Neues Auto, neue Reifen: Ab der Saison 2026/27 übernimmt Bridgestone die Rolle des alleinigen Reifenlieferanten der Formel E.
Bei einer Präsentation in Rom hat der japanische Hersteller jetzt erstmals die Pneus gezeigt, die speziell für den neuen Gen4 entwickelt wurden. Und die müssen einiges aushalten.
Denn die Anforderungen steigen mit der neuen Fahrzeuggeneration gewaltig.
Der Gen4-Rennwagen leistet in der Spitze 600 kW (815 PS), verfügt über permanenten Allradantrieb und erreicht bis zu 335 km/h. Von 0 auf 100 km/h soll der neue Formel-E-Renner in gerade einmal 1,8 Sekunden beschleunigen, Tempo 200 ist bereits nach 4,4 Sekunden erreicht.

Zwei neue Reifen für den Gen4

Für diese Extremwerte hat Bridgestone den Potenza Gen4 entwickelt. Der reguläre Rennreifen ist als Allwetterreifen ausgelegt und soll auf trockener wie nasser Fahrbahn funktionieren. Gefragt sind hoher Grip, ein breites Temperaturfenster und vor allem möglichst konstante Performance über die gesamte Renndistanz.
Der Bridgestone Potenza Gen4 ist als Allwetterreifen ausgelegt und soll auf trockener wie nasser Fahrbahn funktionieren.
Bild: FIA Formula E
Dafür setzt Bridgestone unter anderem auf einen speziell entwickelten, besonders widerstandsfähigen Polymerwerkstoff und speziellen Industrieruß (Carbon Black). Ein eigener Grip-Zusatz soll für möglichst viel Haftung auf dem Asphalt sorgen.

Neuer Regenreifen für die Formel E

Wenn es richtig schüttet, kommt künftig ein zweiter Reifen ins Spiel. Der Potenza Gen4 Typhoon Tyre wurde speziell für starken Regen entwickelt. Seine Mischung enthält ebenfalls einen besonders widerstandsfähigen Polymerwerkstoff sowie Silica, das aus Reishülsen gewonnen wird.
Auch beim Profil haben die Entwickler Hand angelegt: Es soll große Wassermengen möglichst schnell verdrängen, gleichzeitig aber genügend Aufstandsfläche auf dem Asphalt behalten.

Bridgestone entwickelt Reifen am Computer

Bevor der erste Reifen auf die Strecke kam, musste er sich zunächst virtuell bewähren. Per Simulation untersuchte Bridgestone zahlreiche Kombinationen aus Konstruktion, Profil und Gummimischung.
Dabei berechneten die Entwickler unter anderem Aufstandsfläche, Druckverteilung, Grip, Temperaturverhalten und Haltbarkeit. Erst danach folgten interne Tests mit Prototypen. Zum Schluss mussten sich die neuen Reifen am echten Gen4 beweisen.

65 Prozent recycelte und erneuerbare Materialien

Neben der Performance spielt die Nachhaltigkeit eine große Rolle. Nach Angaben von Bridgestone beträgt der Anteil recycelter und erneuerbarer Materialien 65 Prozent pro Reifen.
Zum Einsatz kommen unter anderem Industrieruß aus Pyrolyseöl von Altreifen sowie Silica aus Reishülsen. Der verwendete Naturkautschuk stammt aus entsprechend geprüften Lieferketten. Für Wärme und Strom bei der Reifenproduktion werden zu 100 Prozent erneuerbare Energien zugeordnet.

Formel E als „mobiles Labor“

Bridgestone sieht den Motorsport dabei ausdrücklich als „mobiles Labor“. Die im Rennsport gewonnenen Erfahrungen und Technologien sollen in die Weiterentwicklung von Pkw- und Nutzfahrzeugreifen einfließen.
„Auf der großen Bühne der Formel E werden wir die Balance zwischen Performance und Nachhaltigkeit weiterentwickeln und eine neue Zukunft der Mobilität erschließen“, sagt Bridgestone-Chef Yasuhiro Morita.
Noch konkreter wird Hiroshi Imai, bei Bridgestone verantwortlich für Global Motorsports: „Bei der Entwicklung des Potenza Gen4 haben wir die Grenzen unserer Technologie verschoben, um die enorme Performance des Gen4 voll auszuschöpfen.“

Gen4 startet im Dezember 2026

Die erste Saison mit dem Gen4 und den neuen Bridgestone-Reifen beginnt planmäßig im Dezember 2026. Bis Juli 2027 sind insgesamt 21 Rennen in 13 Städten vorgesehen.
Bridgestone liefert die Reifen für sämtliche Rennen und tritt bei vier Veranstaltungen zusätzlich als Titelsponsor auf. Dazu gehören auch die beiden Formel-E-Rennen in Berlin am 10. und 11. Juli 2027.