Nissan X-Trail (3. Generation): Gebrauchtwagen-Test
Nissan X-Trail als Gebrauchtwagen: Das SUV ist anders als erwartet
Gebrauchter Nissan X-Trail im Test
Sein Name suggeriert das große Abenteuer – doch der Nissan X-Trail gibt lieber den Softie. Was taugt das SUV gebraucht?
Kantig war er gestern. Mit der dritten Generation des Verkaufsschlagers Nissan X-Trail (T32) wechselte Nissan 2014 auf die weiche Welle. Die Neuauflage des weltweit erfolgreich vermarkteten Modells beerbte gleichzeitig den Qashqai+2. Sowohl optisch als auch im Wesen fiel sie eine ganze Nummer softer aus.
Neu kostete unser Testfahrzeug im Sommer 2017 inklusive stufenlosem CVT-Getriebe, 130-PS-Diesel und "Tekna"-Topausstattung laut Schwacke-Datenbank immerhin 42.530 Euro. Jetzt wäre es mit nachvollziehbaren 74.538 Kilometern auf der Uhr beim Autohus in Bockel bei Bremen für 18.480 Euro zu haben.
Nissan X-Trail gebraucht: viele Extras bereits serienmäßig an Bord
Der vergleichsweise moderate Preis für das Familien-SUV könnte Eltern durchaus ins Grübeln bringen. Zumal Nissan bei der Ausstattung alte japanische Traditionen pflegte und nicht mit sonst oftmals aufpreispflichtigen Extras geizte: Klimaautomatik, Siebenzoll-Navi-Infotainment mit 360-Grad-Kamerasystem und schicke 19-Zoll-Alufelgen sind mit an Bord. Zur Sicherheit gibt es Notbrems- und Spurhalteassistenten sowie eine Verkehrszeichenerkennung.
Technische Daten
Nissan X-Trail 1.6 dCi Xtronic Tekna | |
|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1598 cm³ |
Leistung | 96 kW (130 PS) bei 4000/min |
Drehmoment | 320 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschw. | 180 km/h |
0-100 km/h | 11,4 s |
Tank/Kraftstoff | 60 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | 1-Gang autom./Vorderrad |
L/B/H | 4640/1820/1710 mm |
Kofferraumvolumen | 135-1877 l |
Leergewicht/Zuladung | 1615/525 kg |
Beim Euro-NCAP-Crashtest reichte es 2014 für volle fünf Sterne. Sein Van-ähnliches Raumangebot macht den X-Trail zu einem bevorzugten Familienauto. Bequeme, laut Nissan mithilfe der US-Raumfahrtbehörde NASA entwickelte Ledersitze, eine längs verschiebbare zweigeteilte Rücksitzbank sowie zwei weitere klappbare Sitze in Reihe drei imponieren selbst Großfamilien. Doch Achtung: Auf dem Mittelsitz in Reihe zwei und ganz hinten sind Kindersitze tabu.
An vielen Details sieht man, wo der Hersteller den Rotstift ansetzte
Das optionale Panoramadach unterstreicht das opulente Raumgefühl zusätzlich. Dennoch dürften Fahrer selten ungetrübte Fahrfreude erleben. Gründe sind der bereits ab Landstraßentempo schlapp wirkende, 1,6 Liter große Euro-6-Common-Rail-Diesel mit 130 PS, die auch mit intakten Lenkgelenken gefühllose Lenkung sowie die komfortbetonte, aber insgesamt unharmonische Fahrwerksabstimmung.

Mit dem 1600er-Turbodiesel von Renault ist der Nissan X-Trail zwar sparsam – der Antrieb liefert aber eher verhaltene Dynamik.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Zu genau sollte man auch das Thema Detailqualität nicht untersuchen. Teils knarrende, preiswert wirkende Kunststoffe tragen bei unserem vormals in den Niederlanden zugelassenen Exemplar bereits tiefe Kratzer.
Die Motorhaube vibriert ab Autobahnrichtgeschwindigkeit sichtbar im Fahrtwind. Und spätestens anhand bereits fortgeschrittener Rostansätze an Achsen und Auspuffanlage sieht man den Rotstift deutlich.
Ende 2017 brachte eine Modellpflege einige Verbesserungen
Sind dies Folgen vergangener Geländestrapazen? Nein, denn der All-Mode-Allradantrieb mit automatischer Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse sowie Sperre war nur mit Schaltgetriebe verfügbar. Bei der von uns gefahrenen Frontantriebsvariante mit teils eigenwillig arbeitendem stufenlosen Automatikgetriebe sind intensivere Offroad-Abenteuer oberhalb von gelegentlichen Feldwegpassagen unrealistisch. Und bereits bei maximal 1500 Kilogramm endet die mögliche (gebremste) Anhängelast. Zu wenig für die allermeisten Pferdebesitzer.
Zur Ehrenrettung des X-Trail sei angemerkt, dass Nissan von Ende 2016 bis Mitte 2018 einen kräftigeren 2.0-dCi-Diesel mit 177 PS und Sechsstufenautomatik anbot, der praxisgerechtere zwei Tonnen Anhängelast schaffte. Letzterer Wert gilt auch für den Anfang 2019 vorgestellten 1.7-dCi-Diesel mit 150 PS.
Unser Tipp: Ende 2017 brachte eine dezente Modellpflege eine gestraffte Optik inklusive LED-Rücklichtern und verbesserten Innenraummaterialien. Das Fahrsystem "ProPilot" ermöglicht teilautonomes Fahren – auch das allerdings nur auf der soften Welle.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 7,5 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 139 g/km |
Inspektion | 300-650 Euro |
Haftpflicht (20)* | 561 Euro |
Teilkasko (24)* | 711 Euro |
Vollkasko (24)* | 1086 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 240 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 880 Euro |
|---|---|
Anlasser | 782 Euro |
Wasserpumpe | 1219 Euro |
Zahnriemen | entfällt, Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 617 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1094 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 568 Euro |
Infotainmenteinheit | 4465 Euro |
4 Sommerreifen (225/55 R 19 99V) | 550 Euro |
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