Einen Opel Combo Life bekommt man schon für 19.995 Euro. Dann ist er allerdings so sehr Basis, dass er definitiv nicht zum Traumwagen taugt. Mit einer höheren Ausstattungslinie, mehr Mumm unter der Haube und dem neuen Automatikgetriebe mit acht Fahrstufen sieht das schon ganz anders aus. Allerdings klettert der Preis dann auch auf über 30.000 Euro. Viel Geld für einen Kastenwagen.

Mit ein paar Annehmlichkeiten wird auch der Opel teuer

Opel Combo Life
Aufgerüstet: Als "Innovation" mit Automatik und Diesel knackt der Combo die 30.000-Euro-Grenze.
Unser Testwagen schickt 130 Diesel-PS aus einem 1.5-D-Vierzylinder durch die Automatik. Dazu sind originelle Extras und der Trimm "Innovation" an Bord. Das heißt im Einzelnen: Klimaautomatik, eine anständige Multimediaversorgung inklusive Smartphone-Anbindung und Touchscreen. Auch die zweite Schiebetür auf der linken Seite ist dabei, genauso wie das Einzelsitzkonzept für die zweite Reihe. Diese dreigeteilte Rückenlehne in Verbindung mit dem optionalen Klapp-Beifahrersitz (300 Euro) verwandelt den Combo Life in einen extrem vielseitigen Burschen. Dabei fällt auf: Die Entriegelungen der Rückenlehnen sind wunderbar einfach zu betätigen. Beim Herunterklappen senkt sich auch die Sitzfläche, die Mechanik arbeitet angenehm leichtgängig. Ein Laderaumdeckel teilt schlau das Gepäckfach, die Gurte verschwinden seitlich geführt, ohne zu stören – so einfach kann Vielseitigkeit sein. Schade: Die Vordersitze hat Opel eher lieblos gepolstert. Sie stützen kaum, sind nichts für lange Strecken.

Sportlichkeit ist dem Combo ziemlich fremd

Opel Combo Life
Kein Kurvenkünstler: Der Combo neigt sich zur Seite, wenn es ums Eck geht – unsicher ist das aber nicht.
Entweder sitzen zusätzlich zum Fahrer vier Passagiere (mit immerhin passabler Knie-und üppiger Kopffreiheit) im Opel. Oder im Handumdrehen passt selbst extrem sperriges, bis zu 2,70 Meter langes Gepäck ins Auto. Insgesamt fasst der Combo bei flach gelegten Sitzen 2126 Liter. Gefühlt bieten nur Ducato und Co mehr. Und das sind echte Nutzfahrzeuge. Ein bisschen wie ein Gewerbelaster fährt sich allerdings auch der Opel. Zwar arbeitet die Federung auf derben Bodenwellen anständig. Doch ansonsten stakst der Combo eher lustlos über kleine Verwerfungen im Asphalt. Der Aufbau wirft sich reichlich in Schräglage, über Sieldeckelkanten könnten die relativ flachen 17-Zoll-Reifen flauschiger gleiten. Auch das Geräuschniveau ist recht hoch. Der Motor tuckert stets hörbar. Er kennt die gesamte Klaviatur eines Nutzfahrzeugs. Vibrieren, Dröhnen, Brummen – alles dabei. Bei Autobahntempo zischt Wind, rauschen Reifen, flöten Wirbel an der Dachreling.
Immerhin entwickelt der 1,5-Liter-Diesel beachtliche 300 Newtonmeter Drehmoment. Die Automatik lässt die Kraft passend und sanft sortiert auf die Vorderräder los. Nicht ganz so geschmeidig gelungen: Die Start-Stopp-Anlage weckt den Motor deutlich spürbar. Nach der Anlasserphase kommt erst mal nichts, danach seichtes Hochtouren, erst dann gemächliches Antraben. Wer Ampelstopps gern zügig abhakt, wird das als ein wenig verschlafen empfinden.

Der Selbstzünder geht schön sparsam mit dem Sprit um

Opel Combo Life
Trotz 1,6 Tonnen und hohem Aufbau kommt der Opel mit 6,4 Litern Diesel auf 100 Kilometer aus.
Auf der Autobahn kosten die letzten, lang übersetzten Fahrstufen sowie der hohe, windsperrige Aufbau ordentlich Temperament. Schneller als "Tacho 180" wird der Combo nicht. Macht aber nichts. Alles darunter stresst den Opel ohnehin deutlich weniger. Der Geradeauslauf ist gut, der Verbrauch gering. Hochdach plus fast 1,6 Tonnen Leergewicht verleiten den Opel nicht zum Saufen – er kommt nach unserer Prüfung mit 6,4 Litern Diesel aus. In Kurven schiebt der kopflastige Kasten naturgemäß über die Vorderräder nach außen. Den defensiven Charakter stützen die Bremsleistungen. Rund 35 Meter aus Tempo 100 sind absolut zeit- und klassengemäß. Selbst wer beim Fahren ein bisschen träumt und spät in die Eisen geht, kommt so noch rechtzeitig zum Stehen. So gesehen ist der Opel tatsächlich ein Wagen zum Träumen.

Fazit

Der Combo Life Innovation will mit moderner Automatik und guter Ausstattung zwischen Lust- und Lastwagen vermitteln. Er kippt aber auf die Seite des Nutzfahrzeugs. Kurz: nicht besonders kultiviert, dafür ein echter Alltagsheld.

Von

Berend Sanders