Nokian Tyres Betula: Konzeptreifen
Zurück zur Wurzel? Nokian setzt wieder auf Holz im Reifen

Die ersten Räder bestanden vor Tausenden Jahren aus Holz – und genau dahin will Nokian Tyres zurück, zumindest teilweise. Das steckt dahinter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die ersten Räder der Menschheit bestanden aus Holz. Tausende Jahre später kehrt genau dieser Rohstoff in den Reifenbau zurück – wenn auch in deutlich moderner Form.
Nokian Tyres bringt mit dem Konzeptreifen "Betula" ein Material aus Birkenrinde ins Spiel. Der Ansatz klingt zunächst wie ein PR-Gag. Tatsächlich geht es um ein handfestes Problem der Branche: den hohen Anteil fossiler Rohstoffe in Reifenmischungen.
Im Betula-Reifen steckt ein neu entwickeltes Biomaterial, das aus Abfällen der Holz- und Papierindustrie gewonnen wird. Konkret: Birkenrinde, die bisher kaum genutzt wurde. Dieses Material ersetzt Teile klassischer, erdölbasierter Bestandteile in der Lauffläche. Laut Hersteller kann der Anteil erneuerbarer oder recycelter Materialien dort auf bis zu 93 Prozent steigen.
Technisch setzt Nokian nicht bei null an: Das Profil orientiert sich am Winterreifen Hakkapeliitta R5, der Unterschied liegt vor allem in der Mischung. Getestet wurde der Reifen unter anderem im finnischen Ivalo. Konkrete Leistungsdaten nennt der Hersteller nicht, spricht aber von vielversprechenden Ergebnissen. Wie sich der neue Rohstoff im Vergleich zu klassischen Mischungen tatsächlich schlägt, bleibt damit offen.
Mehr als nur Nachhaltigkeit
Interessant ist ein weiterer Anspruch des Projekts: Das Material aus Birkenrinde soll nicht nur fossile Rohstoffe ersetzen, sondern aktiv zur Performance beitragen. Das wäre ein entscheidender Schritt, denn nachhaltige Materialien gelten bislang oft als Kompromiss. Nokian will sie funktional gleichwertig oder sogar überlegen machen. Für belastbare Aussagen ist es jedoch noch zu früh. Doch wer weiß: Vielleicht erfindet Nokian das Rad tatsächlich neu – zumindest teilweise.
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