Es heißt: Für den Turbo gibt es keine Gegner, nur Opfer. Und nun ist er also da, der Jaguar-Sportwagen, den sich der XK auch mit den R-S-Varianten nie so richtig hat aufzwingen lassen, um sich mit dem 911er zu messen. Und er ist ein rassiger geworden: schnell, sexy, extra steif, laut und obendrein ohne schweißige Handflächen schnell- und querzufahren. Aber kann er gegen Porsche bestehen?
Porsche 911 Turbo
Kennt keine Konkurrenz: der Porsche 911 Turbo.
Bild: Lena Barthelmess
Porsche 911 Turbo Bestimmt kennen Sie diese Szene aus Horrorfilmen, diesen Moment, wenn die Quotenblonde mitternachts noch mal ganz dringend den Müll rausbringen muss. Ja? Gasgeben im 911 Turbo fühlt sich genauso an. Eigentlich weiß man genau, was passiert, und doch erschrickt man jedes Mal: Ein winziger Augenblick vergeht, bis die beiden Lader die Kräfte des Dreiachters sammeln, dann überwältigen sie einen hinterrücks und erbarmungslos. Wenn es pressiert, overboosten 710 Newtonmeter knapp 1600 Kilo in 3,2 Sekunden auf 100 km/h – was das Hirn als träge Masse gegen die Innenseite des Schädels klatschen lässt und in dieser Leistungsklasse nach wie vor die Benchmark ist.
Jaguar F-Type S Coupe
Der Jaguar fährt so rattenscharf wie er aussieht.
Bild: Lena Barthelmess
Jaguar F-Type R Coupé Falls Sie also gehofft haben, wir stellen Ihnen den neuen Jaguar F- Type R nun als denjenigen vor, der dem Turbo endlich das Wasser reicht, müssen wir Sie enttäuschen. Trotz seines fülligeren Kompres­sor-V8 mit glatt fünf Liter Hub­raum, einem minimal besseren Leistungsgewicht und den kürzeren Gangstufen seiner flinken ZF-Auto­matik wird er sich in Hitlisten stets hinter dem Porsche einschreiben – wobei der Grund dafür schlicht in der Architektur des Antriebs liegt. Zwar quillt die Kraft plötzlicher aus ihm heraus und sprudelt danach kaum weniger imposant am Dreh­zahlband empor, muss letztlich aber einfach 70 Kilo mehr an einer Antriebsachse weniger abstoßen. Anders als der Turbo, der seine Ladedruckwelle mit Hilfe einer Lamellenkupplung mit allen vier Rädern abfängt, den Launch elektronisch kontrolliert und sich mittels Drehmomentüberhöhung beim Hochschalten obendrein noch selbst in den Hintern tritt, wollen die 680 Newtonmeter des Jaguar mit viel Zehenspitzengefühl auf die Hinterräder geschaufelt werden.

Der 911 zerrt an den Nerven, der F-Type knallt

Klartext: Wer stumpf reinlatscht, zieht Striche auf den Asphalt, nur Feinfühlige kompressern in 4,2 Sekunden auf 100 – wobei man dann immer noch eine ganze Sekunde auf den Porsche verliert. Grotesk nur, dass es der F-Type schafft, nicht allein wegen des gut 60.000 Euro niedrigeren Grundpreises, eine echte Alternative zum aufgeladenen Elfer zu sein. Und das kommt so: Seit Jahrzehnten ist Jaguar auf der Suche nach der eigenen Identität. Mal probiert man es mit Nostalgie, mal übers Preisbewusstsein, dann wieder progressiv – und jetzt also mit dem geschlossenen F-Type R, der nicht nur all dieses in sich vereint, sondern gleichzeitig auch jenen Sportwagen wiederentdeckt, der mit dem Ende der Sechszylinder-E-Types Anfang der Siebzigerjahre verloren gegangen war.Er sei der steifste Jaguar jemals, dazu perfekt achslastbalanciert und einzig und allein um den Piloten herum entwickelt. Oder um die Marketingguys zu zitieren: "Wenn sich der scheidende XK als klassischer 2+2 versteht, als Auto für zwei also, das zur Not zwei weitere aufnehmen kann, dann ist der F-Type ein Eins-plus-Eins."

Fazit

von

Stefan Helmreich
In den Dynamikorbit eines Turbo vermag das Jaguar F-Type R Coupé nicht vorzustoßen – was kein Drama, aber nun mal Tatsache ist. Der Porsche geht abartiger voran, kurvt unbeirrbarer, schöpft Erotik aber vor allem aus seiner Gnadenlosigkeit. Oder um im Filmischen zu bleiben: Der 911 thrillt wie Basic Instinct, der Jag knallt im Stile eines modernen Bond.