Peugeot 908 HDi im Tracktest
König der Löwen

Für Le Mans müssen die Hersteller technisch abrüsten, deswegen kommt der Diesel-Prototyp Peugeot 908 HDi nicht zum Einsatz. AUTO BILD MOTORSPORT-Redakteur Martin Westerhoff hat trotzdem die Chance zur Probefahrt genutzt.
Bild: Werk
Wie das Pendel einer Glocke schlägt mein Kopf nach vorn. Er bremst, endlich bremst er! Die Rechtskurve am Ende der Gegengeraden ist bedrohlich nah, ihr Scheitelpunkt nur noch etwa 50 Meter entfernt. Zweimal knurrt der gewaltige 5,5-Liter-V12-Turbodiesel in unserem Rücken auf. Ruhig, aber blitzschnell schaltet Anthony Davidson zwei Gänge runter. Um sofort wieder auf dem Gas zu stehen. Noch nach vorn überstreckt reißt die Fliehkraft mein Haupt gleich wieder nach rechts. Überrumpelt, machtlos, leicht schmerzend – meinem Nacken gefällt der Ritt in Peugeots Sportprototypen 908 HDi FAP gar nicht.
Überblick: Lesen weitere Motorsport-Themen
Davidson biegt in die Boxengasse ab. "Alles verstanden?", fragt der Werksfahrer mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Denn jetzt wird es ernst. Nach zwei Runden an der Seite des Profis bin ich dran. 700 PS gilt es in der 930 Kilogramm schweren Flunder zu bändigen. Renningenieur Christian Deltombe nimmt mich noch einmal ins Gebet. "Du darfst die Motordrehzahl auf keinen Fall unter 2000 Touren abfallen lassen", erklärt der Franzose. Der Ladedruck der beiden Doppel-Turbolader, die je eine Zylinderbank zwangsbeatmen, würde sonst zu stark abfallen, der Motor stottern, Schläge im Antriebsstrang verursachen.
Weitere Tracktests bei autobild.de
Ich setze mich auf den Seitenkasten, ziehe die Knie an und drehe mich zur schmalen Einstiegsluke rüber, die die hochgeklappte Flügeltür freigibt. Während ich mich mit den Beinen voran ins Cockpit fädle, ziehen die Mechaniker eine Plane auf einem Gestell zur Seite. Wie Dönerfleisch drehen sich je zwei Räder auf einem Spieß, Heizgebläse pusten einen Luftstrom auf sie: vorgewärmte Slicks. Die Prozedur nimmt Fahrt auf. Während zwei Mann die dicken Hosenträgergurte über meinen Schultern festziehen, höre und spüre ich die Schlagschrauber an den Radmuttern rattern. Jemand klappt die Flügeltüren runter, haut mit der Faust drauf. Dann schiebt mich die Truppe rasselnd wie einen Einkaufswagen auf rollenden Wagenhebern aus der Box. Zischend entweicht die Druckluft des Hebesystems. Schroff plumpst der Peugeot auf den Boden.
"Du kannst starten", rauscht Deltombes Stimme über die Mini-Kopfhörer unterm Helm in meine Ohren. Der Anlasser dreht, der Monster-Diesel erwacht dröhnend. Deltombe gibt mir ein letztes Handzeichen: Losfahren. Ich trete die Kupplung, drücke den Geschwindigkeitsbegrenzer für die Boxengasse. Vollgas und los. "Die Drehzahl des Begrenzers ist fast ideal zum Anfahren", hat mir Davidson vorher geraten. "Aber nimm ja den Fuß vom Gas, wenn du ihn wieder ausschaltest." Bis zu den unteren Rippen liege ich im Sitz, nur der Oberkörper ist halbwegs aufrecht. Der Blick fällt über das kleine Lenkrad. Die Sicht? Völlig ungewohnt. Nach vorne raus okay. Nur die senkrechte Ruheposition des Scheibenwischers stört ein wenig. Aber die vielen langgezogenen Kurven, die dann plötzlich eng werden, haben es in sich: Aus der Kanzel um mich herum sehe ich sie spät, habe nach rechts und links kaum Sicht.

Bild: Werk
Service-Links