Zum Abschluss der Feierlichkeiten des 60. 911-Jubiläums hat sich Por­sche noch mal einen Pau­kenschlag der besonderen Sorte ausgedacht: den automobilen Höhenweltrekord. Diesen haben die Zuffenhäuser am 2. Dezember des vergangenen Jahres gebro­chen. Doch wenn man die Ge­schichte hinter Porsches Gipfel­stürmer hört, dann merkt man schnell, dass diese nicht der Traumfabrik Hollywood ent­sprungen ist, sondern jener im baden-württembergischen Weis­sach: In den dortigen Porsche- Hallen startet 2019 aus einer "Bierlaune" heraus ein Projekt, das den Porsche 911 am 2. De­zember 2023 in Chile auf 6734 Meter über den Meeresspiegel führt: Höher ist in der Geschich­te der Menschheit noch kein Automobil gefahren!
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Porsche 911 Carrera GTS Lift, BOSE;18-Wege;360° Surround
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Porsche 911 Targa 4S
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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911er neu gedacht

Ein würdiger Rahmen ist die fotowirksame Ehrenrunde in den Hügeln über L.A. also allemal für ein jetzt schon legendäres Re­kordfahrzeug, das in den Bergen hinter Malibu dann auch unser Reporter für eine letzte Testfahrt in die Hände bekommt, bevor es ins Museum geht.
Porsche 911 Edith
AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Frederik Hackbarth hat "Edith" in Los Angeles auf Stock und Stein getestet.
Bild: Porsche AG
Dabei überrascht nicht nur, wie leicht der modifizierte 911 sowohl extreme Steigungen als auch steilste Abfahrten meistert, sondern vor allem, wie stabil das Auto bleibt und sämtliche Un­ebenheiten ganz nonchalant zu schlucken scheint. Möglich macht es eine besondere Technik, über die Sven Schaarschmidt, Chassis­experte bei Porsche und Teil des Entwicklungsteams, Aufschluss gibt: "Das Auto verfügt über eine Portalachse, die es ermöglicht, die Bodenfreiheit (auf 350 mm; d. Red.) zu erhöhen. Da ohnehin Zahnräder darin sind, um den Offset nach oben hinzukriegen, war die Überlegung naheliegend, das zu nutzen, um die Überset­zung des serienmäßigen Getrie­bes zu verkürzen: Die maximale Höchstgeschwindigkeit dividiert sich, dafür multipliziert sich das Drehmoment, was uns im Gelän­de natürlich extrem entgegenkommt." Denn die Techniker wissen sofort: Speed bringt sie nicht auf den Vulkan ...

Geländewagen mit Sportwagen-Genen

Viel wichtiger ist dafür bei­spielsweise der "Warp-Connec­tor", den Porsche in der Aufhän­gung verbaut hat: "Damit wir dem Auto eine maximale Verschrän­kung mitgeben können, und damit eine maximale Traktion in schwie­rigem Gelände bei gleichzeitig ho­her Rollsteifigkeit und Kippstabili­tät", erklärt der Technikexperte.
Hinzu kommen Offroadräder, um dem brutalen Untergrund – von scharfkantigem Vulkangestein bis zu spitzen Eiszapfen – Herr zu werden. Angetrieben wird das 450 PS starke Allradfahrzeug mit pas­senderweise in Chile gewonnenen E-Fuels von Partner HIF, ist also CO2-neutral unterwegs.
Obwohl das technische Grund­konzept schon kurz nach der Idee steht, sind buchstäblich viele Hin­dernisse zu überwinden: Der Fak­tor Mensch ist dabei eines davon. Die dünne Luft und die extreme Kälte in über 6000 Meter Höhe set­zen dem Körper noch mehr zu als der Maschine – wenngleich auch der Motor des 911 vorab Tests in der Höhenkammer unterzogen wird, um das Kennfeld des Steuer­geräts (Ladedruck, Einspritzmen­ge usw.) an die ungewohnten und extremen Bedingungen anzupas­sen. Als Teil eines internationalen Teams und unter Anleitung von erfahrenen chilenischen Bergführern sind schließlich auch Schaarschmidt und einige seiner Ingenieurskollegen live bei der Vulkanexpedition dabei.
Porsche 911 Edith
Klimafreundlich auf 6734 Meter Höhe: Der Porsche ist mit E-Fuels unterwegs.
Bild: Porsche AG
"Wir standen vorab in Kontakt mit einem renommierten Höhen­mediziner. Wenn meine Frau ge­hört hätte, was der uns alles über Belastungen und mögliche Gefahren erzählt hat, dann wäre ich gar nirgendwo hingefahren", schmunzelt der Porsche-Techni­ker. Am Ende geht aber alles gut und sicher über die Bühne, denn während am Auto gefeilt wird, tasten sich auch die Expeditionsteilnehmer mit akribischer Vorbereitung an die große Heraus­forderung heran.

