So viel vorweg: Der stärkste Porsche Taycan aller Zeiten fährt sich komplett anders als alles, was wir bislang im Verbrenner-Bereich gefahren sind. Dieser irrsinnige Schub, der sich eben nicht erst aufbaut, sondern innerhalb von Zehnteln voll anliegt, ist mit kaum etwas vergleichbar.
Die Art und Weise, wie es einem das Hirn an die Schädelinnendecke drückt, verursacht kurzzeitige Schwindelgefühle und beim ein oder anderen Kollegen auf der Fahrveranstaltung im spanischen Monteblanco sogar das Bedürfnis nach einer kurzen Ruhepause, um den Kreislauf wieder auf Normalbetrieb zu bekommen. Und ja: Wir können das voll und ganz verstehen.
Porsche Taycan Turbo GT
Immer noch 2220 Kilo schwer, macht der stärkste Taycan auch auf der Rennstrecke eine gute Figur.
Bild: Hersteller
Eigentlich müsste er "Porsche 911 GT3 RS Electric 4-Türer" heißen, denn nichts anderes ist der Turbo GT – vor allem mit dem kompromisslosen und – man höre und staune – aufpreisfreien Weissach-Paket. Um Gewicht zu sparen hat man wirklich überall ein paar Kilo rausgeworfen, nicht nur bei so offensichtlichen Dingen wie der fehlenden Rückbank und der dafür eingezogenen Carbonwanne mit Ablagefach. Die analoge Uhr des Sport Chrono-Pakets entfällt genau so wie die Fuß- und Kofferraummatten. Zudem wurde das Dämmmaterial reduziert.

Mit viel Carbon wurde der Turbo GT bis zu 75 Kilo leichter

Selbst die zweite Ladeklappe auf der linken Seite wurde samt zugehörigem Kabelstrang gestrichen. Die rechte Buchse funktioniert nun nicht mehr elektrisch per Touch, sondern mechanisch. Allein diese beiden Kniffe bringen sechs Kilo. Dazu sind Lenkrad- und Sitzverstellung manuell, die Türen haben keinen Softclose-Mechanismus, die Heckklappe verzichtet ebenfalls auf ihre elektrische Zuziehhilfe.
Porsche Taycan Turbo GT
Anstelle der Rückbank verbaut Porsche eine Carbonwanne mit Ablagefach.
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Zudem sind etliche Kleinteile aus Kohlefaser gefertigt, etwa die Spiegelkappen, die Verkleidung der B-Säulen oder die Einleger der Seitenschweller. Viel mehr machen natürlich die aus den GT-Modellen bekannten Vollschalensitze aus GfK aus, die den gewohnt souveränen Seitenhalt bei nach wie vor bestehendem Restkomfort bieten.

Active Ride und Keramikbremse sind Serie

Fahrwerksseitig ist das Topmodell serienmäßig mit dem Dynamikpaket ausgerüstet, das unter anderem Porsches Active-Ride-Fahrwerk umfasst. Dieses wurde noch mal spezifisch für den GT abgestimmt.
Porsche Taycan Turbo GT
Allein am Heck herrschen durch den starren Flügel 140 Kilo mehr Abtrieb.
Bild: Hersteller
Dazu gesellt sich eine Performance-Besohlung aus dem Hause Pirelli (P-Zero R, Trofeo RS optional) auf 21 Zoll großen Leichtbau-Schmiederädern, die in sich noch mal ausgefräste Speichen besitzen, was nochmals Gewicht einspart und mehr Luft zu den Bremsen schaufelt. Diese bestehen serienmäßig aus einem Carbon-Keramik-Verbundstoff, die Bremssättel sind exklusiv in Victory Gold lackiert.

220 Kilo mehr Abtrieb generiert die neue Aerodynamik

Aerodynamisch betrachtet, hat Porsche speziell für den Turbo GT einen Bugspoiler mit Aeroblades entwickelt, auf der Abrisskante des Taycan-Hecks ist ein Gurney-Flap in Sichtcarbon montiert. Deutlich markanter kommt jedoch der feststehende Heckspoiler in Sichtcarbon daher, an dessen Seitenplatten das Logo des Weissach-Pakets angebracht ist. Allein dadurch beträgt der gewonnene Abtrieb am Heck 140 Kilogramm, die Front trägt mit weiteren 80 Kilo zum Gesamtzuwachs von 220 Kilo bei.
Porsche Taycan Turbo GT
Besonders mit dem optionalen Pirelli Trofeo RS baut der Turbo GT enorme Kurventempi auf.
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Innen fällt ein hoher Race-Tex-Anteil auf, auch der Lenkradkranz des GT-Sportlenkrads ist mit der schwarzen Hightech-Faser bezogen. Zudem sorgt eine 12-Uhr-Markierung für sportliches Feeling. Neben den bereits erwähnten Carbonschalen übernimmt der Taycan Turbo GT das Sport Chrono-Paket vom Turbo S.

Für zwei Sekunden boostet der Turbo GT mit 1108 PS

Und da das Beste bekanntlich zuletzt kommt, erzählen wir nun noch ein wenig zum weiterentwickelten Antriebsstrang inklusive neuem Hinterachsmotor: Als Standard-Leistungswerte stehen 789 PS im Datenblatt, mit Overboost beim Launch-Control-Start sind es 1034 PS. Für kurzfristige zwei Sekunden setzt der Turbo GT sogar 1108 PS frei. Das ist gut für 2,3 Sekunden von null auf hundert, das Weissach-Paket feilt eine weitere Zehntel ab.
Porsche Taycan Turbo GT
Viel Carbon macht den Turbo GT mit Weissach-Paket bis zu 75 Kilo leichter.
Bild: Hersteller
Noch dramatischer fällt der Unterschied bei der Beschleunigung aus dem Stand auf 200 km/h aus. Hier gehen nur 6,4 beziehungsweise 6,6 Sekunden ins Land, je nachdem ob man seinen Taycan Turbo GT mit oder ohne Weissach-Paket bestellt hat. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit dem Paket bei 305 km/h gedeckelt, das maximale Drehmoment liegt bei beiden Versionen bei bis zu 1340 Newtonmeter. Reichweite: laut WLTP bis zu 555 Kilometer.

Fazit

Wir sind selten sprachlos, doch hier war es beinahe so weit. Zum Glück haben wir uns am Ende doch noch von der Urgewalt des neuen Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket erholt und können sagen: Weltklasse – und zwar nicht nur längsdynamisch.