Neuer Mercedes CLA: Ola Källenius verrät weitere Details zum CLA
Mercedes-Chef verrät weitere Details zum neuen CLA

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Alles neu. Mit dem Mercedes CLA verspricht Mercedes-CEO Ola Källenius nicht weniger als "eine neue Ära". Im Interview spricht Källenius über reelle Reichweiten, Spitzen-Tempo, das brandneue Betriebssystem MB.OS und eine vertiefte Zusammenarbeit mit Google sowie autonomes Fahren und den neuen Vierzylinder-Motor aus China.
AUTO BILD: Glückwunsch zum neuen CLA, Herr Källenius. Ein Auto, das vieles besser und anders machen soll. Mögen Sie mal in die Rolle des Autotesters eines Fachmagazins schlüpfen und das Fazit am Ende eines Tests übernehmen: Was sind kurz und knapp die Highlights des neuen CLA, und wo mussten Kompromisse gemacht werden?
Ola Källenius: Der neue CLA verdeutlicht, wie wir den Einstieg in die Welt von Mercedes-Benz aufwerten werden. Das Auto setzt beim Platzangebot im Innenraum, beim Fahrgefühl und beim Komfort neue Maßstäbe in seinem Segment. Es überzeugt durch größte Effizienz, hohe Reichweite und schnelles Laden. Mit dem CLA feiert auch unser neues Betriebssystem MB.OS Premiere. Damit setzen wir unter anderem in den Bereichen Infotainment und hochautomatisierte Fahrfunktionen neue Standards in dieser Klasse. In Summe wird der neue CLA der effizienteste und der intelligenteste Mercedes-Benz, den wir je gebaut haben. Unsere oberste Maxime bei der Entwicklung war auch: Egal ob Elektro oder Verbrenner, wir machen keine Kompromisse. Unsere Kundinnen und Kunden bekommen immer ein perfektes Auto. Der Mercedes-Stern ist ein Versprechen für höchste Qualität, größtmögliche Sicherheit, einzigartigen Komfort und intelligenteste Technologien. Der CLA wird diesen Anspruch untermauern und eine neue Ära bei Mercedes-Benz einläuten.

Mercedes-Chef Ola Källenius setzt auf den neuen CLA. Die dritte Generation legt den Grundstein für eine neue elektrische Plattform (MMA) und soll die Elektromobilität bei Mercedes beflügeln.
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Der CLA soll eine elektrische Entsprechung des "Ein-Liter-Autos" sein – mit einer 800-Volt-Plattform, 792 Kilometer Reichweite nach WLTP, einem Verbrauch von 12 kWh auf 100 Kilometern und der Möglichkeit, 400 Kilometer in 15 Minuten nachzuladen. Sind das nur Idealwerte, oder sind diese Werte auch in der alltäglichen Nutzung spürbar, zum Beispiel auf der Autobahn, wenn ich mal Gas geben will?
Das sind Werte auf Basis des WLTP-Zyklus, vergleichbare Werte können auch im echten Fahrbetrieb erreicht werden. Unser neues Zweiganggetriebe stellt eine hohe Effizienz auch bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn sicher. Und ja, wenn Sie dann nach über 750 Kilometern einen Lade-Stopp einlegen: In 10 Minuten kann man auf bis zu 325 Kilometer Reichweite nachladen – bei einer Spitzen-Ladeleistung von bis zu 320 kW.
Diese Frage kann so nur aus Deutschland kommen: Welche Höchstgeschwindigkeit wird der CLA haben, und ist es überhaupt noch effizient, für Autobahnstrecken ohne Tempolimit zu entwickeln?
Die Höchstgeschwindigkeit des CLA liegt bei 210 km/h. Das Auto kommt mit einem komplett neuen Antriebsstrang. Es kombiniert Dynamik mit Effizienz – vom Antriebsstrang bis hin zum Design.
Wir bei Mercedes werden unsere Autos auch weiterhin für Strecken ohne Tempolimit entwickeln. Erstens bleibt Deutschland ein wichtiger Markt. Zweitens wollen auch Kunden in anderen Märkten performance-orientierte Autos kaufen. Auch das macht für sie einen Mercedes zu einem Mercedes.

