Porsche 911 Carrera 4 GTS vs. Mercedes-AMG GT 63 4Matic+: Vergleichstest
Luxus-Sportler im Härtetest: Wer meistert die Alpen besser?

Auf der Rennstrecke haben sich Porsche und AMG schon oft gegenübergestanden. Erstmals duellieren sich die Rivalen nun auch auf Schnee. Heckmotor-Allrad und E-Boost gegen V8 und 4Matic+. Wer macht im Winter das Rennen?
Bild: Almuth Heene
Böse Zungen behaupten, das Schönste an unserem Livigno-Wintercamp sei die Anfahrt dorthin. Aber das ist stark übertrieben. Wobei die Folge aus tempointensiver deutscher Autobahn und kurvigen Bergstraßen vor dem Ziel schon eine eigene Fahrspaß-Qualität hat. Vor allem dann, wenn man Transportmittel wie den Mercedes-AMG GT 63 4Matic+ und den Porsche 911 Carrera 4 GTS zur Verfügung hat. (Alle Duelle unseres großen Wintertests.)
Beide sind direkte Konkurrenten in ihrem Segment, und beide bekamen vor Kurzem recht tiefgreifende Neuerungen. Im Fall des AMG GT hat sich nicht weniger als sein komplettes Transaxle-Layout geändert. Das Getriebe sitzt mittlerweile vorn, dafür sind Allrad und Hinterradlenkung ab sofort immer an Bord. Der grandiose V8-Biturbo leistet 585 PS.

Im GT 63 lässt sich alles fein – und extra – regeln, etwa die Fahrwerkshärte. "Comfort" ist hier King.
Bild: Almuth Heene
Auch der Carrera 4 GTS kann mit News aufwarten. Statt der Biturbo-Auslegung von früher sorgt jetzt ein hybridisierter Monoturbo für 541 PS aus 3,6 Liter Hubraum. Der elektrisch angetriebene Turbolader ist nicht mehr ausschließlich auf Abgase angewiesen und wird von einem E-Motor mit 54 PS unterstützt, der im Doppelkupplungsgetriebe sitzt. Allrad gibt es natürlich auch.
TECHNISCHE DATEN | GT 63 4MATIC | 911 CARRERA 4 GTS |
|---|---|---|
Motorbauart/Aufladung | V8, Biturbo | B6, Turbo |
Einbaulage | vorn längs | hinten längs |
Hubraum | 3982 ccm | 3591 ccm |
Bohrung x Hub | 83,0 x 92,0 mm | 97,0 x 81,0 mm |
Verdichtung | 8,6:1 | 10,5:1 |
Leistung bei 1/min | 430 kW (585 PS)/5500-6500 | 398 kW (541 PS)/6500 |
Literleistung | 147 PS/l | 151 PS/l |
Drehmoment bei 1/min | 800 Nm/2500-5000 | 610 Nm/1950-6000 |
kW (PS)/Nm E-Boost | – | 40 (54)/150 |
Getriebe | Neunstufenautomatik | Achtgang- Doppelkupplungsgetriebe |
Antriebsart | Allrad | Allrad |
Reifengröße | 295/35 R 20 - 295/35 R 20 | 245/35 R 20 - 305/30 R 21 |
Reifentyp | Pirelli P Zero Winter 2 (M0)1 | Michelin Pilot Alpin 5 (NA2) |
Maße L/B/H | 4728/2100/1354 mm | 4553/2033/1296 mm |
Radstand | 2700 mm | 2450 mm |
Leergewicht/Zuladung | 1895/265 kg | 1595/350 kg |
Tank-/Kofferraumvolumen | 70/321 l | 63/135 + 373 l |
0-100/0-200 km/h | 3,2/11,5 s | 3,0/10,7 s |
Höchstgeschwindigkeit | 317 km/h | 312 km/h |
WLTP-Verbrauch/100 km | 14,0 l Super Plus | 11,0 l Super Plus |
Grundpreis | ab 190.192 Euro | ab 175.500 Euro |
Die beiden Kontrahenten unterscheiden sich im Wesen, weil ihre Philosophien unterschiedlich sind. Was sich sehr schön an den Allradantrieben verdeutlichen lässt. Zwar arbeiten beide mit vollvariabler Kraftverteilung über eine Lamellenkupplung zwischen Vorder- und Hinterachse.
Doch während der AMG die Vorderachse auch stilllegen kann (Drift-Mode), verzichtet der Porsche auf derlei Sperenzchen. Seine Vorderachse wird sehr flink, sehr sensibel und extrem situationsabhängig in den Kraftfluss eingebunden. Diese Regelung macht den GTS auf Schnee zu einem extrem fein regelnden, hecklastigen Sportler, dessen Ziel stets maximale Traktion ist.
Der AMG GT 63 4Matic+ bindet etwa im Wet-Mode die Vorderachse deutlich stärker ein und fährt sich dann fast wie ein klassischer 50:50-Allrad. Seine Algorithmen sorgen so für deutlich leichtere Fahrbarkeit im Schnee.
Der Porsche GTS kämpft mit seiner Härte
Und die Runden in Livigno? Der 911 Carrera 4 GTS ist wegen seiner sportlicheren Grundhärte hier und heute leider etwas zu unentspannt und kann nicht an die Erfolge von Turbo S und Dakar anknüpfen. Beim Anbremsen fehlt dem Fahrwerk Bewegung, um den Reifen sauber auf dem Boden zu halten. Auch an der Hinterachse ist zu viel Bewegung, das Heck keilt relativ schnell aus, der Allrad regelt genauso schnell dagegen, was wiederum sofortige Korrekturen des Fahrers erfordert.

Kürzerer Radstand, agileres Handling: Der 911 ist einfach zu fahren, doch die härtere GTS-Abstimmung ist für den Schneewalzer nicht perfekt.
Bild: Almuth Heene
Das macht der AMG besser. Mit seinem softeren Fahrwerk, dem entspannter am Gas hängenden V8 und den griffigeren Pirellis fährt er beinahe die Zeiten von Evo und Co. Die 1,9 Tonnen fühlen sich eher nach einem Kompakten an, die Schräglage lässt sich wunderbar halten, über die Lenkung sogar nachkorrigieren, ehe kurvenausgangs die tolle Traktion übernimmt. Nicht falsch verstehen, emotional ist der GTS im Schnee keine Spaßbremse. Aber der AMG kann seine Power diesmal besser und vor allem berechenbarer umsetzen.
Mercedes-AMG GT 63 4Matic+: schnell und einfach
Motor, Sound, Optik: dreimal wow! Mit einer hervorragenden Reifenwahl, einem intuitiv regelnden Allrad und dem fein dosierbaren Biturbo-V8 fährt der AMG dem Porsche diesmal davon.
Porsche 911 Carrera 4 GTS: Sicher und spaßig
Für bessere Zeiten müsste das Fahrwerk etwas weicher sein, die Reifen etwas gripstärker. Doch der Spaßfaktor des kurzen und agilen GTS ist riesig, wenn die Spielwiese verschneit ist.
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