Perspektive für E-Fuels: ohne Förderung keine Chance
Kraftfahrzeuggewerbe fordert höheren CO2-Preis

Bild: Bernd Feil
Bislang sind synthetische Kraftstoffe auf Strombasis, die sogenannten E-Fuels, eine schöne Vision mit ungewissem Preis. Um das zu ändern, fordert der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) Steuererleichterungen und Subventionen für den CO2-freien, aber energieintensiven Sprit – und ein höheres Bepreisen von Diesel und Benzin! Denn aktuell ist der Preis für klimafreundliche Treibstoffe noch zu hoch.
Der erste Schritt auf dem Weg zur Verbreitung wäre nach Ansicht des ZDK eine gleichberechtigte Behandlung im Vergleich zu anderen klimafreundlichen Antrieben. Ohne Förderung oder steuerliche Anreize ließen sich synthetische Kraftstoffe nicht massenhaft bezahlbar produzieren. Daher verlangt das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe auch einen noch höheren CO2-Preis auf fossile Treibstoffe, um den Preisabstand zu klimafreundlichen Treibstoffen zu verringern. Das teilte der ZDK auf dem jüngsten Automobildialog in Berlin mit.
Das zentrale Problem beim sogenannten Hochlauf der fast CO2-neutralen Treibstoffproduktion: Beim Aufbau von Produktionsanlagen fallen hohe Investitionen an, die den Ökosprit anfangs sehr teuer werden lassen. Wenn er teuer ist, würde ihn niemand tanken. Weil die Nachfrage dadurch minimal bleibt, wäre der Preis hoch – und er würde auf Sicht nicht fallen.
Zuletzt plante eine Studie von Frontier Economics konkret mit bezahlbaren E-Fuels und wie man ihre Einführung organisieren könnte. Die Idee: Noch bevor eine Massenproduktion in vollem Schwung ist, könnten schon kleinere Mengen des anfangs teuren Kraftstoffs den bisherigen fossilen Treibstoffen wie Benzin und Diesel beigemischt werden, um Schritt für Schritt die Produktion anzukurbeln und den synthetischen Kraftstoff bezahlbar zu machen. Die Planung machte der Bundesverband EnergieMittelstand (UNITI).
Durch Beimischen den Absatz erhöhen und den Preis verringern
Wenn man nun E-Fuels dem üblichen Benzin und Diesel in anfangs kleineren Mengen beimischt, steigt die Nachfrage langsam, und die Mehrkosten bleiben im Rahmen. Bei steigender Nachfrage sinken dann die Produktionskosten, dank der sogenannten Skaleneffekte wird der E-Sprit immer billiger. E-Fuels würden vor dem drohenden Verbrenner-Aus eine wichtige Rolle spielen, um die aktuellen Autoflotten klimaneutral zu machen.
Wie hoch wären die Produktionskosten für E-Fuels?
Laut der Studie "Szenarien für den Markthochlauf von E-Fuels im Straßenverkehr" könnten fossile Kraftstoffe an der Tankstelle Benzin ab 2037 und Diesel ab 2042 komplett ersetzen, vor allem aber bezahlbar werden. Auch für den Preis gibt es eine Prognose: Während die Kosten aktuell nur als "hoch" beziffert werden, rechnet die Studie langfristig mit Produktionskosten zwischen 1,10 Euro und 1,63 Euro für den Liter E-Benzin sowie mit 1,22 Euro bis 1,80 Euro pro Liter E-Diesel.

So sieht der Produktionsprozess von E-Fuels aus: vom Rohstoff CO2 aus der Luft über die Elektrolyse grünen Wasserstoffs bis zum tankbaren Sprit.
Bild: picture alliance/dpa/dpa-infografik
Wie setzt sich der Spritpreis aktuell zusammen?
Zu welchem Preis E-Fuels an die Tankstellen kommen, hängt auch von Steuern und Abgaben ab. Entsprechend fordert UNITI, den Treibstoff von der CO2-Abgabe zu befreien, wie sie heute für fossilen Sprit fällig wird. Sie liegt aktuell bei 15,7 Cent pro Liter Benzin und 17,2 Cent pro Liter Diesel. Bei einem Einkaufspreis von aktuell 77 Cent pro Liter Benzin und 73 Cent für Diesel kommen derzeit 65,5 Cent Energiesteuer (47 Cent beim Diesel) zum Preis hinzu.
Den Abgabenmix ergänzen ein Deckungsbeitrag für die Ölkonzerne für Verarbeitung und Transport (inklusive Bevorratungsbeitrag zur Kraftstoffreserve) von 5,5 Cent sowie die Mehrwertsteuer von ca. 30 Cent beim Benzin und 28 Cent beim Diesel. Letztlich kommt noch die Gewinnmarge der Tankstellenbetreiber hinzu, die aktuell zwischen vier Cent (Benzin) und elf Cent (Diesel) schwankt.
Wie sich die steigende CO2-Abgabe auf den Spritpreis auswirkt
Jahr | CO2-Preis/Tonne | Preisaufschlag/Liter Benzin | Preisaufschlag/Liter Diesel |
|---|---|---|---|
2021 | 25 Euro | ca. 7 Cent | ca. 8 Cent |
2022 | 30 Euro | ca. 8,4 Cent | ca. 9,5 Cent |
2023 | bleibt bei 30 Euro | ca. 8,4 Cent | ca. 9,5 Cent |
2024 | 45 Euro | ca. 12,7 Cent | ca. 14,2 Cent |
2025 | 55 Euro | ca. 15,7 Cent | ca. 17,2 Cent |
2026 | 55 bis 65 Euro | ca. 15,7-18,6 Cent | ca. 17,3-20,5 Cent |
2027 | 55 bis 65 Euro | ca. 15,7-18,6 Cent | ca. 17,3-20,5 Cent |
2028 | freie Preisbildung im Emissionshandel, erster Preis an der Terminbörse 73 Euro | ca. 20,84 Cent | ca. 22,83 Cent |
20XX | theoretisch 200 Euro | ca. 57 Cent | ca. 62,5 Cent |
Die Erwartung sinkender Preise basiert auf der Preisentwicklung für Solarmodule der vergangenen 40 Jahre. Danach dürfte der Preis für grünen Strom massiv sinken. Allerdings liegen große Unsicherheiten in der Preisbildung.
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