Der neue Mercedes CLA soll in China bald sogar autonomes Fahren Level 2++ beherrschen und damit unterstützend durch die Innenstadt fahren.
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An Bord ist alles, was in der Tech-Welt Rang und Namen hat: Mit Nvidia wird die Rechenleistung erhöht, Steuergeräte werden reduziert, die Navigation basiert auf Google, ChatGPT dient als Gesprächspartner, Over-the-Air-Updates sind möglich, und es gibt zig Apps für Europa, Amerika und China. Ist das nicht etwas, womit man in der heutigen Zeit werben und Aufmerksamkeit generieren sollte, anstatt es beiläufig in einem Datenblatt zu erwähnen?
Wir haben immer wieder lautstark betont, dass der CLA das digitale Kundenerlebnis auf eine neue Stufe heben wird. Erstmals bringen wir unser eigenes, brandneues Betriebssystem MB.OS in eines unserer Fahrzeuge. Hierfür haben wir die Expertise unseres Teams mit einer Auswahl der weltbesten Partner kombiniert. Und auch wer nicht den neuen CLA fährt, profitiert von unserer Zusammenarbeit mit den weltweit führenden Tech-Unternehmen: Im vergangenen Dezember haben wir per Software-Update ChatGPT innerhalb des MBUX Sprachassistenten für über drei Millionen Nutzer zur Verfügung gestellt. Und erst Anfang des Jahres habe ich mit dem CEO von Google, Sundar Pichai, verkündet, dass wir unsere Zusammenarbeit vertiefen und die Navigation in unseren Autos noch besser machen werden.
In China sind Prototypen des CLA bereits im automatisierten Level 2++ im Stadtverkehr unterwegs. Wird die Serienversion in Deutschland das standardmäßig auch bieten?
Ich teste diese Technologie regelmäßig. Zuletzt im Stadtverkehr in Peking. Wer dort schon mal unterwegs war, weiß, wie herausfordernd das sein kann. Das war ein beeindruckendes Erlebnis! Während ich die Fahrt immer im Blick halten und eingreifen kann, bewältigt unser L2++ Fahrassistenzsystem komplexe städtische Szenarien wie Bremsen und Anfahren an Kreuzungen oder Ampeln, das Wenden, das Fahren durch Baustellen oder Kreisverkehre sowie das Ein- und Ausfahren auf die Autobahn. Als Fahrer kann ich jederzeit intuitiv lenken, ohne dadurch das System zu deaktivieren. Wir nennen das "kooperatives Lenken".
Momentan sieht unser Fahrplan so aus, dass wir L2++ ab 2025 als erster internationaler OEM in China anbieten wollen. Für 2026 zielen wir auf den US-Markt. Und sobald die Vorschriften und Marktbedingungen dies zulassen, werden wir die Technologie auch in Europa einführen.

Bisher durfte der EQA nur bis 160 km/h fahren. Der CLA wird, wie der EQS, erst bei 210 km/h eingebremst.
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Mit EQS und S-Klasse sind Sie als einziger Hersteller autonom im Level 3 bis 95 km/h unterwegs – wäre das nicht auch eine Option für den CLA? Erst recht, wenn BYD mit dem "Auge Gottes" medienwirksam ankündigt, Level 3 zeitnah sogar standardmäßig in Einstiegsmodelle zu bringen? Mercedes könnte doch mit seinem Technologievorsprung als Erster am Markt sein!
Technologisch wären wir dazu in der Lage. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Kundinnen und Kunden in diesem Segment bereit sind, den spürbaren Mehraufwand für Sensorik, Kameras und redundante Systeme bei einem Level-3-Angebot zu bezahlen.
Im nächsten Jahr soll es den CLA nicht nur elektrisch, sondern auch als Verbrenner geben. Ihr Joint-Venture-Partner Geely baut dazu in China einen von Mercedes entwickelten Benziner. Die Reaktionen unserer Leserinnen und Leser auf den Benziner waren sehr positiv. Allerdings wird bemängelt, dass ein deutscher Premiumhersteller keine Motoren "Made in China" haben sollte. Was können Sie unseren Leserinnen und Lesern dazu sagen? Wie stellen Sie sicher, dass die Qualität und Leistungsfähigkeit dieser Motoren dem Premium-Anspruch von Mercedes gerecht werden?
Unser neuer Vierzylinder-Motor, der M252, ist eine 100-prozentige Mercedes-Benz Entwicklung. Das heißt, unsere ganze Kompetenz und unser ganzes Know-how in der Motorenentwicklung sind hier eingeflossen. Das Ergebnis ist ein High-Tech-Antriebsstrang mit einem sehr leistungsstarken und dabei unerreicht effizienten Motor.
Ich kann den Leserinnen und Lesern versichern: Der M252 wird zu exakt denselben Qualitätsstandards gebaut, wie wir sie in allen Werken haben. Da gibt es keine Abstriche.
Irgendwann geht es natürlich um den Preis. Können Sie jetzt nach der Premiere verraten, wo die Preise für den neuen CLA beginnen werden?
Den konkreten Preis für Deutschland kann ich heute leider noch nicht nennen. Wir starten zunächst mit den leistungsstärkeren Elektro-Varianten in den Markt. Gegen Ende des Jahres bieten wir auch noch Varianten mit einer kleineren Batterie sowie unsere Hightech-Verbrenner-Version an. Ich bin mir sicher, dass wir mit dem Fahrzeug absolut wettbewerbsfähig sind, und dass jede Kundin und jeder Kunde den passenden CLA finden wird, sobald er ab dem Sommer nach und nach zum Verkauf angeboten wird. Was zusätzlich interessant ist: Mit dem CLA werden sich die Preise für BEV und Verbrenner weiter annähern, sodass auch das bald kein Argument mehr in die ein oder andere Richtung ist. Damit haben die Kundinnen und Kunden wirklich freie Wahl. Ich persönlich würde mich immer für die Elektro-Variante entscheiden.
Vielen Dank für dieses Interview, Herr Källenius.
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