Opel Kadett 1.0 N Coupé (1974): Test
Der Opel fährt sicher und einfach beherrschbar

Bild: Martin Meiners / AUTO BILD
Der Kadett C kam 1973 und eroberte als "T-Car" des Mutterkonzerns General Motors die ganze Welt. Von der Coupé-Variante entstanden rund 165.000 Stück – deutlich weniger als vom Super-Seller Capri. Es ist schon bemerkenswert, was Opel aus dem simplen Fahrwerk mit hinterer, angetriebener Starrachse abstimmungsseitig herausgeholt hat. Der Opel fährt sicher und einfach beherrschbar durch den Slalom, federt auf übler Piste erstaunlich komfortabel.

So einfach und schlicht der Innenraum aussehen mag, so bequem und luftig lässt es sich darin aushalten.
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Dazu tragen auch die gut gepolsterten Sitze bei. Die Lenkung ist angenehm leichtgängig und tendenziell eher von indirektem Charakter, ohne jedoch teigig zu wirken. Der Geradeauslauf ist hervorragend. Der Ein-Liter-Motor ist überraschend leise! Er dreht selbst aus 40 km/h im vierten Gang ruckfrei hoch, auch bei Reisetempo 110 ist der Opel nicht unangenehm laut. Die Schaltung ist präzise und leicht bedienbar. Die Übersicht: ein Traum, die Bedienung des an Logik und Einfachheit kaum zu übertreffenden Cockpits ist mit geschlossenen Augen möglich. Auch die Verarbeitung wirkt solide. Insgesamt ist der Opel ein funktional gestalteter Alleskönner. In dem man ein limousinenhaftes Fahrgefühl entwickelt: sicher, komfortabel, reisetauglich.
Plus/Minus
Entscheidungsfreudigkeit ist beim Opel Kadett C gefragt. Das Erfolgsmodell wurde für den weltweiten Verkauf innerhalb der General-Motors-Organisation geplant, es gab ihn unter diversen Marken- und Modellnamen. Als Opel Kadett wurde er allein in Europa von 1973 bis 1979 rund 1,6 Millionen Mal verkauft – als zwei- und viertürige Limousine, als zweitüriger Kombi "Caravan", in der Cabrio-Variante "Aero", als zweitüriges Schrägheck "City" und auch als schnittiges Coupé. Sondermodelle mit zweideutigen Bezeichnungen wie "Swinger" und Sportmodelle wie den legendären GT/E mit 115 PS leistendem Zweiliter-Einspritzer gab es ebenso.

Der leise "Nähmaschinen-Motor" ist von legendärer Langlebigkeit.
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Über 90 Prozent aller Kadett C liefen jedoch mit dem "Nähmaschinen-Motor" 1.0 N bis 1.2 S von Band – jene kennzeichnet eine bis heute beeindruckende Zuverlässigkeit und Haltbarkeit.
Welche die Karosserie nicht bieten kann: Rostschutz fand werksseitig kaum statt, entsprechend gammelgefährdet ist der C-Kadett. Die Inspektion der Karosserie beginnt an den Kotflügeln vorn: Am Übergang zur A-Säule rosten diese zuerst durch. Die Schottbleche um die Scheinwerfer herum finden sich oft nur noch in Fragmenten, der Gilb nistet sich auch gern an den seitlichen Stehblechen, den vorderen Stoßdämpferdomen und am Batteriekasten ein. Kerngesundes Blech am Verlauf der A-Säule findet man nur bei vollrestaurierten oder kaum benutzten und gut konservierten Kadett C. Von vorn bis hinten marode Schweller sind ebenso typisch, besonders an den jeweiligen Enden. Die hinteren Radläufe und Endspitzen rosten auch gern um die Wette.
Wie bei vielen Massenautos der 70er-Jahre gilt heute auch beim Opel Kadett C: Der Zustand der Karosserie sollte trotz des Variantenreichtums Kaufgrund Nummer eins sein. Fahrfreude macht jeder Kadett C, ob mit 40 oder 115 PS!
Marktlage
Teuer sind sie geworden! Das einstige Brot-und-Butter-Auto gibt es heute in gebrauchsfähigem Zustand nicht mehr unter 5000 Euro – unabhängig von Motor- oder Karosserievariante. Insbesondere angezogen haben die Tarife für die Coupés: Selbst ein nacktes Einliter-Coupé mit 40 PS und Buchhalter-Ausstattung kostet in Zustand 2 rund 10.000 Euro. Für die begehrteste Kadett-C-Version GT/E in Top-Zustand ist das Vierfache fällig. Die beste Chance, ein unverbasteltes Exemplar zu finden, besteht bei den Basisversionen.

So behütet und unberührt wie dieses Kadett Coupé dürften keine weiteren Exemplare bis heute überlebt haben.
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Ersatzteile
Bereits in den frühen 90ern stieg der Kadett C vom Verbrauchtwagen zum Liebhaberobjekt auf, vor allem in den Coupé- und Aero-Varianten. Entsprechend früh gab es Ersatzteil-Offerten außerhalb der schon damals überwiegend leeren Opel-Teileregale. Das Angebot freier Teilehändler und das Engagement der Alt-Opel-Szene stimmen zuversichtlich: Kein Teileproblem bleibt lang ungelöst. Preisbeispiele von o-t-r.de: Kotflügel vorn links oder rechts ab 8/1977 jeweils 300 Euro; Heckblech komplett 329 Euro; Auspuff-Endrohr 1.0-1.2 40 Euro; Wasserpumpe 1.0-1.2 48 Euro.
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