Nio ES6 Performance (2022): Test, Preis, Deutschland, Reichweite, technische Daten, Elekrtro-SUV

Nio ES6 Performance (2022): Test, Preis, Deutschland, Reichweite, technische Daten, Elekrtro-SUV

Der elektrische Nio ES6 ist trotz 544 PS eher Reisemobil als Kurvenjäger

2022 will der chinesische Autobauer Nio sein bis zu 544 PS starkes Elektro-SUV ES6 auch in Deutschland anbieten. AUTO BILD ist ihn gefahren.
Entert man den Nio ES6, wird sehr schnell eines klar: Die Zeiten, als die Chinesen billige Kopien der westlichen Autos anfertigten, sind lange vorbei. Das Interieur macht einen guten Eindruck. Leder hier und da, dazu große Displays und jede Menge Platz. Vor allem der Beifahrersitz mit der ausfahrbaren Beinunterlage vermittelt Business-Class-Ambiente. Klar, an einen Audi e-tron oder auch Mercedes EQC reicht er nicht ganz heran, aber dafür soll das Elektro-SUV ab 2022 schon ab rund 60.000 Euro zu haben sein.
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*Preise: Stand 23.11.2020

Bis zu 20 Assistenten

Bis dahin ist noch etwas Zeit. Also stört es auch nicht, dass das Infotainment im besten Mandarin-Chinesisch mit uns kommunizieren will. Aber Symbole sind international und da lässt sich schon erahnen, dass sich der Nio auf diesem Feld nicht hinter den europäischen Konkurrenten verstecken muss. Bei der Technik kleckern die Chinesen nicht: Insgesamt 23 Sensoren und Kameras sollen bis zu 20 Assistenzsysteme ermöglichen. Dazu zählen neben autonomen Fahrfunktionen auch ein Auto-Parkassistent und die Überwachung des kreuzenden Verkehrs (vorne und hinten). Diese Systeme kommen hauptsächlich von europäischen Zulieferern, während die Antriebs- und Batterietechnik fest in chinesischer Hand bleibt.

544 PS aus zwei Elektromotoren

Als Performance erzeugen die beiden Elektromotoren des Nio ES6 544 PS und 725 Nm.

Das Fahrwerk besteht aus einer Doppel-Wishbone-Achse vorne und einer Multilink-Hinterachse. Vier-Kolben-Brembo-Bremsen bringen den ES6 laut Nio bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h nach 33,9 Metern zum Stehen. Bei einem Auto, das um die 2,5 Tonnen wiegt, kein schlechter Wert. Wir sind in der Performance-Version des Nio ES6 unterwegs: Also mit einer Systemleistung von 544 PS sowie  725 Nm. Die erzeugen zwei Elektromotoren, 160 kW gehen an die Vorderachse und 240 kW nach hinten. Die schwächere Variante hat 435 PS und ist mit zwei 160-kW-Elektromaschinen bestückt. Zu der Performance Version gehört auch eine Luftfederung, die das Einsteigen aufgrund des Karosserie-Absenkmechanismus erleichtert und auch sonst für Komfort sorgen soll.

Kurven sind nicht sein Ding

Der Nio ES6 ist in erster Linie ein Reisemobil, kein kurvenwendiger Sportler. Und diese Aufgabe erledigt er zuverlässig. Solange es geradeaus geht, ist alles in Butter und die Kraft, mit der die beiden E-Maschinen das 4,85 Meter lange Gefährt nach vorne wuchten, ist durchaus wettbewerbsfähig: In 4,7 Sekunden sind 100 km/h erreicht und der ES6 ist bis zu 200 km/h schnell. In den Kurven haben die deutschen Konkurrenten die Nase vorne. Die Lenkung fühlt sich synthetisch an und die Regelsysteme greifen zu früh ein. Das ist aber nichts, was wirklich störend ist und sich nicht noch nachbessern ließe. Die Fahrmodi "Öko", "Normal","Sport" und "Individuell" gleichen jedenfalls den europäischen Konkurrenten, wobei die Spreizung ausgeprägter sein könnte. Die Rekuperation ist definitiv spürbar und kann laut Nio im Fahrprogramm individuell angepasst werden. Wir konnten das aufgrund der Sprachbarriere nicht verifizieren.

Ab 120 km/h entlädt sich die Batterie sehr schnell

Solange es in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr vorangeht, hält sich die Batterie wacker.

Beim Batteriemanagement müssen die Chinesen ebenfalls noch nachlegen, beziehungsweise es auf europäische Verhältnisse optimieren. Die 70-kWh-Batterie soll eine Reichweite von maximal 430 Kilometern garantieren. Als wir starten, zeigt der Bordcomputer 360 Kilometer an. Allerdings sind die Akkus nicht vollständig geladen. Solange es in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr vorangeht, hält sich die Batterie wacker. Bei einem Füllstand von 79 Prozent zeigt das Display immer noch 340 Kilometer Restreichweite an. Ganz ordentlich. Auf der Autobahn wandelt sich dann das Bild schnell: Ist man flotter unterwegs, schmelzen die Kilometer schnell dahin, dabei sind wir nie schneller als mit 180 km/h unterwegs. "Ja, 120 km/h ist die magische Grenze", bestätigt ein Nio-Sprecher den Eindruck. Bei unserer Fahrt kommt erschwerend hinzu, dass die Klimaanlage auch ordentlich arbeiten muss.

Virtuelle Assistentin erzieht den Fahrer

Das reduzierte Cockpit mit dem Zentraldisplay im Hochformat stammt eins zu eins aus dem Nio ES8.

Beim Langstreckenreisen im ES6 bleiben wenig Wünsche offen. Die Karosserie besteht aus einer Aluminium-Carbon-Hybridkonstruktion und soll ziemlich steif sein. Das hilft bei der Abstimmung und dem Komfort. Allerdings nehmen die Windgeräusche mit der Geschwindigkeit zu. Das Cockpit gleicht dem des ES8. Auch die putzige Kugel-Emoji-Assistentin Nomi, die in China per Sprachbefehl sogar mit der Innenraum-Kamera Selfies von den Passagieren schießt, ist mit an Bord. Nomi kann aber auch anders und gibt bei Bedarf den gestrengen Verkehrswächter. Überfährt man ohne zu blinken eine Fahrbahnmarkierung, setzt sich der virtuelle Begleiter eine Brille auf, auf deren Gläser Fahrbahnmarkierungen zu sehen sind. Ob alle diese Funktionen auch bei den europäischen Modellen an Bord sein werden, ist noch nicht klar. Das gilt auch für das Batteriewechsel-System, das in rund dreieinhalb Minuten die Akkus tauscht.

Technische Daten

Nio ES6 Performance • Motor: Zwei Elektro-Motoren • Leistung: 400 kW (544 PS) • max. Drehmoment: 725 Nm • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h • Beschleunigung 0-100 km/h: 4,7 s • Antrieb: Allrad • Tank: 70 kWh • Abmessungen (L/B/H): 4850/1965/1731 mm • max. Ladevolumen: 672-1433 l • Preis: knapp 60.000 Euro.

Autor: Wolfgang Gomoll

Stichworte:

SUV Elektro-SUV

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