Mutprobe des Jahres 2007
Was bringt das Herz zum Rasen?

Eine Fahrt in Europas aufreibendster Achterbahn, vom Hochhaus abseilen oder den BMW M3 über die Nordschleife prügeln – was kickt am meisten? AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko stürzte sich ins Abenteuer.
- Margret Hucko
Berlin liegt mir zu Füßen. Mein Herz rast, 165 Schläge die Minute, so schnell wie bei einem 100-Meter-Sprint. Kein Wunder, denn ich stehe im 39. Stock des Park-Inn-Hotels an der Kante zum Abgrund. Gesichert nur von einem schwarzen Seil im Rücken. Oh Gott, was mache ich hier eigentlich? Meine Arbeit, ja, arbeiten. Freiwillig hätten mich keine zehn Pferde zu dieser Hochseilnummer bewegt. Aber als Autotesterin gehört es zum Job, sich im Grenzbereich zu bewegen. Dass der heute 153 Meter über dem Meeresspiegel liegt, das verdanke ich meinen Chefs. Danke, Chefs. Der Auftrag: Herauszufinden, welches Abenteuer am meisten kickt. Abseilen, Achterbahnfahren oder BMWs Businessbeschleuniger M3 im Grenzbereich zu balancieren. Diesen höllenscharfen Sportwagen mit 420 PS, bei dem selbst Werbemenschen die Worte ausgehen.
Aus dem 39. Stockwerk wird Berlin zum Legoland
Auch mir fehlen die Worte. Trotzdem frage ich Guido, der hinter mir steht wie ein in Beton gegossener Zaunpfahl: "Sind alle Karabinerhaken fest verschraubt?" Guido knapp: "Ich möchte nicht in der Zeitung stehen." Gegen den ersten Schritt über die Kante sträubt sich alles. Der Kopf, der Bauch, das Herz. Bis der Kopf sagt: "Du musst." Der Bauch: "Wird schon gut gehen." Das Herz: "Die Anspannung pump ich weg." Meine Hände greifen ein weißes Seil, der Blick geht in die Tiefe. Aus der Vogelperspektive sieht die Hauptstadt aus wie Legoland. Menschen schrumpfen zu Punkten. Der Alex kommt näher. Schritt für Schritt. Höhe fünfundzwanzigste Etage blitzt ein Fotoapparat durchs Hotelfenster. Wohl ein Paparazzo oder Leserreporter, der auf meinen Absturz hofft. Ich verschnaufe ein wenig und hangel mich weiter an der Fassade entlang. Langsam entspannt sich mein Gesicht. Alex, ich komme!
Europas schärfste Achterbahn sorgt für Formel-1-Feeling

Bild: Jürgen Christ
Dazu reise ich an den Nürburgring, um den Kollegen Dierk Moeller-Sonntag zu treffen. Der fährt meistens Vollgas, gern quer, oft am Limit und mal darüber hinaus. Mein Gefühl zum bevorstehenden Rennen: Freude, kaum Aufregung und grenzenloses Ur-Vertrauen in den Fahrer. Da rütteln auch 420 PS und vier Liter Hubraum nicht dran. Fordernd steht der M3 am Start der Nordschleife, muskelbepackt mit einer angeschwollenen Hutze auf der Motorhaube. Beim Einsteigen reicht der Wagen freundlich den Gurt, die Sitzheizung wärmt das edle, beige Leder. Kann so ein komfortabler Sportwagen wirklich böse sein? Er kann! Spätestens nach Drücken des Startknopfs breitet sich ein Klangteppich aus, der mich innerlich berührt wie "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin: wohlig, schaudernd. Gleichzeitig wandert der rote Bereich des Drehzahlmessers blitzartig Richtung 8400 Umdrehungen/min.
Auf dem Beifahrersitz des M3 durch die Grüne Hölle

Bild: Jürgen Christ
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