Ein einziger Buchstabe – doch so viel Wirkung. In Porsches T steckte in den letzten Jahrzehnten viel Nimbus. Dabei steht der Zusatz im Namen 911 Carrera im Grunde "nur" für Touring, ein per se fader Begriff.

Fahrzeugempfehlung

911 Carrera T PORSCHE

PORSCHE

911 Carrera T

1,8
gut
  • Pro IconHerausragendes Fahrgefühl
  • Pro IconVergleichsmäßig niedriger Verbrauch
  • Contra IconHoher Kaufpreis
  • Contra IconTiefer Einstieg mit Schalensitzen
Aber: Das Kürzel hat eine spannende Historie und im Falle des neuen Carrera T der Baureihe 992.2 eine besondere Bedeutung. Von "besonders puristischem Fahrerlebnis" und "besonders sportlicher Ausstattung" spricht Porsche.

Am Preis merkt man keinerlei Verzicht

Wichtigstes Detail dabei: Statt der sonst üblichen PDK-Automatik baut Porsche ein Sechsgang-Handschaltgetriebe in den T. Weniger wäre demnach mehr? Was für ein Quatsch. Eine bodenlose Untertreibung ist das. Wir meinen: Top-Carrera würde um Welten besser zum T passen. Genau wie Geheimtipp oder auch Fahrmaschine das Wesen des neuen 911 Carrera T viiiel genauer treffen.
Porsche 911 Carrera T
Markentypisch teuer: Einen 911 Carrera T hat Porsche ab 146.800 Euro im Angebot. Für den Testwagen wurden 152.645 Euro fällig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Begründung liefert der erste Test des neuen Pur-Porsche. So viel gleich vorab: Er hat nur einen Fehler. Das sind die Kosten. Den "Verzicht" auf die Automatik, das "Pure" durch die besondere Ausstattung sowie die immerhin 40 Kilogramm weniger Gewicht (zum normalen Carrera) lässt sich der Hersteller extra bezahlen. Mindestens 146.800 Euro kostet der T, dazu kommen 5356 Euro für Sportsitze und Kleinkram wie die variable Lenkung. Macht 152.645 Euro für den Testwagen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
Sechszylinder-Boxer, Biturbo
Einbaulage
hinten längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
2981 cm³
kW (PS) bei 1/min
290 (394)/6500
Nm bei 1/min
450/2000
Vmax
295 km/h
Getriebe
Sechsgang manuell
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
350 mm, innenbel., gelocht
Testwagenbereifung
v. 245/35 R 20 - h. 305/30 R 21
Reifentyp
Pirelli P Zero N0
Radgröße
v. 8,5 x 20"; h. 11,5 x 21"
Abgas CO2
237 g/km
Verbrauch*
10,5 l/100 km
Tankinhalt
84 l (Serie: 63 l)
Kraftstoffsorte
Super Plus
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
70 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
–/–
Stützlast
Kofferraumvolumen
373 l h. d. Sitzen + 135 l vorn
Länge/Breite/Höhe
4542/1852–2033**/1293 mm
Radstand
2450 mm
Grundpreis
146.800 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
152.644 Euro

Viel Grip und bissige Bremsen

Das große Besteck an Assistenz schlummert dann nicht in den Schubladen der Steuergeräte. Macht nichts – der 911 T holt seine Sicherheit über konventionelle Stellschrauben. Heißt: Grip gigantisch, Seitenführung sensationell, Straßenkontakt stark und Bremsvermögen bissig.
Porsche 911 Carrera T
Steht wie eine Eins: Aus Tempo 100 braucht der 911 Carrera T mit seiner Stahl-Bremsanlage nur 31,3 Meter bis zum Stillstand.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Letzteres haben wir in Zahlen parat: Aus Tempo 100 bis zum Stillstand benötigt der Carrera nur 31,3 Meter, die auch unter Hitzestress mit exaktem Pedalgefühl reproduzierbar sind – und das mit einer konventionellen Stahlscheiben-Anlage.

