Diesen Test fangen wir ausnahmsweise mal hinten an: beim Geld! 138.850 Euro will Porsche für den Cayenne Turbo, unser Testwagen kostet sogar 157.259 Euro. Ja, Wahnsinn. Und ja, dafür gibt's ein Haus auf dem Land. Aber nein, damit kannste nie im Leben so geil ums Eck zwirbeln oder dir spontan den Magen verderben.

Der Cayenne ist auch auf dem Rundkurs fix unterwegs

Porsche Cayenne Turbo
Krass: Der Cayenne Turbo schaft den Handlingkurs des Contidroms in 1:35,36 min – das ist schnell.
Bild: Toni Bader
Zum Glück haben wir gerade nichts gegessen oder getrunken. Flugplatz-Landebahn, Porsche steht, Motor läuft, Automatik auf "D", linker Fuß auf der Bremse, rechter auf dem Gas. Ladedruck voll aufbauen, Bremse loslassen, Porsche stürmt in 1,4 Sekunden auf Tempo 50, in 3,6 auf 100, Magen dreht sich. Und praktisch kann er auch: Der Porsche Cayenne Turbo, 2,3 Tonnen schwer, darf mit Zuladung knapp drei Tonnen wiegen, 3,5 ziehen, also zwei Pferde. Wir hängen nix an den Agrarhaken, wir wollen Spaß. Kollege Mirko Menke, unser Rennfahrer, hatte den schon. Ausflug auf die Teststrecke von Reifen-Riese Conti, das Contidrom bei Hannover. Der Cayenne schafft die 3,8-Kilometer-Runde in 1:35,36, ist so schnell wie ein Cayman. Wie er das schafft? Mit Technik aus der Weltraumforschung.

Der technische Aufwand am Fahrwerk ist enorm

Porsche Cayenne Turbo
Kaum Seitenneigung: Mit allerlei Hightech im Fahrwerk, ist der Porsche für alle Fahrlagen gut gerüstet.
Bild: Toni Bader
Statt Doppelquerlenker-Vorderachse hat der Cayenne eine Alu-Achse in aufgelöster Lenkerbauweise. Die ist mit einem Alu-Hilfsrahmen verbunden, der die Achskonstruktion versteift und über integrierte Lager den Motor aufnimmt. Drei Meter weiter hat er für 2047 Euro Aufpreis die Hinterachslenkung, der maximal genutzte Lenkwinkel beträgt drei Grad. Für weitere 3273 Euro gibt's den Wankausgleich, der mit 48-Volt-Technik arbeitet und in Millisekunden die Stabis an Vorder- und Hinterachse versteift. Dann ist da noch, und an dieser Stelle danke für solch eine Erfindung, die adaptive Dreikammer-Luftfederung statt einer einzelnen. Sorry für diesen Ausflug in die Ingenieurstheorie. Sie wollen wissen, wie sich das anfühlt. Sagen wir's in einem Satz: Geiler is' schon. Unsere Komfort-Teststrecke ist eine enge, löchrige Landstraße, viele kurze und lange Wellen durch Baumwurzeln, Frostaufbrüche. Der Cayenne bügelt das alles glatt!
Seine Luftfederung lässt dieses Fullsize-SUV nahezu schweben, dank der Doppelverglasung (1226 Euro) bist du innen völlig abgekoppelt von der Außenwelt. Wie fein! Es ist an der Zeit, sich mit dem Interieur zu beschäftigen. Allein der riesig breite Glasmonitor, die Tafel rund um den Automatik-Wählhebel. Beim Touchen gibt’s Rückmeldung in den Finger – wow! Alles intuitiv und rasend schnell zu bedienen, alles ergonomisch top, da willst du nicht mehr drehen und klicken, du willst nur noch touchen. Und fahren.

An der Tankstelle verlangt der Cayenne Turbo starke Nerven

Porsche Cayenne Turbo
Großer Wagen, großer Durst: Bestimmungsgemäß bewegt, schluckt das sportliche Trumm über 20 Liter.
Bild: Toni Bader
Am Lenkrad befindet sich ein Drehschalter für den Fahrmodus. Klick, klick, klick, über Normal- und Sport- zum Plus-Modus. Dämpfer härter, Lenkung und Gasannahme direkter, Achtender brabbelt. Vollgas. 770 Nm pressen dich in den Sitz, die Achtstufenautomatik hämmert die Gänge rein, und dann steuerst du viel zu schnell die nächste Kurve an, und der 2,3-Tonnen-Koloss klebt wie ein Brett auf der Straße, wankt nicht, stattdessen krallen sich die 21-Zoll-Reifen (285er vorn, 315er hinten) in den Asphalt wie die Fliege an die Scheibe. Meine Güte, Porsche, ihr habt die Physik ausgehebelt! Leider werden das Mutti und Papi nie erleben, wenn sie Justus und Sophie im Cayenne zum Geigen-Unterricht chauffieren. Aber es spart Geld: 14,5 Liter will der Turbo auf der Testrunde, über 20, wenn du ihn so fährst, wie er will.

Fazit

Ja, der Cayenne Turbo ist teuer. Ja, er säuft wie ein Loch. Aber verdammt noch mal, ja, er ist ein Sportler mit hohen Beinen, der Rennwagen unter den SUV. Er wiegt 2,3 Tonnen, und du merkst es nicht, hast Magengrummeln, denkst nur an die nächste Kurve.