Nio EL6: Test
Elektro-SUV im Test: Ist der Nio EL6 Chinas neue Mitte?
Nio EL6 im Test
Mit Größe, Preis und Leistung passt der EL6 genau ins Zentrum des chinesischen Newcomers Nio. AUTO BILD hat das Mittelklasse-E-SUV getestet!
Bild: AUTO BILD
Wo die Mitte Chinas liegt, wissen wir: in der Nähe der Stadt Lanzhou im Nordwesten des Landes. Die Rolle der Mitte im Programm von Nio könnte der EL6 übernehmen, das 4,85 Meter lange SUV ordnet sich zwischen der Limousine ET5 (4,79 Meter) und dem SUV EL7 (4,91 Meter) ein.
Stilistisch – und technisch – sind sich alle Nio sehr ähnlich. Mit glatter Front, bündigen Türgriffen und eingezogenem Heck samt Dachspoiler spielt auch der EL6 auf der aktuellen Design-Klaviatur für Elektroautos.
Nio hat eine eigene Linie gefunden
Typisch für Nio sind aber die rundum sehr sichtbar angebauten Sensoren und besonders auffällig der Lidar auf dem Dach, der immer ein wenig an ein Taxischild erinnert – irgendwie ganz sympathisch.

Wohnlicher Arbeitsplatz: Das Interieur ist stilvoll gemacht und sorgfältig verarbeitet. Die Einrichtung gibt es in vier Farbkombinationen.
Bild: Ingo Barenschee / AUTO BILD
Auch das Interieur ist klar und schnörkellos eingerichtet. Schon erstaunlich, wie schnell das ja erst 2014 gegründete Unternehmen zu einer eigenen Linie gefunden hat. Sicher, das grundsätzliche Layout erinnert stets an das Vorbild Tesla, aber alles ist im Detail ordentlich gemacht und recht geschmackssicher arrangiert.
Fahrzeugdaten
Modell | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Asynchronelektromotor |
Leistung vorn | 150 kW (204 PS) |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 210 kW (286 PS) |
max. Drehmoment vorn/hinten/ges. | 280/420/700 Nm |
Spitzenleistung gesamt | 360 kW (490 PS) |
Dauerleistung | 100 kW (136 PS) |
Vmax | 200 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/50 R 20 V |
Reifentyp | Goodyear Eagle F1 Asymm. 3 |
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung) | 30 Minuten |
Reichweite* | 529 km |
Verbrauch* | 20,4 kWh |
Ladeanschluss | hinten links |
Batteriekapazität | 100 kWh |
Ladeleistung AC/DC | bis 11/180 kW |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1200/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 579–1430 l |
Länge/Breite/Höhe | 4854/1995–2212**/1703 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 2915/165 mm |
Grundpreis (inkl. Batterie) | 74.500 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 76.000 Euro |
Das Kombiinstrument – das es bei Tesla bekanntlich nicht gibt – liefert viele Infos, der 12,8 Zoll große zentrale Touchscreen dient, wie üblich, zur Steuerung (fast) aller Funktionen. So werden etwa auch Spiegel und Lenkrad über das Menü und dann mit den Tasten im Lenkrad justiert.
Nomi Mate vermissen wir nicht
Der Testwagen kam ohne Nomi Mate – die fröhliche, unentwegt blinkende Kugel auf dem Armaturenbrett. Angenehm, die 750 Euro extra dafür kann man sich wirklich sparen, zumal das System selbst – Nomi Halo – im Vergleich zu den letzten Nio auffällig dazugelernt hat, klüger und gelassener reagiert als bisher.
Ordentlich Platz für alle Passagiere
Das Platzangebot vorn ist ordentlich, vielleicht nicht ganz so großzügig wie angesichts der Dimensionen des Autos erwartet. Die Sitze vorn, im Testauto mit Belüftung und Massage aus dem "Comfort Package" (1500 Euro), sind großzügig geschnitten und vielfach verstellbar, aber nicht besonders stark konturiert.

