Opel Corsa Electric im Test
Stromer auf Schotter
–
Mit elektrischen Corsa veranstaltet Opel im dritten Jahr einen Markenpokal. Wir haben ausprobiert, ob die 136 PS für echtes Rallye-Feeling reichen.
Auf dem schmalen Grasstreifen zwischen Weizenfeld und Schotterweg taucht das nächste Reifentürmchen auf. Weiß, rot, weiß lackiert stechen sie aus der grünen Idylle des Testkurses heraus, weisen auf die nächste Linkskurve hin. Kurz und kräftig das breite Bremspedal getreten. Der Vorderwagen sinkt leicht in die Federn ein, gibt Druck auf die Vorderachse. Zügig mit der linken Hand einlenken.
Die rechte greift den riesigen Handbremshebel, der vom Mitteltunnel aus knapp den Scheibenwischhebel überragt. Ein beherzter Zug wie am einarmigen Banditen. Das Heck driftet jäh nach rechts, wirbelt eine Welle aus Schotter und Staub auf.
Mit dem 136 PS starken Corsa Electric veranstaltet Opel nun schon im dritten Jahr den ersten rein elektrischen Rallye-Markenpokal. Diesmal dürfen wir ausprobieren, ob der Kleinwagen auch auf Schotter rallyetauglich ist. Also gegenlenken und aufs Fahrpedal treten. Im Nu malträtieren 260 Newtonmeter Drehmoment die Vorderräder, ziehen den Opel Corsa Rally Electric stoisch aus dem Drift – und aus der Kurve raus auf die nächste Gerade.

Das Cockpit ist ein Mix aus Serie und sicherheitsrelevantem Motorsport-Interieur. Eco spart Strom auf Verbindungsetappen.
Bild: Opel
Während Opel aus Kostengründen über sicherheitsrelevante Änderungen hinaus nur behutsam die Serientechnik ersetzt hat, bringt die inzwischen dritte Evolutionsstufe des Differenzials echten Mehrwert. Schneller kann man einen Kleinwagen kaum um die Ecke zwingen.
Fahrleistungen entsprechen dem Serienmodell
Die Fahrleistungen entsprechen zwar nur dem Serienmodell, heißt, dass der Corsa Electric mit seiner 50-kWh-Batterie im Boden in 8,1 Sekunden auf Tempo 100 sprintet und die Elektronik bei 150 abregelt. Doch das stört nicht, wenn man über einen holprigen Feldweg rast und aufgewirbelte Steine in den Spitzkehren derart in den Radkästen prasseln, als hätte man den Jackpot gewonnen.
Überhaupt sind diese Geräusche mit das Lauteste, was es in Opels kleinem Rallye-Stromer zu hören gibt. Der Markenpokal-Renner ist ansonsten ganz schön leise. Die Techniker der Rüsselsheimer Motorsportabteilung mussten deshalb in die Trickkiste greifen: Ein silberner Kippschalter im Cockpit aktiviert den Soundgenerator. Klingt merkwürdig, hat aber einen sicherheitsrelevanten Hintergrund. Denn ansonsten würden Sportwarte und Zuschauer die heraneilenden Autos zu spät wahrnehmen.

Der AUTO BILD-Reporter hat die XXL-Handbremse in direkter Greifweite zum Lenkrad.
Bild: Opel
Offroad-Parcours das richtige Terrain
Also: Klick! Schalter umgelegt, und mit einem schrägen Ufo-Sound geht’s weiter. Der Offroad-Parcours erweist sich als genau das richtige Terrain für dieses Sportgerät. Den 136 Pferdestärken des serienmäßigen Synchronmotors stehen trotz Abmagerungskur immerhin fast 1,5 Tonnen Leergewicht gegenüber.
Damit ist der Corsa für weitläufige Asphaltprüfungen nicht gerade prädestiniert. Auf Schotter geht das Konzept dafür super auf. Denn der Wechsel zwischen blockierten Hinterrädern und direkt anliegender E-Antriebskraft gelingt harmonisch. Und erlaubt dem Fahrer, das Auto kontrolliert um die Schotterkurven zu driften.
Autor: M. Westermann
Service-Links