu eines Zusatzsteuergeräts namens M-Cantronic, das jederzeit rückstandsfrei wieder entfernt werden kann. Das externe Steuergerät steigert die Leistung auf 382 PS, weitere 20 PS bringt die Edelstahl-Abgasanlage mit 90-Millimeter-Downpipes, 200-Zellen-Metallkatalysatoren und Endschalldämpfern samt Klappensteuerung. Auch bei TTP kommen die 400 PS durch die Kombination von Software und Abgasanlage zustande: Die 200-Zellen-Katalysatoren von HJS reduzieren den Staudruck auf weniger als die Hälfte, während die Endschalldämpfer mit zwei Klappen für besseren Sound sorgen sollen. Die modifizierte Motorsoftware schaltet weitere 30 PS frei, hält beim TTP-Boxster S jedoch nicht per Zusatzsteuergerät Einzug, sondern wird direkt auf das originale Motor- (und Getriebe)-Steuergerät aufgespielt.

TTP trägt deutlich dicker auf als MTM

TTP 718 Boxster S
Schwarze 20-Zöller, kriegsschiffgrauer Lack und weinrotes Verdeck – optisch liegt der TTP-718 vorne.
Neben schicken Barracuda Racing Wheels in 20 Zoll verfeinert TTP den 718 noch mit Bilstein-Gewindefederbeinen, die mit den Adaptivdämpfern des werksoptionalen PASM-Fahrwerks kombiniert werden. Tieferlegung, schwarze 20-Zöller, kriegsschiffgrauer Lack und weinrotes Verdeck – beim optischen Auftritt hängt der TTP-Boxster den fast im Serienlook antretenden MTM glatt ab. In der Wertung bringt ihn das freilich nicht nach vorn, denn es sind nur Äußerlichkeiten. Stattdessen treibt uns die Frage um: Ist die Tieferlegung sinnvoll, macht sie den Boxster tatsächlich schneller oder einfach nur härter? MTM geht diesbezüglich keine Risiken ein und schickt uns den Testwagen mit originalem Basisfahrwerk ohne Tieferlegung oder Adaptivdämpfung, immerhin aber auf geschmiedeten 20-Zöllern im MTM-typischen Bimoto-Design. Einigkeit herrscht wieder bei der Wahl des französischen Reifentyps – wenngleich der MTM eine ganze Nummer breiter unterwegs ist – und der Bremse: Stahl statt kostenintensiver Keramik.Wir starten die Boxster und fahren auf die Autobahn. Auf der A7 stürmen die beiden Getunten recht mühelos in Richtung der 300-km/h-Marke. Hierbei fällt auf, dass der MTM mit seinem Serienfahrwerk schluckfreudig, perfekt gedämpft und mit gutem Geradeauslauf über Querfugen und sonstige Unbilden der Autobahn bügelt.

Die Fahrleistungen liegen über denen des Technikspenders

Zwei getunte Porsche 718 Boxster S
Klare Sache: Ab 80 Km/h zieht der MTM dem TTP weg – die Serienversion schlagen sie beide.
Beim TTP sieht das ein wenig anders aus: Des Gewindefahrwerk ist in diesem Setup für den Alltagsbetrieb im Prinzip zu hart und bietet zu wenig Federweg. Querfugen bei hohem Tempo würden die Insassen glatt aus den Sitzen katapultieren, wären sie nicht angeschnallt. Und der bei Unebenheiten nervöse Geradeauslauf erfordert kräftige Lenkkorrekturen. Jetzt aber den Blinker rechts setzen und runter von der Autobahn. Wir rollen auf das Flugplatzgelände und installieren das Messgerät. Beide Rivalen der Startbahn kommen bestens aus dem Block – der MTM mangels Sport-Chrono-Paket auch ohne Launch Control – und liegen bis 80 km/h gleichauf. Bis 100 km/h macht der MTM eine Zehntelsekunde gut, bis 200 sind's deren vier. Auch in den Durchzugswerten hängt der TTP stets ein, zwei Wimpernschläge hinterher – offenbar schlagen sich hier die 10 Nm weniger Maximaldrehmoment bei ausstattungsbedingten 16 Kilogramm Mehrgewicht auf dem Display nieder.
Weitere Details zu den beiden getunten Porsche 718 Boxster finden Sie in der Bildergalerie.