Porsche 911 Carrera T
Porsche 911 Carrera T im Test: Etwas weniger ist ganz viel mehr

Dem Carrera T verhelfen Diät und ein Handschaltgetriebe zur Fahrmaschine. AUTO BILD hat den Elfer für Kenner getestet.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ein einziger Buchstabe – doch so viel Wirkung. In Porsches T steckte in den letzten Jahrzehnten viel Nimbus. Dabei steht der Zusatz im Namen 911 Carrera im Grunde "nur" für Touring, ein per se fader Begriff.
Am Preis merkt man keinerlei Verzicht
Wichtigstes Detail dabei: Statt der sonst üblichen PDK-Automatik baut Porsche ein Sechsgang-Handschaltgetriebe in den T. Weniger wäre demnach mehr? Was für ein Quatsch. Eine bodenlose Untertreibung ist das. Wir meinen: Top-Carrera würde um Welten besser zum T passen. Genau wie Geheimtipp oder auch Fahrmaschine das Wesen des neuen 911 Carrera T viiiel genauer treffen.

Markentypisch teuer: Einen 911 Carrera T hat Porsche ab 146.800 Euro im Angebot. Für den Testwagen wurden 152.645 Euro fällig.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Begründung liefert der erste Test des neuen Pur-Porsche. So viel gleich vorab: Er hat nur einen Fehler. Das sind die Kosten. Den "Verzicht" auf die Automatik, das "Pure" durch die besondere Ausstattung sowie die immerhin 40 Kilogramm weniger Gewicht (zum normalen Carrera) lässt sich der Hersteller extra bezahlen. Mindestens 146.800 Euro kostet der T, dazu kommen 5356 Euro für Sportsitze und Kleinkram wie die variable Lenkung. Macht 152.645 Euro für den Testwagen.
Fahrzeugdaten
Modell | Porsche 911 Carrera T |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Sechszylinder-Boxer, Biturbo |
Einbaulage | hinten längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 |
Nockenwellenantrieb | Kette |
Hubraum | 2981 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 290 (394)/6500 |
Nm bei 1/min | 450/2000 |
Vmax | 295 km/h |
Getriebe | Sechsgang manuell |
Antrieb | Hinterradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 350 mm, innenbel., gelocht |
Testwagenbereifung | v. 245/35 R 20 - h. 305/30 R 21 |
Reifentyp | Pirelli P Zero N0 |
Radgröße | v. 8,5 x 20"; h. 11,5 x 21" |
Abgas CO2 | 237 g/km |
Verbrauch* | 10,5 l/100 km |
Tankinhalt | 84 l (Serie: 63 l) |
Kraftstoffsorte | Super Plus |
Ottopartikelfilter | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 70 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | –/– |
Stützlast | – |
Kofferraumvolumen | 373 l h. d. Sitzen + 135 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4542/1852–2033**/1293 mm |
Radstand | 2450 mm |
Grundpreis | 146.800 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 152.644 Euro |
Viel Grip und bissige Bremsen
Das große Besteck an Assistenz schlummert dann nicht in den Schubladen der Steuergeräte. Macht nichts – der 911 T holt seine Sicherheit über konventionelle Stellschrauben. Heißt: Grip gigantisch, Seitenführung sensationell, Straßenkontakt stark und Bremsvermögen bissig.

Steht wie eine Eins: Aus Tempo 100 braucht der 911 Carrera T mit seiner Stahl-Bremsanlage nur 31,3 Meter bis zum Stillstand.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Letzteres haben wir in Zahlen parat: Aus Tempo 100 bis zum Stillstand benötigt der Carrera nur 31,3 Meter, die auch unter Hitzestress mit exaktem Pedalgefühl reproduzierbar sind – und das mit einer konventionellen Stahlscheiben-Anlage.
Die Abstimmung ist perfekt gelungen
Bei der innigen Verbundenheit mit der Straße helfen typische 911-Tricks. So stehen dem T ab Werk die Hinterachslenkung, ein schlaues Kräftemanagement zwischen den Hinterrädern (Torque Vectoring) sowie ein Sportfahrwerk mit leichter Härte-Erhöhung und Federverkürzung zur Verfügung. Die Stoßdämpfer lassen sich zudem in Druck- und Zugstufe variabel regeln. Im Ergebnis spielen das schnelle T und der Asphaltbelag Hanni und Nanni – da passt nix dazwischen, Straße und Auto geben sich unzertrennlich.

