NAIAS 2008, Teil 4
Fernost trifft Wildwest

Noch werden sie eher belächelt als beachtet, die chinesischen Hersteller auf der Detroit Auto Show. Doch Tempo und Lernvermögen der Autobauer aus Fernost lassen ahnen: Das Lachen wird der Konkurrenz noch vergehen.
- Joachim Staat
Noch präsentieren die Chinesen ihre Autos im Keller der Cobo Hall von Detroit. Abseits der großen Publikumsströme, eher belächelt statt beachtet. Der wichtigste Manager jeder Marke spricht ausschließlich Chinesisch, das mühsam übersetzt wird. Und die Präsentationen kommen vom Laptop und haken bisweilen. Doch was die fernöstlichen Newcomer verkünden, verrät eine Menge über Tempo und Lernvermögen der Autobauer. Allen voran Geely, der größte private Autohersteller Chinas. "In spätestens fünf Jahren haben wir ein Auto für 4000 Dollar", so Vizepräsident Dr. Frank Zhao. Der eloquente Manager rattert die – in der Tat beeindruckenden – Eckdaten seiner Firma herunter: neuen Fabriken zum Jahresende, 1400 Ingenieure, Motoren von 1,0 bis 3,5 Liter Hubraum, selbst entwickelte Automatikgetriebe und, ganz wichtig: "Wir sind unabhängig beim Bau des Antriebsstrangs", verkündet Shao stolz. Bis 2013 sollen 15 neue Modelle kommen, die von 4000 bis 70.000 Dollar kosten. Ein Ritterschlag, denn andere Chinesen verbauen nur fremde Motoren. Der Geely-Vize: "Wir entwickeln sogar Mild- und Vollhybriden!"
"In drei bis fünf Jahren kommen wir auf den US-Markt"

Bild: Bernd Hanselmann

Bild: Bernd Hanselmann
Viel mehr Eigenständigkeit beweist der F6. Die 4,86 Meter lange Limousine im E-Klasse-Format muss als Benziner mit einem 140 PS starken 1,8-Liter-Benziner auskommen, soll jedoch bald moderne Unterstützung bekommen. Die BYD-Manager enthüllen unter erstauntem Applaus die Studie F6 DM, was für Dual Mode steht. Der Hybrid fährt mit einem 75 Kilowatt starken E-Motor 60 Meilen rein elektrisch, spätestens dann schaltet sich der kleine 68 PS-Benziner zu. "Wir glauben, dass ein Voll-Hybrid auf absehbare Zeit das attraktivste System sein wird", so Chairman Wong. Eine Ansicht, die er mit dem Hybrid-Vorreiter Toyota teilt. Bedeutung bekommt seine Aussage, weil BYD als Experte in Lithium-Ionen-Batterien gilt. Eine echte Schlüsseltechnik, an der Spitzenforscher in der ganzen Welt unter Hochdruck forschen. Durchaus möglich, dass die Chinesen eigene Elektro-Antriebe früher bauen werden als eigene Benziner. Dann stellen Chinas Marken nicht mehr im automobilen Untergeschoss aus.
Service-Links