Die beiden Gangmitglieder haben zwar wenig Gemeinsamkeiten, beim Antrieb allerdings sind sie sich ziemlich einig: Für Schub sorgt sowohl beim Omega 3.0 als auch beim Insignia OPC ein Sechszylinder in V-Anordnung. Sechs Pötte hat Opel aus seinem Programm bedauerlicherweise gestrichen – was unsere Jungs aus der Opel-Gang nur noch mehr zusammenschweißt. Wir begeben uns nach Bockel bei Bremen zum "Autohus" und leihen uns den Insignia für unser kleines V6-Rendezvous. Bei dem OPC-Modell (seit 2009 gebaut) handelt es sich um ein relativ junges Exemplar, das gerade erst drei Jahre auf dem Buckel hat. Pro Jahr spulte der Vorbesitzer allerdings fast 50.000 Kilometer ab. Beachtlich, denn der V6-Turbo zählt zur besonders trinkfesten Sorte. Im Alltag muss man sich schon etwas zurücknehmen, um einen Verbrauch im Bereich unseres Testwerts zu realisieren. Wer dem OPC die Sporen gibt, der sieht auf dem Bordcomputer aber schnell Werte jenseits von 20 Litern – wir können nur vermuten, dass der Vorbesitzer nach dem OPC auf einen Diesel umgestiegen ist. (Überblick: alles zum Opel Insignia und Opel Omega)

Für Begeisterungsstürme sorgen die 325 PS des Insignia nicht mehr

Opel nsignia OPC ST
Der Insignia A ist der letzte Opel mit einem V6-­Motor unter der Haube.
Nach der Montage der roten Kennzeichen geht es auf ins etwa 30 Kilometer entfernte Grasberg, wo Heiko Kück den Omega V6 verkauft. Auf der Landstraße macht der Insignia eine passable Figur, für Begeisterungsstürme sorgen die 325 PS allerdings nicht mehr. Zum einen sind heutzutage schon Kompaktfahrzeuge mit ähnlich potenten Antrieben gesegnet. Außerdem leistet die schwere Epsilon-2-Plattform, auf der der alte Insignia steht, dem OPC einen Bärendienst. Als Kombi mit Automatikgetriebe und Panoramadach knackt der sportliche Opel beinahe die gar nicht mehr so sportliche Zwei-Tonnen-Marke.Gefallen finden wir am Fahrwerk, das selbst in der härtesten Stufe (bei aktivierter OPC-Taste) nicht zur Langstreckentortur wird. Der Sound des V6 wird durch den Turbo zwar reichlich gedämmt. Doch das ist uns allemal lieber als die künstliche Beisteuerung von Motorgeräuschen per Soundmodul, wie es inzwischen zur schlechten Sitte geworden ist. Für wahre Panikattacken sorgt dann die zweimalig aufblinkende Warnmeldung im Kombiinstrument: "Aktion erforderlich: Öldruck niedrig, Motor sofort abstellen!" Machen wir wie befohlen und kontrollieren den Ölstand. Ergebnis: 100 Prozent. Nach Rückfrage bei der Werkstatt starten wir den V6 erneut und setzen unsere Fahrt fort, ohne dass die Warnmeldung noch mal erscheint – wohl nur ein Sensorfehler. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem.

Im Omega ticken die Uhren noch anders

Opel Omega 3.0 V6
Ergonomisch passt alles. Ab 1999 ist der Omega mit feineren Materialien besser verarbeitet und gedämmt.
Beim Umstieg auf den Omega entspannt uns dann sofort die gute alte Welt. Ebenfalls weniger als 140.000 Kilometer auf der Uhr, dazu handelt es sich um ein überdurchschnittlich gut gepflegtes Omega-B-Modell, das trotz seines Alters von 20 Jahren richtig jung wirkt. Doch schon die analogen Instrumente deuten an, dass die Uhren hier noch anders ticken. Die Türen fallen eine Spur satter ins Schloss als im Insignia, und der Dreh am Zündschlüssel erweckt einen V6 zum Leben, der auch so klingt – unaufgeladen und nicht direkt eingespritzt.Auf dem Papier fallen die Leistungswerte des 3.0 V6 zwar eher mau aus. Auf der Straße hat man aber doch das Gefühl, ziemlich standesgemäß motorisiert zu sein. Die Vierstufenautomatik schaltet butterweich. Und beim Kickdown ist der V6 trotzdem sofort zur Stelle und scheut sich nicht, bis jenseits von 6000 Touren zu malochen. Bei 4500 Umdrehungen zündet gefühlt die zweite Schubstufe. Der Fotograf nickt anerkennend, doch nach einmaliger Drehorgie verschonen wir den V6 vor weiteren Strapazen, gleiten mit 1600 Touren und Tempo 80 über die Landstraße. Was der Omega ziemlich elegant hinbekommt. "Sieh an, sieh an", sagt der Kopf, "so viel Auto für so wenig Geld gibt es hier also." Da muss man nicht wirklich wahnsinnig sein, um sich für den Omega-Oldie zu entscheiden. Beim OPC könnte ein wenig Wahnsinn aber durchaus helfen.Fazit von Stefan Novitski: Hier der gemütliche Omega, der für wenig Geld viel Auto und eine gute Preisprognose bietet. Dort der rasante Insignia, der als OPC aber ein paar Risiken an Bord hat. Die ersten Insignia OPC haben ihr Preistal allerdings fast erreicht. Für Reparaturen sollte man dennoch ein paar Tausender einplanen. Urteil Opel Insignia: drei von fünf Punkten; Urteil Opel Omega: vier von fünf Punkten.

Von

Stefan Novitski