Die Abstimmung ist perfekt gelungen

Bei der innigen Verbundenheit mit der Straße helfen typische 911-Tricks. So stehen dem T ab Werk die Hinterachslenkung, ein schlaues Kräftemanagement zwischen den Hinterrädern (Torque Vectoring) sowie ein Sportfahrwerk mit leichter Härte-Erhöhung und Federverkürzung zur Verfügung. Die Stoßdämpfer lassen sich zudem in Druck- und Zugstufe variabel regeln. Im Ergebnis spielen das schnelle T und der Asphaltbelag Hanni und Nanni – da passt nix dazwischen, Straße und Auto geben sich unzertrennlich.
Porsche 911 Carrera T
Enge Verzahnung: Dank variablem Fahrwerk, schlauer Kräfteverteilung und Hinterrradlenkung klebt der 911 geradezu an der Straße.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die mitlenkenden Hinterräder lassen den Porsche dabei ganz weich und dennoch unverzögert aus hohem Tempo eine Richtungsänderung annehmen, die Momentenregelung an den Antriebsrädern bewirkt ein deutlich spürbares, gleichfalls zart eingeleitetes Eindrehen in die Kurve hinein. Dabei hilft eine fehlerfrei auf das Auto abgestimmte Lenkung.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50/80 km/h
1,9/3,5 s 
0–100/120 km/h
4,6/5,9 s 
0–130/160 km/h
7,0/9,7 s 
0–180/200 km/h
12,4/15,2 s 
Viertelmeile
0–400 m
12,7 s
Elastizität
60–100 km/h
4,2/5,9 s (4./5. Gang) 
80–120 km/h
5,3/7,1 s (5./6. Gang)
Leergewicht/Zuladung
1518/312 kg
Gewichtsverteilung v./h.
38/62 %
Wendekreis links/rechts
10,7/10,7 m
Sitzhöhe
390 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
32,1 m
aus 100 km/h warm
31,3 m
aus 200 km/h 
125,5 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
63 dB(A) 
bei 100 km/h
70 dB(A) 
bei 130/160 km/h
73 dB(A)
bei 160 km/h
77 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
7,9 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
10,6 l SP/100 km
(+1 %)
Sportverbrauch
15,6 l SP/100 km
CO2 (Testverbrauch)
239 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
792 km
Mit der passenden Leichtigkeit um die Mittellage herum, dem richtigen Übersetzungsverhältnis bei zunehmendem Einschlag und der optimalen Kraftzugabe aus der Servo-Abteilung. In der Folge fühlt sich der T erstaunlich handlich, willig, zielgenau und auch bei Geschwindigkeiten an die 300 km/h stabil an, lässt sich über die Fingerspitzen korrigieren und dirigieren – so geht Fahrgefühl. Eine 1+ für diese Abstimmung.

Boxermotor mit zwei Gesichtern

Die zweite Spitzennote schreiben wir dem Carrera in sein Motor-Zeugnis. Der Dreiliter mag drehen, kann untertourig, liebt den Druck in der Mitte, liefert Saft und Kraft, klingt in der Mechanik authentisch und dezent, am Auspuff sonor oder pochend – je nach Last, Drehzahl und Fahrprogramm.
Porsche 911 Carrera T
Multitalent: Der Biturbo-Boxer im Porsche-Heck kann es untertouring, hat Druck in der Mitte und zeigt oben heraus Saugmotorcharakter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Man mag es kaum glauben: Auch ein giftiges Biest mit Saugercharakter schlummert im aufgeladenen Boxer. Oberhalb von 6800 Umdrehungen eskaliert der Sechszylinder noch mal – für ein Fenster von ein paar Hundert Umdrehungen – zu einem furios kreischenden Unruhestifter.

Fahrleistungen sind nicht atemberaubend

An dieser Stelle müssen wir jedoch relativieren. Die 394 PS erreichen heutzutage ja schon kompakte Fünftürer. Entsprechend liefert der 1518 Kilogramm leichte T passable, wenn auch unspektakuläre Fahrleistungen.
Porsche 911 Carrera T
Bis Tempo 100 braucht der 911 T 4,6 Sekunden, 200 km/h liegen nach 15, 2 Sekunden an – schnell genug ist das immer noch.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
100 km/h erreicht er aus dem Stand heraus nach 4,6 Sekunden, die 200er-Marke reißt der T nach 15,2 Sekunden. Nur zur Einordnung: Sein großer Bruder Turbo S schafft das in der Hälfte der Zeit.

