Sein Name passt bereits bestens in die USA, jetzt aber fasst ein deutscher Rennfahrer langsam richtig Fuß in Amerikas größter und populärster Motorsportserie: Mike Rockenfeller, nicht verwandt mit John D. Rockefeller, dem ersten Erdöl-Milliardär der Weltgeschichte und Namensgeber für den berühmten gleichnamigen Gebäudekomplex in New York, fährt im August zwei Rennen in der NASCAR-Serie.
Im Bundesstaat New York, genauer gesagt in Watkins Glen, gab der DTM-Champion von 2013 und Le-Mans-Sieger von 2010 (beides mit Audi) bereits vergangenes Jahr sein NASCAR-Debüt, damals noch für das Hinterbänklerteam von Spire Motorsports. Der Letztere von nun vorerst zwei geplanten Einsätzen für den renommierteren Rennstall Legacy Motor Club, wird Rockenfeller wieder auf den ihm schon bekannten Kurs zurückführen, davor steht am Wochenende aber noch ein Gastspiel in Indianapolis an.
Auch in Le Mans fuhr Rockenfeller zuletzt im NASCAR
Bild: NASCARG56

"Ich bin noch nie in Indy gefahren, es wird also eine große Herausforderung. Aber ich habe davon geträumt, wieder im Cup zu fahren und bin sehr dankbar für diese Chance", wird Rockenfeller in der Aussendung zu seinem Engagement zitiert. Möglich gemacht hat den Deal die enge Verbindung des Deutschen zu NASCAR-Star Jimmie Johnson.
"Nach zwei gemeinsamen Rennjahren mit Jimmie in der IMSA und im Garage 56-Programm sind wir nicht nur Teamkollegen, sondern auch gute Freunde geworden", erklärt Rockenfeller, der gemeinsam mit dem US-Amerikaner und Ex-Formel-1-Weltmeister Jenson Button dieses Jahr in einem von Hendrick Motorsports eingesetzten Chevrolet Camaro ZL1-NASCAR an den 24 Stunden von Le Mans teilnahm: "Jetzt für ihn als Mitbesitzer von Legacy Motor Club in der NASCAR-Cup-Serie fahren zu dürfen, ist eine echte Ehre."
Stichwort IMSA: In der nordamerikanischen Sportwagen-Serie fuhr Rockenfeller am Wochenende in Road America noch in einem privat eingesetzten Porsche von JDC-Miller Motorsports, weilte deshalb ohnehin in den Staaten und wollte eigentlich gerade in den Familienurlaub aufbrechen, als am Montag das Telefon klingelte.
Rockenfeller (r.) neben Jimmie Johnson und Jenson Button
Bild: NASCARG56

Die kurzfristige Berufung des Deutschen hat indes einen ernsten Hintergrund: Noah Gragson, Stammfahrer bei Legacy Motor Club, hatte auf Instagram einen Post gelikt, dessen Inhalt als rassistisch bewertet wurde. Sein Team und die NASCAR cancelten den US-Amerikaner daraufhin umgehend. Auf der Suche nach einem Ersatzmann für das Auto mit der Startnummer 42 hatte Johnson sofort Rockenfeller im Kopf: "Ich könnte mir keine bessere Person vorstellen, die uns in dieser schwierigen Situation unterstützen könnte", lobt die US-Legende.