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Notrufsystem eCall nachrüsten: So funktioniert es

So rüsten Sie den E-Notruf nach

Wer kein automatisches Notrufsystem (eCall) in seinem Pkw hat, kann es mit einem Unfallmeldestecker nachrüsten. Wie das funktioniert und was es kostet.
Seit dem 1. April 2018 ist das automatische Notrufsystem eCall EU-weit in allen neuen Pkw-Modellen Pflicht (Datum der Typgenehmigung). Hat das Auto einen Unfall, löst eCall automatisch den einheitlichen europäischen Notruf mit der Rufnummer 112 aus. Helfer werden somit schnell informiert und zum Unfallort gelotst. eCall teilt den genauen Standort des Autos mit – auch dann, wenn der Fahrer nicht ansprechbar sein sollte. Im Notfall können die Insassen das Notrufsystem eCall auch manuell auslösen. So zum Beispiel als Zeugen eines schweren Unfalls. Sie müssen dafür nur einen Knopf im Auto drücken. Nach Schätzung der EU-Kommission lassen sich mit diesem System die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringern.

eCall mit Unfallmeldestecker nachrüsten: So geht's

Der Unfallmeldestecker (UMS) wird in die Buchse des Zigarettenanzünders gesteckt. Hier der "Vivatar drive" von Bosch.

Für ältere Modelle, die noch nicht ab Werk mit eCall ausgerüstet sind, gibt es keine Nachrüst-Pflicht. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, hat die Möglichkeit, den automatischen Notruf mit einem sogenannten Unfallmeldestecker (UMS) nachzurüsten. Bosch hat kürzlich mit dem "Vivatar drive" ein neues Modell auf den Markt gebracht, das nicht nur in Deutschland, sondern auch in zehn weiteren europäischen Ländern (Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Spanien, Schweiz) genutzt werden kann. Der Stecker wird dazu einfach an die 12-Volt-Steckdose im Auto angeschlossen. Er wird per Bluetooth mit einer App auf dem Smartphone verbunden und nutzt die mobilen Daten sowie das GPS-Signal des Handys. Das Smartphone muss also an Bord sein, damit der UMS seinen Zweck erfüllt. Zu einem Preis von 79,99 Euro gibt es den Stecker von Bosch und die Nutzung des Notfallservices für zwölf Monate inklusive (alternativ 49,99 Euro für Stecker und ein Monat Nutzung). Danach kann der Service für 4,99 Euro pro Monat oder 39,99 Euro pro Jahr verlängert werden.

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Alternativ gibt es den UMS auch bei vielen Kfz-Versicherungen. Der Stecker wurde von der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und Bosch gemeinsam entwickelt, kann allerdings nur in Deutschland genutzt werden. Die meisten Kfz-Versicherungen bieten ihn zum Preis zwischen 10 und 20 Euro an (Liste der teilnehmenden Versicherer). Um das System nutzen zu können, sind allerdings oft bestimmte Tarifmerkmale Voraussetzung (z.B. Kfz-Schutzbrief). Das kann den Versicherungsbeitrag unter Umständen erhöhen.
Wichtig: Es gibt viele weitere Anbieter von SOS-Steckern, diese leiten den Notruf aber nicht an eine Notrufzentrale, sondern alarmieren zuvor festgelegte Kontakte aus dem Smartphone per E-Mail, SMS oder Anruf.

So funktioniert der Meldestecker

Video: Notruf-System für Autos (2016)

Ein Stecker zum Nachrüsten

Der UMS verfügt über Sensoren, die Bewegungen und Kollisionen erkennen. Registriert der Stecker einen Unfall, sendet er diese Informationen via Bluetooth an das gekoppelte Smartphone. Die App sendet die Daten dann an die Notrufzentrale der Autoversicherer und stellt eine Sprechverbindung her. Falls der Fahrer darauf nicht reagiert und die Daten auf einen Unfall hinweisen, alarmiert der Mitarbeiter der Notrufzentrale eine Rettungsleitstelle vor Ort. Der Stecker kann aber auch über einen Knopf manuell ausgelöst werden. Wenn der Fahrer zum Beispiel einen drohenden Herzinfarkt bemerkt, kann er so frühzeitig den Rettungsdienst alarmieren.

Was ist der Unterschied zu eCall?

Im direkten Vergleich ist das gesetzlich vorgeschriebene eCall-System dem Unfallmeldestecker überlegen. Im Gegensatz zum Unfallmeldestecker funktioniert der eCall-Notrufdienst europaweit und nutzt immer das am besten empfangbare Mobilfunknetz. Über Mobilfunk stellt eCall nach einem Unfall aus dem Auto heraus eine Telefonverbindung zur einheitlichen Rufnummer 112 und somit zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle her. Zudem werden Daten aus Fahrzeug-Steuergeräten weitergegeben, etwa zur Art der Airbag-Auslösung, zur Fahrzeugposition inklusive Fahrtrichtung zum Zeitpunkt des Unfalls, zur Antriebsart des Autos und mehr. Viele der speziellen eCall-Funktionen kann ein Nachrüstsystem wie der Unfallmeldedienst bisher nicht leisten: Der automatische Unfallmeldedienst funktioniert nicht in ganz Europa, außerdem wird keine direkte Verbindung mit 112 hergestellt, sondern zunächst die Notrufzentrale der Autoversicherer kontaktiert. Der Unfallmeldestecker kann nicht auf Fahrzeugdaten wie Sitzbelegung und Airbag-Auslösung zugreifen – und wer sein Handy gerade nicht dabei hat (oder nicht entsprechend konfiguriert hat), der hat in diesem Moment auch keine Verbindung zum Unfallmeldedienst.

Kann ein Stecker für mehrere Autos genutzt werden?

Der UMS der Kfz-Versicherung ist an das angegebene, versicherte Fahrzeug gebunden. Der "Vivatar drive" von Bosch kann von bis zu fünf Personen auch in verschiedenen Autos genutzt werden.

Wie ist der Datenschutz geregelt?

Alle Hersteller von Notrufsystemen müssen gewährleisten, dass diese Technologie die vollständige und dauerhafte Löschung aller Daten erlaubt. Auf diesem Wege soll verhindert werden, dass Fahrzeuge ständig verfolgbar sind. Daten werden nur dann übermittelt, wenn ein Unfall registriert oder der Notruf selbstständig ausgelöst wird. Die gesendeten Informationen erhalten nur Rettungskräfte und autorisierte Dienstleister, die beispielsweise einen Abschleppwagen organisieren.

Stichworte:

eCall Unfall GDV

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