Fast zwei Jahre hat uns Jaguar hingehalten, jetzt aber ist die Katze aus dem Sack. Zur Begrüßung sind der Professor-Doktor-Doktor der Dynamik und der ursprünglichste aller Roadster erschienen. Wo steht der F-Type?
Stefan Helmreich
"Geil, geil, geil", kiekst der schnellste unserer Männer, als er sich nach ein paar heißen Runden in Oschersleben aus dem knisternden Jaguar schält. "Lenkung, Bremse, dieser Sound – alles perfekt." Richtig geil sei der, falls er das noch nicht erwähnt habe. Und genau sein Auto, was – wenn man bedenkt, dass er sie vom GTI bis zum GT3 schon alle hatte – eine recht weitreichende Aussage ist. Die Vorschusslorbeeren jedenfalls sind groß, allein schon wegen der Typologie. F-Type heißt der Neue, womit er in einer Reihe mit den Le-Mans-Siegern C- und D- sowie dem Markenmaskottchen E-Type steht, ohne dessen Strahlkraft der gesamte Laden wohl schon längst vor die Hunde gegangen wäre.
Trotz seines relativ hohen Gewichts (1,7 Tonnen) lässt sich der F-Type wunderbar über Landstraßen scheuchen.
Bild: Barthelmeß
Entsprechend selbstbewusst tritt Jaguar gegen Porsche 911 Carrera S Cabriolet und Wiesmann MF4-S Roadster an. Mit einem Boxster messen möchte man sich nicht, weswegen der Porsche, den es nunmal braucht, um etwas Neues einzusortieren, nun als Carrera S neben ihm fährt. Auch der F-Type tritt mit Sechszylinder und ebenfalls in der S-Ausführung an. Mit 380 PS bleibt er zwar 20 hinter dem Elfer zurück, ist dank mechanischer Sperre und der sauberen Achslastbalance aber näher dran am ausgerufenen Sportwagen als das 495 PS starke, aber kopflastigere und nur elektronisch gesperrte V8-Topmodell.
Intensiver roadstert keiner: Straßenbelag und Fahtwind spürt man nahezu filterlos Wiemann MF4-S.
Bild: Barthelmeß
Nominell die besten Karten hat der Wiesmann, der hier den puristischen Gegenpol zum Hightech-Cabrio aus Zuffenhausen setzt und das Spektrum für den F-Type damit zur anderen Seite abgrenzt. Sein Achtzylinder saugt sich die Leistung genau wie der Porsche-Boxer aus der Drehzahl heraus, trifft mit 420 PS aber auf vergleichsweise hagere 1398 Kilogramm. Gewicht ist für den Jaguar mit 1,7 Tonnen ein heikles Thema und letzten Endes vielleicht das einzige, was man ihm – vom winkligen Infotainment einmal abgesehen – wirklich vorwerfen muss.
Das Geheimnis seiner Querdynamik heißt PDCC und hält den 911 selbst bei enormem Kurventempo in der Horizontalen.
Bild: Barthelmeß
Zum Vergleich: Der Porsche, der sich neben Dachelementen aus Metall auch noch zwei theoretische Rücksitze zwischen die Hüften packt, kommt bei fast 200 Kilo weniger raus. Ganz gleich ob Motor, Lenkung oder Fahrwerk – jeder von ihnen hätte das Zeug zum Star, im 911 jedoch sind sie nur Mitarbeiter eines Meisterwerks, das sich über die letzten 50 Jahre konzeptionell kaum verändert hat und dabei ständig schneller wird.
Fazit
von
Stefan Helmreich
Tatsächlich landet der F-Type am Ende zwischen dem genialen 911 und dem Wiesmann, der gerade als MF4-S mit M3-V8 ein wahnsinniger Roadster ist. Wild, pur, hart, aber einfach keine 83.000 Euro herrlicher als der preiswerte Jaguar.