"Guten Tag, ich hätte gern einen Diamantring. Aber den Stein bitte in Rubine eingefasst. Der Ring selbst soll aus 999er-Gold sein. Ach ja – bitte lassen Sie die Wangen mit Smaragden absetzen." So in etwa läuft das mit einem 911 GTS. Man nimmt einen Hochkaräter (911 Carrera) und packt einfach alles drauf, was dieses Schmuckstück noch wertvoller macht. Muss das sein? Wir meinen: klar, lass kosten!
Im GTS-Trimm wird der Carrera zum Supersportler
Video: Porsche 911 GTS (2017)
Porsches goldene Mitte
Rund 145.000 Euro für den GTS im Testtrimm schmücken nicht nur, sie verwandeln einen Carrera in einen echten "Schaaattzzzz!" Statt Rubin, Smaragd oder Feingold kommen nämlich Hinterradlenkung, Verstelldämpfer oder auch der Breitbau aus der Allradabteilung in die Schmelze. Das rückt den GTS ein schnelles Stückchen in Richtung Superrenner GT3 und nimmt ihm gleichzeitig etwas vom satten Charakter der konventionellen Elfer. Wie gut Porsche den GTS zusammengeschmiedet hat, klärt am besten ein Test nach der AUTO BILD-Sportwertung inklusive Rundenzeitenprüfung auf unserer Handling-Rundstrecke im Contidrom. Um es vorwegzunehmen: Mit seiner Bestzeit von rund eineinhalb Minuten drängelt sich der GTS frech zwischen Typen der Supersportliga, landet zwischen Audi R8 und Mercedes SLS auf Platz sechs unserer ewigen Heizerliste.
Brutaler Beschleuniger. Der hellwache Biturbo-Boxer treibt den 911 GTS in 3,4 Sekunden auf Tempo 100.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Dabei hilft ihm ein 450 PS starker 3,0-Liter-Biturbomotor. Dem Sechszylinder-Boxer pusten zwei überarbeitetete Lader 550 Newtonmeter ein, das Doppelkupplungsgetriebe verfügt zudem über eine Launch-Control-Funktion (Sprintstart). Überhaupt begeistert uns der Turbomotor. Statt obenherum abzuschlaffen, dreht er auch oberhalb von 6000 Touren noch mächtig auf. Sehr schnell steht voller Druck zur Verfügung, er klingt rassig bis brachial, hängt mit absolut verschmerzbarer minimaler Verzögerung am Gas. Noch wichtiger: Der GTS pappt ungleich klebriger auf der Straße als alle normalen 911. Verbesserte Aerodynamik, etwa durch den steiler ausfahrenden Heckflügel, breitere Spur und zusätzliche Reifenaufstandsfläche ergeben eine irrwitzige Kurvenstabilität. Dabei lässt sich der GTS extrem sauber und fein dirigieren. Die Lenkung arbeitet variabel je nach Geschwindigkeit zwischen direkt und telepathisch, dabei außerordentlich gefühlsnah, und die Hinterachse hilft beim Abwinkeln aktiv mit.
Mit Cup-Reifen wäre für den geschärften Elfer noch mehr drin
Der GTS setzt auf eher zivile Bereifung, die auf der Rennstrecke an ihre Grenzen stößt.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Daraus folgt speziell bei Geschwindigkeiten jenseits von 80 km/h ein sehr reaktionsfreudiges, aber auch sanftes Eindrehen. Selbst nach Richtungswechseln bei hohem Tempo fühlt sich das stabil, beherrschbar und nach sehr langem Radstand an. Die (leider 8500 Euro teure) Keramik-Verbundbremse lässt sich auch unter Gluthitze nicht stressen, der Druckpunkt bleibt, wo er hingehört. Bei den Reifen ist das anders: Der GTS setzt auf eher zivile Gummis, entsprechend verlieren sie im Vergleich zu Cup-Reifen unter extremer Belastung an Haftung. Nicht über eine verschleißende Lauffläche – sondern über zunehmende Temperatur mit entsprechendem Luftdruckanstieg und daraus resultierender Gripabnahme. Auf der Rennstrecke fällt das auf, aber nicht auf der Landstraße – hier gibt der GTS sowieso das reine Goldstück.
Technische Daten Porsche 911 GTS PDK: • Motor: Sechszylinder-Boxer, Biturbo, hinten längs • Hubraum: 2981 cm³ • Leistung: 331 kW (450 PS) bei 6500/min • max. Drehmoment :550 Nm bei 2150/min • Vmax: 310 km/h • Antrieb: Hinterradantrieb, Siebengang-Doppelkupplung • Tankinhalt: 64 l • L/B/H: 4582/1852/1284 mm • Kofferraum: 125 l • Leergewicht: 1520 kg • 0-100 km/h: 3,4 s • 0-200 km/h: 11,5 s • Verbrauch: 12,3 l SP/100 km • Abgas: CO2:291 g/km • Preis: ab 129.901 Euro
Zwischen Carrera und GT3 ist der neue GTS in der 911-Familie die Mitte – und zwar die goldene! Der brachiale Turbomotor trifft auf erstklassige Bremsen und ein effektiv abgestimmtes Fahrwerk. So entstehen beste Handlingeigenschaften und entsprechend schnelle Runden. Reisen kann er auch. Nur ein Schnäppchen ist er nicht.