Peugeot E-3008 Dual Elektromotor AWD: Test
Schönes Elektro-SUV zeigt Schwächen im Alltagsbetrieb

Der neue Peugeot E-3008 Dual Motor will mit Design, Technik und viel Elektro-Power begeistern – doch im Alltagsbetrieb zeigt er unerwartete Schwächen.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Peugeot will anders sein, die Kunden sollen mit dem neuen E-3008 etwas Besonderes bekommen.
Äußerlich ein sportliches SUV, innen ein Tummelplatz für abgefahrene Designideen, bleibt er im Herzen ein Elektroauto, das viel verspricht – der Test klärt, wie viel davon es halten kann.
Peugeot setzt auf sportliche Optik
Weil Äußerlichkeiten kein Bewertungskriterium im AUTO BILD-Test sind, darf der Betrachter an dieser Stelle selbst entscheiden, ob ihm der E-3008 gefällt. Natürlich strahlen an der Front die drei Krallen der Löwenmarke als fein gezeichnete Lichtsignatur, der Kühlergrill fließt nahtlos in die Karosserie, und die coupéartige Silhouette wird mit einem "schwebenden" Spoiler – wie Peugeot es nennt – neu interpretiert. Die optionalen, aerodynamisch optimierten 20-Zoll-Räder setzen das Ganze breit aufgestellt in Szene.

Löwe mit Überholprestige: Das Design mit den markentypischen "Krallen" des Tagfahrlichts macht den E-3008 optisch angriffslustig.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Bei der von uns gefahrenen GT-Version finden sich die drei Krallen auch in den LED-Heckleuchten wieder – natürlich in 3D-Optik. Dass sich im Testwagen bei 4,0 Grad Celsius Kondenswasser in beiden Scheinwerfern deutlich abzeichnete, gehört hingegen eher nicht zum Design.
Bedienelemente liegen zu weit weg vom Fahrer
Der Bedienfreundlichkeit zuträglich ist, dass die Schalter für die Front- und Heckscheibenheizung in Form kleiner Tasten in der Mittelkonsole sitzen. Insgesamt ist der Fahrer aber ständig in Bewegung, denn eine Armlänge reicht im Normalfall nicht aus, um das Zentraldisplay zu erreichen.

Typisch Peugeot: Cockpit über kleinem Lenkrad. Das eigenwillige Innenraumdesign dürfte vor allem Individualisten gefallen.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Verpackt ist alles – samt haptisch ansprechender Lenkradtasten – in ein schwarzes Klavierlack-Ambiente. Wer hier nicht schnell in einem Fettfleck-Flair sitzen möchte, sollte mindestens ein Brillenputztuch in der Mittelarmlehne verstecken.
Eine Alternative wäre der Sprachassistent, der mit "Okay, Peugeot" aktiviert wird. Leider ist die Verständigung trotz versprochener KI-Unterstützung recht schwerfällig. Während die Navigation in einen Ort noch klappt, folgt auf die Bitte, eine Ladestation zu finden, zuverlässig: "Das Ziel kenne ich nicht." Blöd bei einem E-Auto, das häufiger laden muss – aber dazu gleich mehr.
Transporttalent auf Klassenniveau
Der Fahrer betrachtet all das aus angenehm geformten, elektrisch verstellbaren und mit hohen Seitenwangen gesegneten Sportsitzen, die beheizbar und belüftet sein können. Auch in der zweiten Reihe sitzt es sich ordentlich – vorausgesetzt, die Passagiere überschreiten vorn wie hinten nicht die 1,80 Meter.

Klassenüblich: Hinter die Heckklappe des E-3008 passen zwischen 520 und 1480 Liter. Unter dem doppelten Boden ist Platz fürs Ladekabel.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Der Kofferraum ist mit 520 Litern bei aufrechter Lehne klassentypisch. Wird die Sitzlehne flach gelegt, gibt's zwar keine komplett ebene Fläche, aber immerhin bis zu 1480 Liter Ladevolumen.
Der Fahrer blickt – wie bei Peugeot seit 2012 üblich – über ein sehr kleines Lenkrad, das er wie ein Steppke an der Spielekonsole vor dem Bauch dreht. Mit dem Unterschied, dass hier ein 4,54 Meter langes und 1,89 Meter breites SUV zu steuern ist.
Bedienung kann Verwirrung erzeugen
Hat man sich mit dem ungewohnten Gekurbel arrangiert, bereitet die tief in den Bewegungsraum reichende Mittelkonsole schnell weiteres Ungemach. Das rechte Bein wird spürbar eingeschränkt, und viele der gut gemeinten Ablagen liegen eine Etage tiefer auf der Beifahrerseite – oder wie die induktive Ladefläche im schmalen Schacht unterhalb des Zentraldisplays.