Sportwertung

Sportwertung
Karosserie
(max. 15 Punkte)
7
Qualität
(max. 20 Punkte)
19
Sitze/Sitzposition
(max. 30 Punkte)
28
Ausstattung
(max. 15 Punkte)
10
Motoreigenschaften
(max. 30 Punkte)
26
Fahrleistungen
(max. 50 Punkte)
33
Leistungsgewicht
(max. 30 Punkte)
18
Getriebe/Schaltung
(max. 20 Punkte)
16
Sound
(max. 20 Punkte)
17
Fahrkomfort
(max.20 Punkte)
18
Fahrsicherheit
(max. 20 Punkte)
18
Handling
(max. 50 Punkte)
42
Rundenzeit
(max. 50 Punkte)
35
Lenkung
(max. 30 Punkte)
28
Bremsen
(max. 40 Punkte)
29
Faszination
(max. 10 Punkte)
7
Verbrauch
(max. 20 Punkte)
14
Preis
(max. 30 Punkte)
15
Gesamtwertung
(max. 500 Punkte)
380

Im Getriebe steckt die wahre Fahrfreude

Eine ganz eigene Thematik bedient dagegen das Getriebe. Es ist lang übersetzt, möchte geduldig durch die Drehzahlbandbreite gebeten werden, braucht unterm Kupplungsfuß Kraft und für spritziges Anfahren ein feines Dosierkönnen des Fahrers. Also etwas anstrengend, das Ganze?
Porsche 911 Carrera T
Freudenspender: Das manuelle Sechsgang-Getriebe macht den 911 T zum Erlebnis – auch wenn die Kupplung Kraft erfordert.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Von wegen! Die Sechsgang-Schaltung ist letztlich der größte Spaß im T – dieses Mitfühlen beim Einrücken des Mitnehmers, die perfekt programmierte Drehzahlanhebung (per Taste) beim Herunterschalten zu erleben, die Schaltpunkte exakt an das Drehmomentmaximum zu setzen.
Hier ist der Elfer-Fahrer sein eigener Maschinist, promovierter Dirigent der Mechanik, erlebt das wohl derzeit sinnlichste Auto (ausgenommen Porsches außerirdische GT-Typen) überhaupt. Einziger Wunsch an Porsche: Kantigere Anschläge in den Schaltgassen würden die Lust am T nochmals heben.

Auch Komfort ist kein Fremdwort

Bei aller Liebe zum Aktivismus hinterm Steuer – der T kann auch soft. Vor Windlärm unerwartet effektiv abgeschirmt und unter sauberem Geradeauslauf schnürt er durchs Land, geht drehzahlarm sehr verantwortungsbewusst mit dem teuren Super-Plus-Benzin um.
Porsche 911 Carrera T
Ganz verträglich: In der weichsten Dämpfer-Einstellung gibt sich der 911 T einigermaßen komfortabel. Und durstig ist er auch nicht.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Er sortiert in der weichen Stoßdämpferstellung kleine Unebenheiten der Straße beiseite und reagiert auf derbere Wellen sogar mit kurzem Nachschwingen des Hecks. Saugend angepasst führen dann die tief im Auto montierten Sportschalensitze, lassen sogar die kärgliche Verstellung vergessen. Da kann man mal sehen: Auch bei Sitzen kann weniger mehr sein.

Bildergalerie

Porsche 911 Carrera T
Porsche 911 Carrera T
Porsche 911 Carrera T
Galerie "Porsche 911 Carrera T im Test" mit 17 Bildern öffnen
Porsche 911 Carrera T im Test

Fazit

von

AUTO BILD
Trotz der – im direkten Modellvergleich – relativ bescheidenen Leistung zählen wir den Carrera T zu den Spitzen-Elfern. Kenner und Könner kommen hier auf ihre Kosten, arbeiten im positiven Sinne mit, erleben das herrlich pure Fahrgefühl eines 911 auf besonders sinnliche Weise. AUTO BILD-Testnote: 1,8