Lang geplante Rekordfahrt

Schon im Winter 2019 geht es ein erstes Mal nach Chile, um die extremen Bedingungen vor Ort kennenzulernen. Mit dabei: "Do­ris", wie die Ingenieure den ersten umgebauten 911 liebevoll getauft haben. Doch bevor der Rekord ernsthaft in Angriff genommen werden kann, bremst Corona die ganze Welt aus. Die Porsche-Techniker nutzen die Zwangspause, lassen die in Chile gesammelten Ersteindrücke in das Projekt einfließen und prä­sentieren mit "Edith" eine zweite Rekordjägerin, die in den entschei­denden Punkten nachgebessert wurde.
Porsche 911 Edith
Ungewöhnliches Terrain: Ein extrem modifizierter Porsche 911 im Hochgebirge.
Bild: Porsche AG
Das zeigt sich auch bei der Ver­gleichsfahrt mit beiden Fahrzeugen in Malibu: Haue ich mir bei Doris auf einer der Unebenheiten im In­nenraum noch den Kopf an und werde an manchen Stellen doch mächtig durchgeschüttelt, wirkt die abgespeckte Schwester – 360 Kilo­gramm Gewichtsersparnis durch Leichtbaumaterialien (Rollkäfig), Türen aus kohlenstofffaserverstärk­tem Kunststoff wie im 911 GT3 R, Kevlar (Unterbodenschutz), Kohle­faser-Armaturenbrett, Plexiglas­scheiben und ein Steer-by-Wire- System von Schaeffler – auch auf den unwegsamsten Felsbrocken herrlich unbeeindruckt und viel präziser in der Lenkung.
Mit Edith gibt es 2022 einen ersten ernst zu nehmenden Rekord­anlauf, doch das Wetter und zu viel Schnee bremsen die Crew im oh­nehin kurzen Jahreszeitenfenster für die mögliche Vulkanbefahrung aus. "Nach Tagen schwerster Ar­beit war es eine sehr harte Ent­scheidung, vom Eis gestoppt zu werden", erinnert sich Schaar­schmidt. Immerhin: Auf techni­scher Seite hat die Mannschaft dadurch jedoch endgültig die Rückmeldung, dass das Projekt tat­sächlich machbar ist – und kehrt Ende 2023 deshalb hoch motiviert zurück an den Ojos de Salado.
Porsche 911 Edith
Der Porsche 911 mit dem Codenamen "Edith" donnert auf den 6734 Meter hohen Vulkan Ojos de Salado. Am Steuer: Rennfahrer Romain Dumas.
Bild: Porsche AG
Um 3.30 Uhr morgens startet am 2. Dezember 2023 die Expedi­tion, um 15.58 Uhr nachmittags ist der Gipfel erklommen. Jubel und Erleichterung sind zwar groß, für die große Sause fehlt anschlie­ßend aber einfach die Kraft: Im Basislager fallen alle abends nur noch ermattet ins Bett – dafür mit dem Wissen, sich bald im Guin­ness-Buch der Rekorde wiederzu­finden. Der Zettel für Pilot Romain Dumas und sein Team mit den strengen Regeln der Rekordbehör­de (u. a. fortlaufendes Filmmate­rial, GPS-Daten etc.) hängt auch heute noch in der Fahrertür im Cockpit des Rekord-911 ...

Fazit

von Frederik Hackbarth
Einen besseren Weg, 60 Jahre Porsche 911 zu feiern, hät­te man sich wohl kaum ausden­ken können. Der Gipfelstürmer aus Zuffenhausen ist nun auch im wahrsten Sinne ganz oben angekommen. Was die nächsten 60 Jahre 911 zu bieten haben, wagen wir noch nicht zu erträu­men, aber wir freuen uns darauf.