Diesel und Porsche, oha! Ein nagelnder Selbstzünder in einem Sportwagen? Nein, das geht nun wirklich nicht. So dachten lange Zeit die Fans. 2009 sprangen die Zuffenhausener über ihren Schatten und verpflanzten den 3,0-Liter-Turbodiesel von Audi in den Cayenne. Mit Erfolg, denn fortan verkaufte sich das SUV noch deutlich besser. Und wer dachte, dass sich so ein untermotorisierter Cayenne nicht gut fahre, der wurde eines Besseren belehrt. Per Auspuff-Tuning kreierten die Entwickler einen sportlichen Sound, der Selbstzünder lief trotz 2,2 Tonnen Lebendgewicht über 200 Sachen – und alles bei einem Verbrauch von unter 10 Litern. Mit knapp über 60.000 Euro ist der Cayenne Diesel zudem auch noch bezahlbar.
 Porsche Cayenne Diesel Ruf
Die Ruf-Fahrwerkseinstellung ist leider zu straff ausgefallen.
Dennoch sind zwei Tuner der Meinung, dass da noch mehr geht. Ruf hielt sich bislang mit Tuningeingriffen an Porsches SUVs bedeckt. Doch dem Cayenne Diesel verabreicht man nun eine neue Software für Motorsteuerung und Fahrwerk. Und natürlich hält auch die Nummer eins unter den Porsche-Veredlern etwas für den Cayenne Diesel bereit. Statt größerer Turbos und breiterer Backen verabreicht TechArt dem Selbstzünder neue elektronische Daten sowie zahlreiche optische Verfeinerungen innen wie außen. Beide Tuner gehen also ähnliche Wege. Im Datenblatt herrscht zwischen den beiden nahezu Gleichstand. Gleiche Reifenmarke und Dimensionen, gleicher Basismotor. Ruf holt aus dem ursprünglich 240 PS starken Sechszylinder-TDI mit Common-Rail- Technik 288, TechArt 280 PS heraus. Beim Drehmoment kehrt sich das Bild um, TechArt erzielt 620 Newtonmeter, der bayerische Konkurrent 580 Nm (Serie 550 Nm).
Porsche Cayenne Diesel Ruf TechArt
Der TechArt könnte optisch auch als 660 PS starker Turbo durchgehen.
Was das in der Praxis ausmacht, verrät uns der Besuch auf dem Testgelände. Gefühlt schenken sich die Leistungssteigerungen nicht viel. Die 8 Mehr-PS des Ruf sind subjektiv nicht spürbar. Beide Kraftkuren führen dazu, dass der durchzugsstarke Motor über das gesamte Drehzahlband mehr Punch entwickelt. Ab 2500 Touren schiebt der V6 an, bei 4800 Umdrehungen droht der Begrenzer. Beim TechArt lassen sich die Gänge der Achtstufenautomatik auch per Schaltpaddel dirigieren. Ruf belässt es bei den unpraktischen Wippen am Lenkrad. Klangtechnisch bleiben die Aggregate dabei stets der schnoddrigen Diesel-Tonart verhaftet. Nur der TechArt-Sportauspuff legt eine von V6- und V8-Klängen angereicherte Soundkulisse an den Tag.TechArts Erfahrungen mit dem Cayenne machen sich hier bezahlt. Die geringfügige Tieferlegung lässt noch genügend Federweg für einen akzeptablen Komfort übrig. Dennoch verhält sich das Auto beim forcierten Kurvenpendeln verblüffend stabil. Ruf senkt die Karosserie im Tief-Niveau zu weit ab, verspielt so viel Komfort. In der Kurve liegt der Ruf dafür wie ein Brett. Doch sobald die Fahrbahn wellig wird, beginnt der 2,3-Tonner unbeholfen zu hoppeln. Dennoch bleibt das SUV lange neutral – bis es bei deaktiviertem ESP sogar leicht ins Übersteuern gerät. Dieses Set-up ist gut für schnelle Rundenzeiten, nicht aber für das bevorzugte Cayenne-Revier, die Straße. Was Preise und Unterhalt anbelangt, schenken sich die beiden Kontrahenten nicht viel: Der TechArt genehmigt sich einen Schluck mehr und ist teurer. Dafür hat das Auto aber auch deutlich mehr Tuningextras zu bieten. Mehr zum Thema Porsche Tuning.

Fazit

von

AUTO BILD
Porsche und Diesel? Das passt doch zusammen. Zumindest wenn man sich eine der beiden Leistungssteigerungen von Ruf oder TechArt gönnt. Damit rennen beide Cayenne Diesel deutlich schneller, und TechArt schafft mit der Auspuffanlage sogar einen gewissen Hörgenuss. Ruf verliert viele Punkte aufgrund der heftigen Tieferlegung, was den Komfort zu stark schmälert.