Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Nichts anderes könnte man bei Roland Mayers neuestem Projekt, dem Audi S3 Clubsport, vermuten. Anstatt einfach auf der herausragenden Performance des neuen Audi RS 3 aufzubauen, entschied sich der Tuner, einen S3 nach allen Regeln seiner Kunst umzustricken. Mit dem Ziel, klar schneller als der 400 PS starke Werks-RS 3 zu sein.
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Der hatte zuletzt im Supertest eindrucksvolle 1:34,93 Minuten in den Sachsenring-Asphalt gebrannt und sich damit die Krone des schnellsten Serienkompakten vom Mercedes A 45 geholt. Der Vorsprung auf den Vorgänger ist riesig, das Auto bewaffnet mit Torque Splitter, Keramikbremse und Pirelli Trofeos.
MTM S3 Clubsport
Viel Seitenhalt, wenig Komfort: 9900 Euro kosten die beiden wenig gepolsterten Recaro-Podium-Carbonschalen.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD

Und da will der Mayer mit einem aufgepimpten S3 dagegenhalten? Wo doch der S3 Sportback bisher nur mit 1:40 Minuten über den Ring wankte? Sechs Sekunden schneller als die Serie? Wie soll das denn bitte schön gehen? Aber: Solche fast unlösbaren Aufgaben sind genau nach dem Geschmack des Tuners.

Rückbank raus, Überrollkäfig rein

Und so oft hat er uns in den letzten Jahren bewiesen, was alles geht. Man erinnere sich nur an die wahnwitzige Idee, einen R8-LMS-GT3-Rennwagen mit Kennzeichen und TÜV-Stempel auszustatten. Mit dem Ziel, am Sachsenring Rundenrekord zu fahren. Was übrigens damals geklappt hat.
Zurück zum gelben S3 Clubsport. Wie der Name schon sagt, hier wurde einiges entkernt und feingeschliffen. Die Rückbank des S3 flog raus und machte Platz für einen ziemlich ausladenden Überrollkäfig.
MTM S3 Clubsport
Rückbank weg, Bügel rein, macht 1536 Kilo. Um wie viel leichter als die Serie? Der RS 3 wiegt 1572, der S3 1590 Kilo.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Weitere Kilos gingen mit den beiden Recaro-Podium-Carbonschalensitzen verloren, deren sehr effizient aussehende Polsterung mit der Außenfarbe des Autos korrespondiert.
Motorbauart 
R4 
Aufladung 
Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
Hubraum 
1984 cm³ 
Bohrung x Hub 
82,5 x 92,8 mm 
Verdichtung 
9,3:1 
kW (PS) bei 1/min 
388 (528)/6500 
Literleistung 
266 PS/l 
Nm bei 1/min 
630/4000 
Getriebe 
7-Gang-Doppelkupplung 
Antriebsart 
Allrad 
Bremsen vorn 
356 mm innenbelüftet/gelocht 
Bremsen hinten 
356 mm innenbelüftet 
Bremsscheibenmaterial 
Stahl 
Radgröße vorn – hinten 
9,5 x 19" – 8,5 x 19" 
Reifengröße vorn – hinten 
265/30 R 19 – 245/35 R 19 
Reifentyp 
Michelin Pilot Sport Cup 2 
Maße L/B/H 
4351/1816/1438 mm 
Radstand 
2630 mm 
Tank-/Kofferraumvolumen 
55/325 l 
Normverbrauch • CO2 
8,2 l/100 km • 194 g/km 
Abgasnorm 
Euro 6d-ISC-FCM 
Grundpreis 
50.700 € 
Testwagenpreis (wird gewertet) 
99.779 € 

Außen? Gewaltiges Leitwerk am Ende des Dachs, tiefer und härter mit extremem Gewindefahrwerk, Sportauspuffanlage in Serienoptik. Bremsen? Anstatt der 340er- (VA) und 310er- (HA) Scheiben sollen nun rundum 356er-Teller für bessere Verzögerung sorgen.
Räder? Wie beim aktuellen RS3, vorn 265er-, hinten 245er-Reifen, Michelin Cup 2 auf 9,5 und 8,5 x 19 Zoll MTM Nardo-Rund. Und damit die breiteren Walzen an der Vorderachse genügend Luft zum Spielen haben, hat Mayer nicht groß angefangen, wie früher die Kotflügel aufzuweiten, sondern hat direkt die komplette RS-3-Front verbaut.
MTM S3 Clubsport
Die Auspuffanlage ähnelt der Serie, ist aber deutlich großvolumiger und bietet einen viel kernigeren Sound.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD

