Schluss, aus, Feierabend: Mit der Neufirmierung zu 718 Boxster und 718 Cayman hat Porsche seine Einstiegs-baureihe von sechs auf vier Zylinder reduziert. Downsizing heißt das Gebot der Stunde, Verbrauchs- und Schadstoffreduktion bestimmen heute die Agenda. Neu ist der Einsatz von Vierzylindern bei Porsche indes nicht. Umstritten war er damals nicht weniger als heute. Doch eines der erfolgreichsten Modelle aus Zuffenhausen wurde von einem Vierzylinder angetrieben: der 944, großer Bruder und Nachfolger des 924.

924 und 944 halfen Porsche durch eine schwierige Zeit

Porsche 944 Turbo Cabrio
Cabrio mit Seltenheitswert: Der offene 944 Turbo lief in einem Jahr insgesamt nur 528 mal vom Band.
Beide halfen Porsche durch eine schwierige Zeit und verkauften sich sehr gut: Es dauerte 15 Jahre, bis 100.000 Elfer verkauft waren. 924 und 944 schafften das in nur rund fünf Jahren. Ein besonders seltenes 944er-Exemplar hat vor einiger Zeit das Porsche-Museum gesucht und gefunden: Das 944 Turbo Cabrio wurde nur knapp ein Jahr lang (Spätherbst 1990 bis Sommer 1991) und nur 528-mal gebaut und ist heute ein exklusiver Youngtimer. Mit 130.887 Kilometern auf der Uhr und altersgerechten, sympathischen Gebrauchsspuren steht es zierlich neben dem aktuellen 718 Boxster, den man als ideellen Nachfolger bezeichnen kann. Auch wenn der Neue auf einen Boxermotor in der Fahrzeugmitte baut, der Oldie dagegen auf ein Vierzylinder-Reihenaggregat im Bug und Transaxle-Anordnung setzt. Mit seinen Klappscheinwerfern blickt der 944 fast drollig; damals waren sie ein probates Mittel, kräftige Scheinwerfer platzsparend unterzubringen, heute gibt es Fußgängerschutz und kompaktere Scheinwerfertechnologien.

Die Fahrleistungen waren Anfang der 1990er eine echte Ansage

Porsche 944 Turbo Cabrio
Blaue Windmaschine: In 5,9 Sekunden ist der 944 auf Tempo 100 und erreicht maximal 260 km/h.
In seiner letzten Ausprägung mit 250 Turbo-PS und elektrisch gesichertem, aber manuell zu bedienendem Faltdach war der Frontmotor-Porsche 260 km/h schnell, was Anfang der 90er-Jahre nicht viele Cabrios für sich reklamieren konnten. Und wie fühlt sich so ein 25 Jahre alter 944 heute an? Dieser hier – fantastisch. An den straffen Ledersitzen gibt es ebenso wenig zu mäkeln wie ganz allgemein an der Sitzposition: sportlich und tief. Wie auch in 924 und 928 sitzt das Zündschloss hier rechts, ein auf Höhe des Handschuhfachs angebrachter Tripmaster zeigt, dass der 944 immer wieder mal bei Oldtimer-Rallyes bewegt wird und nicht im Museum versauert. Man startet den Motor und hört klar einen Vierzylinder mit großem Hubraum, der leicht kernig klingt und mit einer für heutige Verhältnisse unterdimensionierten Abgasanlage mit nur einem, wenn auch dicken, Endrohr auskommt.Da spielt der 718 Boxster mit seinen mittigen Doppelendrohren schon etwas präsenter auf, kratzt sich schon beim Anlassen in die Gehörgänge und spricht mit merklich designter Stimme, die an den früheren Vierzylinder im 356 erinnern soll. Natürlich ist die Sitzposition hier perfekt justierbar, der Schlüssel sitzt wie bei allen Porsche-Modellen links, und man findet an Lenkrad und Mittelkonsole viele Einstellmöglichkeiten für Fahrwerk, Motoransprechverhalten oder den Klappenauspuff – Dinge, die es zu 944er-Zeiten noch nicht gab.
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Auch nach 25 Jahren macht der 944 noch großen Spaß

