Fahrer eines Opel Astra mussten sich am Stammtisch in der Vergangenheit oft für ihr Auto rechtfertigen. Schuld war das katastrophal verarbeitete F-Modell (Baujahr 1991 bis 1998), dessen miese Qualität noch auf den Nachfolger Astra G (1998 bis 2004) abstrahlte. Und der H, der vom Astra J abgelöst wurde? Der ist so zuverlässig, dass sich Fahrer vieler Premium-Produkte wundern würden. Tatsächlich lassen sich die Schwachpunkte in drei Bereichen einkreisen: Spurstangen, Klimaanlage, Ölverlust. Ölverlust allerdings in der Regel so geringfügig, dass ihn oft erst der TÜV bemerkt. Dort gehört der Astra H zu den ganz soliden. Immerhin 84,5 Prozent absolvieren die erste Hauptuntersuchung nach drei Jahren ohne erkennbare Mängel.
Opel Astra H
Alles an Bord: Astra in Edition-Ausstattung, aufgewertet mit Klimaautomatik.
Bild: Thomas Ruddies
Und das trotz des hohen Anteils von Flottenkunden, die meist viel fahren und bevorzugt zum geräumigen Caravan greifen. Am liebsten mit Diesel, der 1.9 CDTI mit 74 kW/100 PS ist so etwas wie der Motor der Vernunft. Das über GM-Kanäle von Fiat zugelieferte Aggregat gibt es auch mit 120- oder 150-PS-Vierventiler. Probleme sind selten, etwas Wartung vorausgesetzt. Schließlich will die Zahnriemenspannung geprüft sein, und ein gelegentlicher Ölwechsel hilft auch dem Turbolader besser über die Runden. Segnet der trotzdem das Zeitliche, ist in der Regel Chip-Tuning die Ursache. Mehr Leistung bedeutet beim Diesel nun mal mehr Ladedruck, da ist der Lader am Ende immer die schwächste Stelle. Wer davon aber die Finger lässt, muss sich für seinen Astra gewiss nicht rechtfertigen. Im Gegenteil: Er darf sich freuen, für mehr Auto weniger bezahlt zu haben – ganz wie früher eine Opel-Stärke.

Die Probefahrt von AUTO BILD

Opel Astra H
Rost-Röhre: extrem gammelgefährdeter Endtopf.
Bild: Thomas Ruddies
Unser Testwagen in modischem Starsilber stammt aus dem August 2006, hat den begehrten 1,9-Liter-CDTI mit 100 PS aus dem Fiat-Konzern unter der Haube und knapp 71.000 Kilometer auf dem Zähler. Gute Laune macht das Edition-Paket. Auch Klimaautomatik und Tempomat sind an Bord. Außerdem das kleine Navi. Weniger schön: Die gesamte linke Seite ist nachlackiert, einschließlich Stoßfänger vorn und hinten. War da mal was Größeres? Eine Reparatur-Historie ist nicht verfügbar, das Auto stammt aus einem Leasing-Fuhrpark. Unsere Probefahrt verläuft erfreulich. Der Caravan fährt wie ein neuer, klappert nicht und reagiert auf kleinste Lenkimpulse. Nur die rostigen Bremsscheiben knirschen anfangs etwas, aber das gibt sich während der Fotofahrten – abbremsen, umdrehen, abbremsen, umdrehen. Unser Urteil: Der Händler sollte klären, weshalb so umfangreich lackiert wurde. Ansonsten geht dieser Astra Caravan als gutes Angebot durch. Sinnvolle Ausstattung, sparsamer Diesel und viel Platz machen ihn zu einer idealen Familienkutsche.

Das macht Ärger

Ernste Probleme sind vom Opel Astra H bisher nicht zu vernehmen, auch die im Vectra als eher anfällig verrufenen 1,9-Liter-CDTI-Motoren laufen weitgehend störungsfrei. In die Rubrik Kleinkram gehören Sachen wie ausgeleierte Keilriemen-Spannvorrichtungen, abgerutschte Antriebswellen- Manschetten oder Elektronik-Störungen wegen korrodierter Massepunkte. Typisch für das H-Modell sind hingegen ausgeschlagene Spurstangenköpfe (unten), auch die Lenkgetriebe zeigen abhängig vom Talent des Fahrers Verschleiß – beides leidet, wenn im Stand am Lenkrad gekurbelt wird. Viele Astra-Fahrer klagen auch über zu geringe oder völlig verschwundene Kühlwirkung der Klimaanlage. Ursache ist fehlendes Kältemittel, das durch Schläuche oder – teuer – defekte Kompressoren verduftet. Außerdem markiert der Astra ein wenig zu oft sein Revier. Mit Öl, das durch Wellendichtringe und Ölwannendichtungen ins Freie gelangt. Damit sind die häufigsten Schwächen aufgezählt, doch eine noch größere Rolle spielt die Herkunft des Autos. Denn der Markt wird überschwemmt mit Leasing-Rückläufern, drei Jahre alt und zwischen 30.000 und 130.000 Kilometer gelaufen. Damit kann man Glück haben – oder aber ein Auto erwischen, mit dem ein Weichenschmierer der Deutschen Bahn seine Fett-Eimer über die letzten Feldwege zu den Gleisen gejuckelt hat. Also vor dem Kauf immer genau hinsehen, nicht nur beim Astra.
Keine Angst vor Opel! Obwohl es der Marke in den letzten Jahren schlecht ging, hat sie gute Autos gebaut. Nur bei den Käufern hat sich das noch nicht herumgesprochen, die Nachfrage ist eher flau. Deshalb heißt es jetzt zugreifen, die Händler sind verhandlungsbereit, und das erste Angebot ist nicht immer das beste.