Kleinwagen als Kulturgut für alle – diese massenbewegende Idee reklamiert Nissan schon viele Jahrzehnte für sich. Etwa mit dem Micra, der nach vier Jahren Pause jetzt vollelektrisch zurückkehrt.

Fahrzeugempfehlung

Nissan Micra

Nissan

Micra EV

2,0
gut
  • Pro IconInfotainment auf Höhe der Zeit
  • Pro Iconguter Testverbrauch
  • Contra Iconkleiner Akku bei Basisversion
  • Contra Icon100 kW DC-Ladeleistung
Und sich technisch bei der Neuauflage des französischen Kultknirpses Renault 5 bedient, die seit letztem Jahr durchs Land stromert. Bietet der Franko-Japaner jetzt das Beste aus zwei Auto-Welten?

Ein Bruder des Renault 5

Gebaut wird der Micra wie der R5 im nordfranzösischen Douai, den frechen Retro-Charme seines Allianz-Bruders erreicht er aber nicht. Was nicht stört, weil es ja keine Punkte kostet. Beim Format fallen die Unterschiede marginal aus, sodass auch der fünf Zentimeter längere und einen Zentimeter flachere Micra bei gleicher Breite und gleichem Radstand nicht zum Raumwunder wird.
Nissan Micra
Technisch bedient sich der Micra beim Renault 5, der ebenfalls im französischen Douai gebaut wird. Der Nissan hat allerdings nicht denselben Retro-Charme.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Fahrer sitzt recht hoch, weshalb Zwei-Meter-Gestalten fast schon den Dachhimmel streifen. Die Polster erweisen sich dabei als eher zierlich, weich und mit wenig Kontur gesegnet. Die Verstellung der Lehne per Hebel seitlich am Sitz fällt etwas fummelig aus, dafür gibt es für den Fahrer eine elektrisch verstellbare Lordosenstütze (Advance: 500 Euro im Paket/Evolve: Serie).

Im Fond geht es eng zu

Die zweite Reihe empfiehlt sich für den Nachwuchs. Der hohe Schweller und die flach montierte, kurze Sitzfläche lassen Erwachsene hier schnell unglücklich hocken. Oder man nutzt den Fond als Erweiterung des Gepäckraums. Weil ein doppelter Boden fehlt, bleiben nach dem Umlegen der Lehne aber hohe Absätze.
Nissan Micra
Zu eng für Erwachsene: Die zweite Reihe des Micra sollte dem Nachwuchs vorbehalten bleiben. Große hocken hier schnell unglücklich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Weitere Eigenwilligkeiten: Die hinteren Fenster sind nicht voll versenkbar, massive C-Säule und stehende Fond-Kopfstützen schränken die Rücksicht ein, die in der C-Säule versteckten Klappgriffe erweisen sich funktional als nicht optimal.
Das Google-basierte Infotainment arbeitet dagegen zuverlässig und ausreichend schnell. Klima, Radio, Navi und auch Sitzheizung gehorchen aufs Wort, Google Maps führt sicher ans Ziel. Alternativ lassen sich Smartphones kabellos spiegeln.

Im Sichtbereich gibt es wenig zu meckern

Renault grüßt beim Radiosatelliten rechts am Lenkrad, den man nach kürzester Eingewöhnung gar nicht mehr vermissen möchte. Französisch mutet zudem der Touchmonitor an, dessen Menüs leicht verschachtelt daherkommen und der mit verspielter Grafik locken möchte. Die ansehnlichen digitalen Instrumente geben kaum Grund zur Kritik, bieten verschiedene, allesamt gut ablesbare Darstellungen (Rundinstrumente, Navi, Fahrassistenz, Digitaltacho plus wählbare Infos).
Nissan Micra
Das Cockpit wurde quasi unverändert vom Renault 5 übernommen. Verarbeitung und Materialqualität sind im Sichtbereich ordentlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Bei der Qualität gibt sich der Micra durchwachsen. Im Sicht- und Fühlbereich fallen die Materialien angenehm weich aus, sind geschäumt, erst unten herum sowie im Kofferraum wird es dann einfach. Trotzdem bleibt der Bonsai auch auf Kopfsteinpflaster weitgehend klapperfrei, die Spaltmaße gehen ebenfalls in Ordnung.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–80 km/h
5,9 s
0–100 km/h
8,5 s
0–120 km/h
11,9 s
0–130 km/h
14,0 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,5 s
80–120 km/h
6,0 s
Leergewicht/Zuladung
1469/461 kg
Gewichtsverteilung v./h.
57/43 %
Wendekreis links/rechts
10,3/10,3 m
Sitzhöhe
625 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,8 m
aus 100 km/h warm
34,1 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
57 dB(A)
bei 100 km/h
64 dB(A)
bei 130 km/h
68 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
13,4 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
19,1 kWh/100 km
(+30 %)
Sportverbrauch
22,2 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
315 km
Der Micra bringt etliche Assistenten mit, die auch weitgehend unproblematisch funktionieren – das volle Sicherheitspaket mit Stau- Assistent samt Stop-&-Go-Funktion, Lenk-Assistent für selbstständiges Spurhalten sowie eine automatische Anpassung an Tempolimits und Streckenverlauf gibt es allerdings nur im Topmodell Evolve (ab 34.900 Euro)

