Peugeot 308 TCR im Tracktest

Dieser Löwe zeigt Krallen

Rennen mit seriennahen Tourenwagen boomen. Wir fuhren den Peugeot 308, der weltweit in den TCR-Serien eingesetzt wird.
Hoppala. Der Peugeot 308 TCR versucht – bildlich gesehen – mich abzuwerfen. Schon in der ersten Kurve keilt er mit dem Heck aus, dass ich all‘ meine Reflexe brauche, damit aus dem 90-Grad-Drift kein 360-Grad-Dreher wird. Das also meinte Aurélien Comte (30), Entwicklungsfahrer bei Peugeot Motorsport, als er mich warnte: „Pass auf, solange die Reifen kalt sind. Dann zeigt er seine Krallen.“
Kalte Reifen sind ein Problem bei Rennwagen der Kategorie TCR. In dieser Klasse, weltweit in der WTCR und in Deutschland in der ADAC TCR Germany oder der VLN vertreten, ist Vorderradantrieb vorgeschrieben. „Auch gebremst wird fast nur vorne“, erläutert Comte. Weshalb die Hinterreifen nie richtig warm werden und kaum Haftung aufbauen. Könner wie Comte nutzen das nervöse Heck dazu, besser um enge Kurven herumzukommen.

Das Innenleben des Peugeot 308 TCR

Davon bin ich weit weg. Ich habe mit dem bissigen Turbomotor zu kämpfen, nur mit sensiblem Gasfuß drehen die Vorderräder nicht ständig durch. Anders als die TCR-Konkurrenz, die durchweg auf Zweiliter-Triebwerke setzt, hat der Peugeot nur 1,6 Liter Hubraum. Weil als Ausgleich der Ladedruck höher sein darf, hat aber auch der 308 TCR die vom Reglement als Limit festgelegten 350 PS. So funktioniert die sogenannte „Balance of Performance“, mit der die technisch unterschiedlichen TCR-Renner der beteiligten Hersteller auf ein Leistungsniveau gebracht werden.
Ein Kriterium ist auch das Getriebe. Die sechs Gänge des 308 TCR werden über Lenkradwippen geschaltet. Die Kupplung habe ich nur zum Anfahren gebraucht. Hochgeschaltet wird bei Vollgas mit der rechten Wippe, fast ohne Zugkraftunterbrechung und erst dann, wenn die roten Schaltlampen leuchten. Sind die Vorderreifen einmal warm, bauen sie erstaunlich viel Traktion auf. Das ermöglicht sehr späte Bremspunkte, die Verzögerungsphase reicht bis weit in die Kurve hinein.
Mit der linken Wippe flipper ich dabei durch die Gänge nach unten. Das in drei Stufen regulierbare Anti-Lag-System (ALS) – hält den Turbolader auf Drehzahl, wenn der Fahrer vom Gas geht – knallt so laut aus dem Auspuff, dass ich es sogar unter dem Helm höre. Es scheint, der Löwe brüllt mich an, bevor er das nächste Mal bockt. 

Noch mehr Infos zum Peugeot 308 TCR

Die TCR-Sparte (Touring-Car-Racing) ist ein Erfolgsmodell. Weltweit sind für die verschiedenen nationalen, regionalen und internationalen TCR-Meisterschaften schon weit über 600 Autos verkauft worden. Immer mehr Hersteller springen daher auf den Zug auf. Vor allem, weil jetzt auch die Tourenwagen-WM nach dem TCR-Reglement fährt. Damit ist zwar der WM-Status futsch, aber als World-Cup genießt die Serie nach wie vor weltweit hohes Ansehen.
Cupra TCR: Die Details
Schon im Vorjahr hat Peugeot durch diverse Ausnahmeregelungen erreicht, dass bei TCR-Rennen auch der Peugeot 308 Cup Racer an den Start gehen darf. 2018 kommt nun die richtige TCR-Version des Peugeot 308. Basis ist noch immer die Cup-Version, aber die Löwen haben Motor, Getriebe, Chassis und Aerodynamik neu entwickelt.
Der Motor verfügt über 1,6 Liter Hubraum, ist ein Vierzylinder-Reihen-Turbo und bringt es auf maximal 350 PS. Mehr lässt das Reglement nicht zu. Das sequenzielle Sechs-Gang-Getriebe überträgt die Kraft des Motors auf die Antriebsräder.

Das Innenleben des Peugeot 308 TCR

Der Grund für den TCR-Boom: die geringen Kosten. Für maximal 109.000 Euro ist der Peugeot 308 TCR zu kaufen. Und: Die Betriebskosten sind relativ gering, betragen nur 4,50 Euro pro Rennkilometer. Das kommt auch durch die Langlebigkeit der Teile zustande. Eine Revision für den Motor ist erst ab 5000 Kilometer fällig – also nach umgerechnet zwei Saisons.
Als Fahrer gehen in der WTCR 2018 Aurélien Comte und Mat’o Homola für das Peugeot-Team DG Sports an den Start. Der Kroate Homola gewann 2016 ein Rennen für Seat in der TCR International Series.
Technische Daten Peugeot 308 TCR
Motor: Vierzylinder-Reihenmotor
Hubraum: 1,6 Liter
Getriebe: sequenzielles Sechs-Gang-Getriebe
Kosten: 109.000 Euro

Autor: Christian Schön

Fotos: Hersteller

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