So weit, so gut. Damit holt man aber maximal drei der anvisierten sechs Sekunden auf den RS 3 heraus. Bisschen mehr Power musste klar auch noch rein.
Und wer jetzt denkt, der serienmäßig 310 PS starke Zweiliter-Vierzylinder sei schon ziemlich ausgereizt, der täuscht sich. Vielleicht ist der Turbolader am Maximum.

528 PS und 630 Newtonmeter

Egal, Mayer packt das Triebwerk grundlegend an und verändert Folgendes: neuer Lader mit verstärkter Rumpfgruppe, vergrößertes Verdichter- und Turbinenrad, gegossenes Verdichtergehäuse und verstärkte Axiallager.
Beschleunigung
0-50 km/h 
1,5 s 
0-80 km/h 
2,6 s 
0-100 km/h 
3,5 s 
0-130 km/h 
5,2 s 
0-180 km/h 
9,5 s 
0-200 km/h 
11,6 s 
0-250 km/h 
21,9 s 
0-402,34 m (Viertelmeile) 
11,56 s 
Elastizität
60-100 km/h im 4./5. Gang 
3,3/6,0 s 
80-120 km/h im 5./6. Gang 
4,1/6,7 s 
80-120 km/h im 7. Gang 
17,0 s 
Bremsweg
100-0 km/h kalt 
34,0 m (11,3 m/s²) 
100-0 km/h warm 
31,1 m (12,4 m/s²) 
200-0 km/h warm 
122,8 m (12,6 m/s²) 
Testverbrauch Ø auf 100 km
10,4 l Super Plus
Reichweite
530 km 

Dazu größerer Ladeluftkühler, geänderte Luftzuführung zum Luftfilterkasten, verändertes Schaltprogramm für DS-Getriebe inklusive erhöhtem Kupplungsdruck und großvolumige Auspuffanlage mit 150-mm-Stahlkatalysator und Partikelfilter. Klingt viel, bringt viel? Auf dem Datenblatt ja. 528 PS und 630 Newtonmeter sind eine Ansage.
Bei der Längsdynamik müsste dieser S3 dem RS schon die Rücklichter zeigen. Auf 100 fehlt ihm zwar eine Zehntel, auf 200 ist er schon 1,7, bei Tempo 250 satte 3,4 Sekunden schneller. (MTM Audi R8 GT S: Rekord-Audi im Test)

Ähnliches Handling wie im RS 3

Beim Launch-Start merkt man ihm einfach den fehlenden Hubraum an, der Sprengsatz zündet nicht ganz so brachial wie im RS 3. Dass der größere Turbolader auch untenrum bei der Musik ist, beweisen die sekundenweise schnelleren Zwischensprints in der Elastizität.
MTM S3 Clubsport
Am Sachsenring ist der MTM S3 Clubsport nur sieben Zehntel schneller als der RS 3, dafür aber sechs Sekunden flotter als der Basis-S3.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD

Kommen wir zu dem, wofür dieser S3 Clubsport gebaut wurde: zur Rennstrecke. Gelingt es, den neuen RS 3 zu überholen? In den ersten Kurven ähnliches Handling wie im RS 3, grundehrlich und dennoch nicht langweilig.
Die Michelins scheinen einen Tick besser zu kleben, mit dem Fahrwerk liegt er viel stabiler in den Federn, spricht exakter an, steckt seinen Grenzbereich klarer ab, ist neutral auf Zug und bietet leicht beherrschbares Lastwechsel-Übersteuern.
In den beiden Power-Sektoren kommt die Leistung zum Tragen, mehr Speed inklusive. Reicht's? Es ist eng, aber mit knapp sieben Zehntel Vorsprung ist das Ziel erreicht. Doch abwarten, Mayer ist schon am RS 3 dran!
Längs- und Querdynamisch schneller als der aktuelle RS 3, einen Tick emotionaler, aber auch 20.000 Euro teurer. Entscheiden Sie selbst – entweder Stangenware oder so ein Kunstwerk von Roland Mayer.