Fahrleistungen gehen in Ordnung

Grundsätzlich straff ausgelegt, federt der Micra durchaus kommod und ohne unfaire Härte. Wenn kurze Stöße nicht vereinzelt, sondern im Rudel auftreten, gerät der Knirps allerdings in Unruhe. Weitgehend unauffällig arbeitet die ausreichend direkte Lenkung, die nur in der Mittellage indifferent wirkt und mit Rückmeldung geizt. Einen soliden Job machen die Bremsen, die auch kaum Fading zeigen.
Nissan Micra
Seine 150 PS bringen den Micra in 8,5 Sekunden auf Tempo 100, maximal sind 150 km/h drin. Im Alltag ist der Nissan angenehm wendig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die 150 PS starke E-Maschine hat mit dem knapp anderthalb Tonnen schweren Micra ebenfalls keine Mühe, liefert ordentliche Fahrleistungen und kann auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit gut mitschwimmen. Im Alltag wirkt der kleine Nissan so angenehm wendig und fahrsicher, bei Nässe kann es aber schon mal sein, dass der Micra mit den Vorderrädern scharrt.

Wertung Nissan Micra

Wertung Nissan Micra
Karosserie
Platzangebot hinten knapp, Variabilität mäßig, Qualität durchwachsen, Kofferraumvolumen okay.
3 / 5
Antrieb
Alltagsgerechte Fahrleistungen, One-Pedal-Drive vorhanden, Ladetempo gering, Reichweite okay.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Wirkt lebendig und sicher, gute Bremsen, Lenkung okay, kleiner Wendekreis (10,3 m), Traktion mau.
4 / 5
Connected Car
Google-Integration mit Google Maps, Handyspiegelung kabellos, Sprachsteuerung ordentlich.
4,5 / 5
Umwelt
Relativ klein und für ein E-Auto nicht zu schwer, lokal emissionsfrei, niedriges Außengeräusch.
4 / 5
Komfort
Sitze durchschnittlich, Einstieg eng, Federung angemessen stramm, Topmodell mit viel Assistenz.
3,5 / 5
Kosten
Preis für Fahrzeugklasse hoch, jährliche Wartung, teure Vollkasko, drei Jahre Garantie.
2,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,0
Über die Schaltwippen am Lenkrad kann die Rekuperation verstellt werden, ab Advance gibt es auch One-Pedal-Drive. Eine Wärmepumpe gehört immer zur Serie, unser Testverbrauch von 19,1 kWh/100 km ist dennoch nicht rekordverdächtig niedrig. Schade, denn Nachladen geht nur mit maximal 100 kW. Nissan verspricht zwar die obligatorische halbe Stunde Ladedauer – allerdings nicht von 10, sondern von 15 auf 80 Prozent.

Günstig ist der Micra nicht

Als Schnäppchen geht der Micra wahrlich nicht durch. Großer Akku und 150-PS-Maschine gibt es erst ab 32.990 Euro – da würde die volle Förderung von 6000 Euro schon guttun.
Nissan Micra
Ganz schön teuer: Den Micra mit großem Akku und 150 PS gibt es erst ab 32.990 Euro. Für unseren Testwagen wurden 34.900 Euro fällig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Zumal auch die Vollkasko nicht gerade bescheiden auftritt (Klasse 21) und Nissan jährlich zur Wartung bittet. Kleiner Trost: Die Garantie fürs Auto läuft immerhin drei Jahre (100.000 km), auf den Akku gibt es die üblichen acht Jahre (160.000 km).

Bildergalerie

Nissan Micra
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Nissan Micra im Test

Fazit

von AUTO BILD
Wie schon der Renault 5 punktet der Nissan Micro nicht unbedingt an der Kasse oder im Alltag, sondern eher als cooler Stadtelektriker. Da taugt er dann vor allem als wendiger Zweitwagen – und am besten auch zu zweit. AUTO BILD-Testnote: 2,0