Gute Platzverhältnisse in Reihe zwei: Im geräumigen Fond sitzen auch große Staturen bequem und entspannt.
Bild: Ingo Barenschee / AUTO BILD
Und im geräumigen Fond sitzt man auf angenehmen Polstern ganz entspannt. Der recht flach gebaute Kofferraum schluckt mit 579 bis 1430 Litern nicht übermäßig viel, auf einen Frunk vorn verzichtet Nio, die Zuladung liegt bei 428 Kilogramm.
Messwerte
Modell | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,9 s |
0–100 km/h | 4,1 s |
0–130 km/h | 6,4 s |
0–160 km/h | 10,2 s |
0–200 km/h | 19,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,9 s |
80–120 km/h | 2,5 s |
Leergewicht/Zuladung | 2415/428 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % |
Wendekreis links/rechts | 12,5/12,6 m |
Sitzhöhe | 695 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,7 m |
aus 100 km/h warm | 37,7 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 20,6 kWh/100 km |
Testverbrauch | 29,1 kWh/100 km |
Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | (+42,6 %) |
Sportverbrauch | 33,9 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 395 km |
Der Nio EL6 ist dank 490 PS ein druckvoller Sprinter
Angetrieben wird der EL6 von zwei E-Motoren – vorn mit 204 PS, hinten mit 286 PS, im System sind das 490 PS. Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h schaffte der Test-Nio in 4,1 Sekunden, maximal sind 200 km/h drin. Bis Tempo 160 geht es druckvoll voran, darüber wird es zäher.

Ziemlich sportlich: Der 490 PS starke Nio EL6 sprintet in 4,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und schafft maximal 200 km/h.
Bild: Ingo Barenschee / AUTO BILD
Das E-System ist gut dosierbar, die Rekuperation einstellbar – aber nur im Menü. Ausschließlich dort findet man auch den Neutral-Modus des Getriebes, nicht am Wählhebel. Und der One-Pedal-Modus bis zum Stillstand fehlt. Apropos: Für den Stopp aus Tempo 100 brauchte der Nio im Test 37,7 Meter – da gibt es in dieser Klasse Bessere. Dazu ist das Pedalgefühl weich und schaumig.
Verbesserungspotenzial bietet auch die Lenkung, sie spricht verzögert an, arbeitet gefühllos und liefert kaum Rückmeldung. Der Nio ist grundsätzlich komfortabel ausgelegt, nimmt lange Wellen leicht wogend, kurze Stöße mit den 20-Zöllern aber etwas kantig.
Wertung
Modell | Nio EL6 (100 kWh) |
|---|---|
Karosserie | Ordentliches Platzangebot, Kofferraum nicht üppig, geringe Zuladung. Ansprechende Qualität. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Kraftvoller E-Antrieb, gut dosierbar. Sehr gute Fahrleistungen – bis 160 km/h. Ladeleistung bis 180 kW. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Leichtgängige, entkoppelte Lenkung. Nicht besonders agil. Bremsen verzögern nur durchschnittlich. |
3/5 Punkten | |
Connected Car | Große Displays mit schöner Grafik, Nomi verbessert, Apple CarPlay und Android Auto fehlen. |
3,5/5 Punkten | |
Umwelt | Groß (4,85 Meter lang) und schwer (2,4 Tonnen). Kein One-Pedal-Drive, hoher Stromverbrauch. |
3,5/5 Punkten | |
Komfort | Umfangreiche Ausstattung, gute Sitze. Solider Federungskomfort, stuckert aber auf Querfugen. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Preis mit Batterie selbstbewusst, Monatsrate für Abo auch nicht günstig. Fünf Jahre Garantie. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 3+ |
Inklusive Batterie kostet der Nio EL6 74.500 Euro
Den Nio EL6 gibt es mit der hier getesteten 100-kWh-Long-Range-Batterie ab 74.500 Euro. Man kann den Akku aber auch abonnieren – für 289 Euro im Monat, der EL6 würde dann 53.500 Euro kosten. Und insgesamt könnte Nio mit dem EL6 tatsächlich eine schöne Mitte gefunden haben.
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