Enge Verzahnung: Dank variablem Fahrwerk, schlauer Kräfteverteilung und Hinterrradlenkung klebt der 911 geradezu an der Straße.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die mitlenkenden Hinterräder lassen den Porsche dabei ganz weich und dennoch unverzögert aus hohem Tempo eine Richtungsänderung annehmen, die Momentenregelung an den Antriebsrädern bewirkt ein deutlich spürbares, gleichfalls zart eingeleitetes Eindrehen in die Kurve hinein. Dabei hilft eine fehlerfrei auf das Auto abgestimmte Lenkung.
Messwerte
Modell | Porsche 911 Carrera T |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50/80 km/h | 1,9/3,5 s |
0–100/120 km/h | 4,6/5,9 s |
0–130/160 km/h | 7,0/9,7 s |
0–180/200 km/h | 12,4/15,2 s |
Viertelmeile | |
0–400 m | 12,7 s |
Elastizität | |
60–100 km/h | 4,2/5,9 s (4./5. Gang) |
80–120 km/h | 5,3/7,1 s (5./6. Gang) |
Leergewicht/Zuladung | 1518/312 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 38/62 % |
Wendekreis links/rechts | 10,7/10,7 m |
Sitzhöhe | 390 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 32,1 m |
aus 100 km/h warm | 31,3 m |
aus 200 km/h | 125,5 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 63 dB(A) |
bei 100 km/h | 70 dB(A) |
bei 130/160 km/h | 73 dB(A) |
bei 160 km/h | 77 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 7,9 l SP/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 10,6 l SP/100 km (+1 %) |
Sportverbrauch | 15,6 l SP/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 239 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 792 km |
Mit der passenden Leichtigkeit um die Mittellage herum, dem richtigen Übersetzungsverhältnis bei zunehmendem Einschlag und der optimalen Kraftzugabe aus der Servo-Abteilung. In der Folge fühlt sich der T erstaunlich handlich, willig, zielgenau und auch bei Geschwindigkeiten an die 300 km/h stabil an, lässt sich über die Fingerspitzen korrigieren und dirigieren – so geht Fahrgefühl. Eine 1+ für diese Abstimmung.
Boxermotor mit zwei Gesichtern
Die zweite Spitzennote schreiben wir dem Carrera in sein Motor-Zeugnis. Der Dreiliter mag drehen, kann untertourig, liebt den Druck in der Mitte, liefert Saft und Kraft, klingt in der Mechanik authentisch und dezent, am Auspuff sonor oder pochend – je nach Last, Drehzahl und Fahrprogramm.

Multitalent: Der Biturbo-Boxer im Porsche-Heck kann es untertouring, hat Druck in der Mitte und zeigt oben heraus Saugmotorcharakter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Man mag es kaum glauben: Auch ein giftiges Biest mit Saugercharakter schlummert im aufgeladenen Boxer. Oberhalb von 6800 Umdrehungen eskaliert der Sechszylinder noch mal – für ein Fenster von ein paar Hundert Umdrehungen – zu einem furios kreischenden Unruhestifter.
Fahrleistungen sind nicht atemberaubend
An dieser Stelle müssen wir jedoch relativieren. Die 394 PS erreichen heutzutage ja schon kompakte Fünftürer. Entsprechend liefert der 1518 Kilogramm leichte T passable, wenn auch unspektakuläre Fahrleistungen.

