Early Adopters heißt die Spezies, die jedes Techno-Gimmick früher braucht als alle anderen. Da geht es nicht um den Nutzen, nein – was zählt, ist der frühe Kick. Und tatsächlich spüren wir ihn: Der Alpin Camper ist ein Pionier. Der erste ist er allerdings nicht. Schon 2014 war AUTO BILDREISE MOBIL in einem Dalbury E unterwegs gewesen, in England. Auch der nutzte den Nissan e-NV200 als Basis, damals noch mit einer kleinen 24-kWh-Batterie. Im aktuellen e-NV sind's bereits 40 kWh. Es geht also voran.

Die Reichweitenangstfährt immer mit

Nissan e-NV200 Alpin Camper
Gerade Seitenwände, ebener Boden: Für Umbauten ist der NV200 bestens geeignet.
Das ist er: Einer, der überall durch passt. Und einer, der dank seines E-Antriebs auch fast überallhin darf. Zu eng oder zu knapp ist für den Kleinen fast nichts: Mit 4,56 Meter Länge und einem 11,5-Meter-Wendekreis bremsen selbst winklige Altstadtgassen einen Alpin Camper nur selten aus. Dennoch tritt er als vollwertiges (und als solches zugelassenes) Wohnmobil für zwei an. Ein E-Camper also. Schrille Idee. Ganz freiwillig jedoch hatte sie der kleine Hersteller aus Oberbayern nicht: Schuld ist Nissan, schließlich stellen die Japaner den Bau der Verbrenner-Varianten des NV200 demnächst ein. Bestellbar ist dann nur noch die Elektroversion. Dabei eignet sich der Mini-Van für Umbauten besser als jeder Konkurrent seiner Klasse – gerade Seitenwände und ein ebener Boden schaffen eine Menge bestens nutzbaren Innenraum. Den e-NV dürften jedoch Reichweitenangst und der hohe Preis bremsen. An nennenswerte Stückzahlen (bislang: rund 100 Exemplare) glaubt daher auch Alpin Camper nicht.
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Zu zweit wird es im Bett kuschelig eng

Das hat er: Alles für zwei, nichts davon im Überfluss, sondern genau passend für ein Wochenende unterwegs. Zwei Zwölf-Liter-Kanister stehen für Frisch- und Abwasser im seitlichen Schrank, es gibt eine Spüle und einen Spirituskocher, zudem eine abklappbare Tischverlängerung. Weiterer Stauraum findet sich unter der Sitzbank, hier lässt sich auch eine Kühlschublade ausziehen. Das Bett ist in Sekunden gebaut. Eine Hand nimmt den Splint unter dem Sitzkissen heraus, zieht das Gestell zur Seite, während die Polster fast von alleine in Position fallen. Clever: Hinter dem Fahrersitz lassen sich zwei Bügel nach oben drehen und ein Kissen auflegen. Dann misst das Bett knapp 212 Zentimeter Länge – beeindruckend. Es liegt sich gut hier, nur zu zweit wird es mit 111 Zentimetern kuschelig eng. Top ist übrigens die Verarbeitung. Der Möbelbau (drei Farben sind im Angebot) ist mucksmäuschenstill, dicker Nadelfilz dämmt darüber hinaus alle Geräusche.

Der e-NV200 gibt sich enorm sicher und einfach beherrschbar

Nissan e-NV200 Alpin Camper
Per Schnellladestation ist die Batterie nach 45 Minuten zu 80 Prozent geladen. An einer Wallbox dauert es 8,5 Stunden, an einer Haushaltssteckdose 17 Stunden.
So fährt er: Mit Bums. Typisch Elektroauto, das immer und überall eine Überdosis Drehmoment liefert. Ständiges Grinsen, bis der Blick auf die Reichweitenanzeige fällt: Die sinkt mit jedem Gasstoß spürbar. Wer sich nicht ständig selbst kasteien mag, drückt auf den Eco-Knopf und spart so automatisch. Immerhin gut 210 Kilometer weit ließ uns der Testwagen bei sehr gemischter Fahrweise auf der Testrunde zirkeln, bevor ein Nachtanken anstand. Per Schnellladestation ist das auch unterwegs kein Problem – einen Kaffee und etwas Beinevertreten später ist die Lithium-Ionen-Batterie bereits zu 80 Prozent geladen. Zeitaufwand: rund 45 Minuten. An einer Wallbox (Aufpreis 1100 Euro plus Installation) dauert es dagegen rund achteinhalb Stunden, an einer normalen Haushaltssteckdose sogar 17 Stunden. Auf der Straße bereitet der agile e-NV200 nicht nur viel Spaß, sondern zeigt sich dabei enorm sicher und einfach beherrschbar. Was jedoch nervt, ist seine Härte. Es scheint, Nissan habe die Karosserie in Hartgummiblöcke geschraubt und auf Federn ganz verzichtet. Grund dafür ist sein hohes Gewicht: Die E-Variante drückt rund 300 Kilogramm mehr auf die Waage als die Diesel-Version.

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Wohnmobil-Test Nissan e-NV200 Alpin Camper
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Fazit

Okay, der ist etwas für Fans. Für Menschen, die ganz vorne dabei sein wollen – und die damit beweisen, dass Campen bereits vollelektrisch geht. Immerhin fährt der e-NV200 gut 200 Kilometer bis zur Ladepause: Das ist ein einziger Stopp auf der Route München–Gardasee. Teuer ist das Ganze allerdings noch. Urteil: vier von fünf Punkten.