Pagani Huayra: Erste Mitfahrt
Die Zeichen stehen auf Sturm

Huayra ist der Gott des Windes. Pagani nutzt den Namen für seinen neuen Supersportwagen: 730 PS, 1000 Nm, 370 km/h. AUTO BILD ist den divenhaftesten aller italienischen Sportwagen gefahren.
- Stefan Voswinkel
Das Herz rast. Die Handflächen? Feucht. Pupillen? Stark geweitet. Schmetterlinge im Bauch. Ich bin aufgeregt. Kein Wunder, ich habe nicht jeden Tag ein Rendezvous mit einer italienischen Diva. Sie wird sich wohl nicht an mich erinnern, sie hat zu viele Verehrer. Zum ersten Mal habe ich sie vor einem Jahr gesehen. Auf dem Genfer Autosalon 2011. Aus der Ferne bewundert. Mich ein wenig nähergeschlichen. Ihren Stil bestaunt, ihre Eleganz, ihre Perfektion. Jetzt endlich lerne ich sie persönlich kennen. An einem kalten Wintermorgen in der Nähe von Modena kreuzen sich unsere Wege erneut. Pagani hat AUTO BILD exklusiv zu einer ersten Ausfahrt mit dem Huayra, dem divenhaftesten aller italienischen Sportwagen, eingeladen.
Überblick: News und Tests zum Pagani Huayra

"Über 4000 Teile. Und alle selbst konstruiert", erzählt Firmengründer Horacio Pagani in seinem Büro in Modena.
Bild: Uli Sonntag
Barock trifft Hightech
Noch ist es nicht so weit, den Huayra selbst zu fahren. Der Schöpfer gestattet eine Audienz auf dem Beifahrersitz. Federleicht schwingt die Tür gen Himmel und lädt ein in ein Reich aus Leder, Aluminium und Kohlefaser. Was für eine Opulenz, ein irrer Stilmix aus Barock und Hightech. Die Instrumente sind aus dem Vollen gefräst, schimmern blau wie Saphire. Sitze, Cockpit und der Wagenboden sind mit dickem braunem Leder bezogen. Massive Kipphebel in der Mittelkonsole befehligen die Klimaanlage. Zwischen den Sitzen steht aufrecht der Schalthebel im Raum. Ein mechanisches Meisterwerk, Taktstock für das sequenzielle Siebenganggetriebe. Mit einem Schlüsseldreh springt der Zwölfzylinder klaglos an.
Wer will da noch beamen?
Ach was. Der Sechsliter von Daimler-Tochter AMG springt nicht einfach an. Er erwacht. Mit leisem Gurgeln spült die Benzinpumpe Kraftstoff in Richtung der zwölf Brennräume. Der Anlasser sirrt hell, dann sägt der Motor heiser im Leerlauf. Nichts wie raus auf die einsamen Landstraßen rund um Modena. Ein wenig Gas geben – und schon saugt der Biturbo kurz hinter den Ohren der Passagiere sämtliche Umgebungsluft ein. Einen Sekundenbruchteil später explodiert die Welt. Der Pagani lässt sie gerade so spielerisch hinter sich, dass Beamen wohl die langsamere Alternative wäre, um von hier nach dort zu kommen.
Grazile Dame

Kurze Haube, langes Heck: Klassische Sportwagenproportionen prägen den Pagani Huayra.
Bild: Uli Sonntag
Pagani erfüllt Träume

Echter Extremsportler: Der Huayra fährt messerscharf, in Kurven präzise wie ein Rennwagen.
Bild: Uli Sonntag
Produktion wird ausgeweitet
Für den Huayra haben sie fünf Jahre lang 4000 Teile konstruiert. Pagani drängt weiter ins Nebenzimmer. Er zeigt Skizzen. Von dem Fabrikgebäude, seinem neuen Traum. Weil die alte Produktionsstätte aus allen Nähten platzt, entsteht derzeit eine Straße weiter eine neue. Dreimal so viel Platz wie bisher soll den 45 Mitarbeitern dann zur Verfügung stehen. Ab Frühjahr 2013 wollen sie die Bestellliste für den Huayra schneller abarbeiten und 40 statt bisher 25 Autos im Jahr bauen. Bereits im Herbst werden die Diva und ich uns wiedersehen, ich darf das erste Mal selbst fahren. Schon jetzt rast das Herz. Sind die Handflächen feucht. Die Pupillen geweitet. Ich kann es kaum erwarten.
Fazit
Der Huayra ist mehr als ein Traumwagen, er ist der wahr gewordene Traum von Horacio Pagani. Anders als ein moderner Lamborghini oder Ferrari verströmt der Huayra aus jeder Kohlefaser die genialen Ideen seines Schöpfers – und nicht die einer Horde angestellter Ingenieure. Der Huayra ist ein Kunstwerk, ein fulminanter Mix aus Barock, Art déco und Hightech. Kein Blender zudem, technisch gehört der Pagani zu den besten Sportwagen der Welt. Die Karosserie aus Carbon ist meisterhaft verarbeitet, der Motor wird von der Daimler-Tochter AMG geliefert. Eine faszinierende Kombination aus deutscher Zuverlässigkeit und italienischer Leichtigkeit. Bei einem Preis von 1,1 Millionen Euro unerreichbar. Aber Träumen ist erlaubt.
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