Praktisch: Die programmierbaren i-Toggles erlauben einen Schnellzugriff. Sie liegen allerdings nicht wirklich in Griffreichweite.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Auch bei der Bedienung will Peugeot innovativ sein, erzeugt aber eher Verwirrung. Der 10-Zoll-HD-Bildschirm thront spitz und scharfkantig auf dem Cockpit; darunter gibt es die i-Toggles – berührungsempfindliche Tasten in der Mitte des Armaturenbretts. Wählt man ein Menü aus, muss man sich dennoch weit nach vorn beugen, um auf dem Display über zu kleine Schieberegler Einstellungen vorzunehmen.
Fahrzeugdaten
Modell | Peugeot E-3008 Dual Elektromotor AWD |
|---|---|
Motor | E-Motor vorn/hinten |
Leistung | 239 kW (325 PS) |
Ladeleistung | max. 160 kW |
max. Drehmoment | 509 Nm |
Antrieb/Getriebe | Allrad, Einganggetriebe |
0-100 km/h | 6,0 s |
Vmax | 180 km/h |
Testverbrauch* | 22,8 kWh/100 km |
Reichweite* | 372 km |
Länge/Breite/Höhe | 4542/1895-2108**/1641 mm |
Sitzhöhe | 705 mm |
Kofferraumvolumen | 520-1480 l |
Leergewicht | 2207 kg |
Zuladung | 513 kg |
Preis | ab 59.100 Euro |
Und eingestellt wird fast alles: von der Klimaanlage über die Navigation bis hin zum ADAS-Menü, hinter dem sich Spurhalter und Geschwindigkeitswarner verbergen – jene zwei Optionen, die viele Piloten auf längeren Strecken eher als Gängelung denn als Hilfe wahrnehmen.
Fahrleistungen sind ordentlich
Wer sein Gepäck verstaut hat, kann sich im Peugeot E-3008 Dual Motor – angetrieben von zwei Motoren – sehr gelassen auf den Weg machen. Vorn arbeitet ein E-Motor mit 213 PS, hinten einer mit 112 PS. So stehen 325 PS Systemleistung und 343 Newtonmeter im Datenblatt, genug, um den gut 2,2 Tonnen schweren Franzosen im Sportmodus in von uns gemessenen 6,0 Sekunden auf Tempo 100 zu treiben.

Geht ganz gut: Im Sportmodus stehen die vollen 325 PS zur Verfügung. So sprintet der E-3008 in sechs Sekunden auf Tempo 100.
Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Das fühlt sich flotter an als im Normalmodus, in dem die Leistung auf 312 PS begrenzt ist. Erst im Sportmodus splittet sich der Allrad im Verhältnis 60:40 zugunsten der Hinterachse, was dynamisch orientierten Fahrern gefällt. Am allgemeinen Fahr- und Abrollverhalten gibt es ebenfalls wenig auszusetzen.
Die WLTP-Reichweite schafft der E-3008 nicht
Wer länger Vollstrom gibt, darf sich über eine Vmax von 180 km/h freuen. Doch die Freude währt nicht lang, denn der Blick auf Reichweite und Ladestand des 73-kWh-Nettoakkus zeigt bei Autobahntempo, wie schnell die Energie schwindet.

Bild: Thomas Starck / AUTO BILD
Peugeot verspricht bis zu 490 Kilometer Reichweite. Wer allerdings bei 4 Grad Celsius auf der Autobahn unterwegs ist, landet bei mehr als 30 kWh/100 km. Da wechselt der Fuß schnell wieder in den Streichelmodus.
Ladevorgang dauert lange
Unter Testbedingungen und bei neun Grad Außentemperatur schafft der Dual Motor im besten Fall eine solide, aber keineswegs beeindruckende Reichweite. Doch selbst wer optimistisch bleibt, wird beim Laden eingebremst: An der DC-Säule soll der Wagen 20 bis 80 Prozent in 30 Minuten schaffen.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wer aber 80 Prozent nicht genug findet, braucht für die letzten 20 Prozent fast genauso lange – allein für die finalen zwei Prozent vergingen im Test 20 Minuten. An AC lädt der Peugeot mit 11 kW in etwa sieben Stunden voll. Ein 22-kW-Lader ist zumindest angekündigt.
Satte 59.100 Euro ruft Peugeot für den E-3008 Dual Elektromotor auf – allerdings gibt es das Topmodell nur in der höchsten Ausstattung GT Exclusive inklusive Schiebedach, elektrisch verstellbaren Sitzen mit Massagefunktion, Soundsystem, Akustikglas und umfangreichen Assistenzsystemen. Ein stolzer Preis bleibt es natürlich dennoch – auch damit können sich die Peugeot-Lenker ja eine gewisse Exklusivität sichern …
Service-Links



