Porsche 944 Turbo Cabrio
Geschmeidige Maschine: Der Vierzylinder im Bug versorgt den 944 bei 4000 Touren mit 350 Nm.
Dieser fährt sich überraschend modern. Sein Turbomotor, der aus der rechten Zylinderbank des 928-V8 konstruiert wurde, stammt ursprünglich aus dem Rennsport (924 GTP) und ist ein kraftvoller, ruhiger und – glaubt man früheren Testberichten – auch sparsamer Geselle. Das Aggregat entwickelt mit 350 Nm bei 4000 Touren ein kräftiges Drehmoment, das den 944 Turbo sehr souverän wirken lässt. Vermisst man hier einen Sechszylinder? Nein. Einen Boxersound? Schon eher, denn das ist es, was man mit einem Porsche verbindet, weil er eben charakteristisch ist. Eine Ladedruckanzeige informiert über den Einsatz des Laders, der bei rund 3500 Umdrehungen den maximalen Druck aufbaut. Das ist verbunden mit einer kräftigen Zunahme des Vorwärtsdrangs, der bis etwas über 6000 Touren andauert. Einen harten Punch wie etwa der erste 911 Turbo entwickelt er nicht, dreht dafür aber ab Ladereinsatz schön gleichmäßig hoch und macht dem 944 ordentlich Beine.

Der 718 Boxster ist die geschliffenere Fahrmaschine

Porsche 718 Boxster
Roter Freudenspender: Der 718 Boxster lässt sich zackig ums Eck scheuchen, den Turbo spürt man kaum.
Nach 5,9 Sekunden liegen 100 km/h an. Zum Vergleich: Ein 310 PS starkes 911 Carrera 2 Coupé aus dieser Zeit brauchte dafür nur zwei Zehntelsekunden weniger und erreichte mit 260 km/h exakt die gleiche Endgeschwindigkeit wie der 944 Turbo. Steigt man in den Boxster um, der im Unterschied zum S-Modell nicht über eine variable Turbinengeometrie verfügt, wird schnell deutlich, was sich in Sachen Turbomotoren in den letzten Jahren getan hat. Zwar spürt man auch hier noch, wie der Turbo ab etwa 1500 Umdrehungen Druck aufbaut, doch ist der Übergang viel verschliffener, wirkt saugerähnlicher und gleichmäßiger als beim 944. Ein Turboloch ist durch das Zusammenspiel der Komponenten nicht erkennbar. Über den Sound kann man sich trefflich streiten, doch das ist wie oft Geschmackssache. Er klingt auf jeden Fall voluminöser, als es seine zwei Liter Hubraum erwarten lassen, hat einen tiefen Bass und ein Timbre zwischen Subaru-Boxer und Käfer: "Käfer auf Extasy", schrieb jemand auf unserer Facebook-Seite, was es eigentlich ganz gut trifft, denn wild klingt der 718 in jedem Fall.
Weitere Details zu 718 Boxster und 944 Turbo Cabrio finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Wie agil sich der 944 fahren lässt, hat schon überrascht. Ein früher Beweis dafür, dass Porsche auch abseits des 911 äußerst solide Arbeit ablieferte. Und sich dessen auch bewusst war, was man am Preis sieht: Das 944 Turbo Cabrio bewegte sich schon vor 25 Jahren auf dem Preisniveau des 718 Boxster heute. Damals war das sehr viel Geld, auch innerhalb der Modellpalette. Heute markiert der Boxster – gleich nach dem Cayman – den Einstieg in die Porsche-Welt. Damals wie heute bedeutete das: Vierzylindermotoren befeuern die Basismodelle und halten so einen Respektabstand zur Markenikone 911.