Bis Tempo 100 braucht der 911 T 4,6 Sekunden, 200 km/h liegen nach 15, 2 Sekunden an – schnell genug ist das immer noch.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
100 km/h erreicht er aus dem Stand heraus nach 4,6 Sekunden, die 200er-Marke reißt der T nach 15,2 Sekunden. Nur zur Einordnung: Sein großer Bruder Turbo S schafft das in der Hälfte der Zeit.
Sportwertung
Modell | Porsche 911 Carrera T |
|---|---|
Karosserie (max. 15 Punkte) | 7 |
Qualität (max. 20 Punkte) | 19 |
Sitze/Sitzposition (max. 30 Punkte) | 28 |
Ausstattung (max. 15 Punkte) | 10 |
Motoreigenschaften (max. 30 Punkte) | 26 |
Fahrleistungen (max. 50 Punkte) | 33 |
Leistungsgewicht (max. 30 Punkte) | 18 |
Getriebe/Schaltung (max. 20 Punkte) | 16 |
Sound (max. 20 Punkte) | 17 |
Fahrkomfort (max.20 Punkte) | 18 |
Fahrsicherheit (max. 20 Punkte) | 18 |
Handling (max. 50 Punkte) | 42 |
Rundenzeit (max. 50 Punkte) | 35 |
Lenkung (max. 30 Punkte) | 28 |
Bremsen (max. 40 Punkte) | 29 |
Faszination (max. 10 Punkte) | 7 |
Verbrauch (max. 20 Punkte) | 14 |
Preis (max. 30 Punkte) | 15 |
Gesamtwertung (max. 500 Punkte) | 380 |
Im Getriebe steckt die wahre Fahrfreude
Eine ganz eigene Thematik bedient dagegen das Getriebe. Es ist lang übersetzt, möchte geduldig durch die Drehzahlbandbreite gebeten werden, braucht unterm Kupplungsfuß Kraft und für spritziges Anfahren ein feines Dosierkönnen des Fahrers. Also etwas anstrengend, das Ganze?

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Von wegen! Die Sechsgang-Schaltung ist letztlich der größte Spaß im T – dieses Mitfühlen beim Einrücken des Mitnehmers, die perfekt programmierte Drehzahlanhebung (per Taste) beim Herunterschalten zu erleben, die Schaltpunkte exakt an das Drehmomentmaximum zu setzen.
Hier ist der Elfer-Fahrer sein eigener Maschinist, promovierter Dirigent der Mechanik, erlebt das wohl derzeit sinnlichste Auto (ausgenommen Porsches außerirdische GT-Typen) überhaupt. Einziger Wunsch an Porsche: Kantigere Anschläge in den Schaltgassen würden die Lust am T nochmals heben.
Auch Komfort ist kein Fremdwort
Bei aller Liebe zum Aktivismus hinterm Steuer – der T kann auch soft. Vor Windlärm unerwartet effektiv abgeschirmt und unter sauberem Geradeauslauf schnürt er durchs Land, geht drehzahlarm sehr verantwortungsbewusst mit dem teuren Super-Plus-Benzin um.

Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Er sortiert in der weichen Stoßdämpferstellung kleine Unebenheiten der Straße beiseite und reagiert auf derbere Wellen sogar mit kurzem Nachschwingen des Hecks. Saugend angepasst führen dann die tief im Auto montierten Sportschalensitze, lassen sogar die kärgliche Verstellung vergessen. Da kann man mal sehen: Auch bei Sitzen kann weniger mehr sein.
Fazit
Trotz der – im direkten Modellvergleich – relativ bescheidenen Leistung zählen wir den Carrera T zu den Spitzen-Elfern. Kenner und Könner kommen hier auf ihre Kosten, arbeiten im positiven Sinne mit, erleben das herrlich pure Fahrgefühl eines 911 auf besonders sinnliche Weise. AUTO BILD-Testnote: 1,8
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