Porsche 911 Turbo S/Nissan GT-R Black Edition: Vergleich
Beschleunigungs-Feuerwerk
Sie fluten beide ihre fetten 20-Zoll-Räder selektiv mit rund 550 PS aus aufgeladenen 3,8-Liter- Sechszylindern – und doch unterscheiden sich neuer Turbo und GT-R beträchtlich voneinander.
Frank Wiesmann
Bevorzugen Sie mehr die sanfte oder eher die harte Tour? Unter Supersportlern ist dies eine Frage der Philosophie. Nissan pflegt im GT-R seit jeher die lautstarke Kommunikation. Schon die Bedienungsanleitung stimmt darauf ein. Sämtliche Systeme arbeiten zugunsten optimaler Fahrdynamik – und das soll der Fahrer auch spüren. Im neuen Porsche 911 Turbo S schaffen die Heinzelmännchen hingegen weitestgehend im Verborgenen, sind so geschmeidig integriert, dass man die werksseitig erreichte Nordschleifen-Zeit von 7:27 Minuten angesichts des carbonverzierten, nach Leder duftenden Interieurs zunächst kaum glauben mag.
Den Porsche kümmern aufgrund schlechtwettertauglicherer Pirelli P Zeros Pfützen wenig.
Bild: Lena Barthelmess
Porsche Verlustfrei presst er seine Kraft gen Straße. Wer mitbekommen will, wie das genau vonstattengeht, muss schon das entsprechende Performance-Menü aufrufen. Routiniert verdauen die adaptiven Dämpfer Bodenwellen, glätten Querfugen und verleihen dem potentesten aller 911 einen ausgesprochen langstreckentauglichen Federungskomfort. Mit etwa 5000 Startschuss-Touren springt der 911 unter leichtem Schlupf den Horizont an, furios flitzt die Drehzahlmessernadel bis 7200 Touren – Gang für Gang. 750 Newtonmeter drücken im Overboost unerbittlich und geschmeidig zugleich. 3,1 kurzweilige Sekunden stellt Porsche für den 100er-Sprint in Aussicht. Und das ist fast noch untertrieben, mutmaßt das berauschte Popometer.
Der GT-R knallt mit lautstark schmatzenden Pneus über Querfugen und nervt mit ständigen Vertikalbewegungen.
Bild: Lena Barthelmess
Nissan Der GT-R kontert mit einer Werksangabe von 2,7 s – die allerdings noch keiner unserer Testwagen bis dato einlösen konnte. Trotz Allrad drehen die Hinterräder beim Blitzstart etwas zeitraubend durch. Viele von seinen 550 Pferden behält der Japaner nämlich mit Vorliebe an der Hinterachse. Das mag bei Zeitenhatz auf staubtrockener Piste agilitätsfördernd wirken, verbietet aber allzu forsches Gasgeben bei Nässe. Andernfalls zuckt sogar noch bei Richtgeschwindigkeit aufgrund von heftigem Radschlupf das spoilerbewehrte Heck. Auch wegen der aquaplaningempfindlichen, da spärlicher profilierten Spezialreifen Marke Dunlop SP Sport Maxx GT 600 DSST CTT, die eine Mischung aus Auto- und Motorradgummi darstellen, ist bei Regen erhöhte Aufmerksamkeit geboten.
Weitere Einzelheiten zum Vergleich der zwei Sportler bekommen Sie in der Bildergalerie.
Fazit
von
Frank Wiesmann
Halb so teuer wie der Turbo S – ein ganz starkes Argument pro Nissan, das der Japaner angesichts der Überlegenheit des neuen Top-911 aber auch dringend braucht. Denn der Porsche beschleunigt noch vehementer, kurvt leichtfüßiger ums Eck und krönt seine fahrdynamische Galavorstellung zu allem Überfluss mit deutlich besserem Fahrkomfort.