Gefährliche Auffahrt

Nach Geisterfahrt auf A52: Ermittlungen

An der Autobahnauffahrt fehlten Schilder

Nach der tödlichen Geisterfahrt eines 70-Jährigen auf der A52 kam jetzt heraus: Die entsprechende Autobahnauffahrt war nicht korrekt beschildert. Ob das der Grund für den verheerenden Irrtum des Mannes war, ist noch ungeklärt.
(dpa) Die Autobahnauffahrt in Gelsenkirchen, auf der am 30. Dezember 2012 die tödliche Geisterfahrt eines 70-Jährigen begonnen hat, war möglicherweise nicht richtig beschildert. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt mit. Ob das zu dem Unfall beigetragen habe, sei aber völlig offen.

ADAC-Studie: Die gefährlichsten Autobahnen

Chronologie der Geisterfahrten

1. Januar 2013

Ein betrunkener Lkw-Fahrer wendet auf der A1 bei Bremen seinen 40-Tonner. Mehrere Fahrzeuge können nicht ausweichen, zwei Menschen kommen ums Leben. Der Fahrer flüchtet und wird nach rund 25 Kilometern von der Polizei gestoppt.

30. Dezember 2012

Auf der A52 kommt eine 58 Jahre alte Fahrerin und ihr ein Jahr älterer Beifahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Geisterfahrer ums Leben.

18. November 2012

Sechs Menschen sterben auf der A5 nahe Offenburg, als ein Kleinbus im Nebel frontal mit dem Wagen eines Geisterfahrers zusammenstößt.

21. Oktober 2012:

Ein 24-Jähriger fährt in Selbsttötungsabsicht in falscher Richtung auf der A46 im Sauerland. Bei Meschede rast er in ein entgegenkommendes Auto mit vier Insassen. Sie und der Unfallverursacher sterben.

15. Oktober 2012:

Zwei Kinder und ihr 31 Jahre alter Vater werden beim Zusammenstoß mit einer Geisterfahrerin auf der A1 bei Rivenich (Rheinland-Pfalz) getötet. Die 60-Jährige überlebt schwer verletzt.

2. Oktober 2012:

Eine 31-Jährige, die nackt am Steuer sitzt, sowie ihre beiden Töchter kommen ums Leben, als die psychisch verwirrte Falschfahrerin auf der A73 bei Bamberg in ein Auto prallt. Auch dessen Fahrer (25) und Beifahrer (54) sterben.

6. November 2011:

Auf der A96 rammt im Unterallgäu ein 82 Jahre alter Geisterfahrer frontal das Auto einer 49-Jährigen, die ebenfalls stirbt. 

5. November 2011:

Ein 48-Jähriger wendet nachts auf der A3 bei Idstein (Hessen). Danach rast er frontal gegen ein Auto, dessen 56 Jahre alter Fahrer stirbt. Der Falschfahrer flieht zu Fuß und stellt sich erst einen Tag später der Polizei. 

18. September 2011:

Ein 81-Jähriger baut als Geisterfahrer auf der A14 von Leipzig nach Dresden einen schweren Unfall, bei dem drei Menschen sterben.
Der 70-Jährige war in Gelsenkirchen-Hassel in falscher Richtung auf die A52 gefahren. Kurz darauf prallte er mit einem anderen Auto zusammen. Die 58-jährige Fahrerin und ihr ein Jahr älterer Mann starben, ihr Sohn wurde wie auch der Geisterfahrer selbst schwer verletzt. Nach ersten Ermittlungen habe die Auffahrt in Richtung Essen nicht den Richtlinien entsprochen, berichtete die Polizei. Zwei Schilder fehlten zum Unfallzeitpunkt: Verbot der Einfahrt (rotes Schild mit weißem Querbalken) und rechts vorbeifahren (weißer Pfeil auf blauem Grund). Polizei und Staatsanwaltschaft wiesen ausdrücklich darauf hin, dass noch nicht geklärt sei, ob die fehlenden Schilder Grund für Geisterfahrt des 70-jährigen Mannes sein könnten.

Mehr Infos: Gespräch mit Verkehrsexperte Rolf Roos

Geisterfahrer: Die gefährlichsten Autobahnen

A661 Darmstadt – Bad Homburg (37 km)

50 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 67,0 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A391 Braunschweig Südwest - Gifhorn (13,4 km)

18 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 67,2 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A516 Oberhausen - Oberhausen-Eisenheim (5,3 km)

Acht Falschfahrermeldungen 2010/2011; 75,5 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A293 Oldenburg-West - Oldenburg-Nord (8,6 km)

13 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 75,6 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A98 Weil am Rhein - Tiengen (19,8 km)

30 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 75,8 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A 562 Bonn-Rheinaue - Bonn-Ost (3,8 km)

Sieben Falschfahrermeldungen 2010/2011; 92,1 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A559 Köln-Porz - Köln-Gremberg (3,7 km)

Acht Falschfahrermeldungen 2010/2011; 108,1 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A643 Mainz - Wiesbaden (8,1 km)

23 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 142,0 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A980 Waltenhofen - AD Allgäu (5,1 km)

16 Falschfahrermeldungen 2010/2011; 156,9 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.

A255 Hamburg-Süd - Neue Elbbrücken (2,4 km)

Acht Falschfahrermeldungen 2010/2011; 166,7 Falschfahrermeldungen pro Jahr und pro 100 Kilometer.
"Wir konnten den Mann bisher im Krankenhaus zu dieser neuen Erkenntnis nicht befragen", sagte Staatsanwalt Marcus Schütz auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa. "Warum die Beschilderung nicht korrekt war, müssen jetzt die weiteren Ermittlungen ergeben", sagte Schütz weiter. Den Gesundheitszustand des 70-Jährigen und des bei dem Unfall schwer verletzten Sohnes des getöteten Ehepaares bezeichnet die Polizei in einer Mitteilung als stabil.

Albtraum Geisterfahrer

Wie oft gibt es Geisterfahrer?

Laut ADAC werden im Jahr bundesweit 2800 Fälle gemeldet, davon 2000 auf Autobahnen. Die allermeisten gehen glimpflich aus. Geisterfahrer verursachten gerade einmal drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen.

Was treibt Geisterfahrer an?

Den typischen Geisterfahrer gibt es nicht. Es gibt verschiedene Ursachen, warum jemand dazu wird. In einigen Fällen sind es Selbstmordabsichten, oft ist es aber auch ein reines Versehen oder Zerstreutheit, dass jemand in falscher Richtung auf eine Autobahn fährt oder dort wendet. Manchmal sind auch Drogen oder Alkohol im Spiel. Der Auto Club Europa (ACE) weist darauf hin, dass manche Auffahrten einfach auch schlecht beschildert sind.  

Kann man Geisterfahrer verhindern?

Der ACE sieht in einer besseren Beschilderung an Auffahrten die einzige Stellschraube, mit der man etwas verbessern könne. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwägte zuletzt, durch neongelbe Warnschilder die Auffahrten besser zu kennzeichnen. Es gibt auch Forderungen, an den Auffahrten Krallen zu installieren, die Fahrzeuge, die in falscher Richtung auffahren wollen, stoppen würden. Das wäre aber sehr aufwendig und teuer.  

Was tun, wenn vor einem Geisterfahrer gewarnt wird?

Die Automobilclubs raten dazu, sich rechts zu halten, langsamer zu fahren und im Ernstfall auf dem Seitenstreifen anzuhalten. Damit man die Warnung überhaupt mitbekommt, ist es natürlich wichtig, im Auto den Verkehrsfunk zu hören.

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