Pressestimmen zu Porsche/VW
"Die Vernunft hat gesiegt"

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Der Machtkampf zwischen Porsche und VW ist entschieden. Die Deutung der dramatischen Geschehnisse der vergangenen Wochen fällt jedoch unterschiedlich aus. Pressestimmen aus dem In- und Ausland.
Bild: Werk/dpa/autobild.de
BILD: "Es war ein Kampf der Titanen von Shakespeare'schem Format – brutal und unnachgiebig. Lange kämpften die beiden Machtmenschen Piech und Wiedeking Seite an Seite für Porsche, bis aus Gefährten Gegner wurden, und der listenreiche Piech gewann. Gesiegt hat mit ihm die Vernunft. Der neue Fusion VW mit Porsche hat – aller Unterschiede der Fahrzeuge zum Trotz – mehr Chancen als die 'im Himmel gefeierte' Fusion von Daimler und Chrysler."
Financial Times Deutschland: "Abgesehen vom Verlust eines äußerst fähigen Automanagers ist das Ende des Konflikts sowohl für VW als auch für Porsche eine Erleichterung. Der Kampf war zuletzt von allen Seiten mit derart hässlichen Methoden geführt worden, dass man sich kaum noch vorstellen konnte, wie beide Unternehmen und ihre Vertreter später jemals wieder zusammenarbeiten wollen. Genau das müssen sie aber, soll die Fusion ein Erfolg werden. Auch wenn Porsche pro Jahr nur 100.000 Autos verkauft, ist die Marke für Volkswagen eine wichtige Verstärkung."
Hannoversche Allgemeine Zeitung: "Piëch allein hätte nicht die Kraft gehabt, Porsche aufzuhalten. Nötig war ein intelligentes Zusammenspiel mit der Politik. Eine Schlüsselrolle spielte das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen nach wie vor besondere Mitspracherechte gibt. Als Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking Gewinne von Wolfsburg nach Stuttgart abführen wollte, stellte Wulff sich quer und nutzte dabei die spezifischen Instrumente des VW-Gesetzes."
Financial Times Deutschland: "Abgesehen vom Verlust eines äußerst fähigen Automanagers ist das Ende des Konflikts sowohl für VW als auch für Porsche eine Erleichterung. Der Kampf war zuletzt von allen Seiten mit derart hässlichen Methoden geführt worden, dass man sich kaum noch vorstellen konnte, wie beide Unternehmen und ihre Vertreter später jemals wieder zusammenarbeiten wollen. Genau das müssen sie aber, soll die Fusion ein Erfolg werden. Auch wenn Porsche pro Jahr nur 100.000 Autos verkauft, ist die Marke für Volkswagen eine wichtige Verstärkung."
Hannoversche Allgemeine Zeitung: "Piëch allein hätte nicht die Kraft gehabt, Porsche aufzuhalten. Nötig war ein intelligentes Zusammenspiel mit der Politik. Eine Schlüsselrolle spielte das VW-Gesetz, das dem Land Niedersachsen nach wie vor besondere Mitspracherechte gibt. Als Porsche-Lenker Wendelin Wiedeking Gewinne von Wolfsburg nach Stuttgart abführen wollte, stellte Wulff sich quer und nutzte dabei die spezifischen Instrumente des VW-Gesetzes."
"Neue Machtkämpfe werden ausbrechen"

Bild: dpa
Hamburger Abendblatt: "Eine Schlacht ist geschlagen, aber der Krieg noch nicht gewonnen. Der gestrige Rücktritt von Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef markiert einen Zwischenschritt in einem der härtesten Machtkämpfe der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte. Die wichtigste Frage ist hingegen noch unbeantwortet: Wann schluckt Europas größter Autokonzern Volkswagen den Sportwagenhersteller Porsche? Und wie sieht der Weg dahin aus?"
Tageszeitung: "Die Schlacht zwischen Porsche und VW ist geschlagen, der Sieger heißt Ferdinand Piëch. Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende und Porsche-Erbe hat den Angriff des jüngeren Rivalen Wendelin Wiedeking abgewehrt. Letztendlich ging es um eine Neuauflage des ewigen Familienstreits. Und darin liegt die eigentliche Problematik für VW. Denn spätestens wenn der mittlerweile 72-jährige Piëch nicht mehr ist, werden neue Machtkämpfe ausbrechen."
"Schläge deutlich unter der Gürtellinie"
Eßlinger Zeitung: "Der Kampf zwischen Porsche und VW wird als eine der heftigsten Übernahmeschlachten in die Wirtschaftsgeschichte der Republik eingehen. Wochen-, gar monatelang beharkten sich die Kontrahenten mit Schlägen, die nicht nur einmal deutlich unter der Gürtellinie lagen. Doch das ist Schnee von gestern. Porsche wird die zehnte Marke des VW-Konzerns. Das allein muss kein Grund zur Wehklage sein."
Nordbayerischer Kurier: "Die 50 Millionen Euro Abfindung, die Wiedeking kassiert, und - Respekt! - zur Hälfte in eine soziale Stiftung investiert, sind für den bisherigen Porsche-Chef nur ein Trostpflaster. Geld hat Wiedeking längst genug."
Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung: Wendelin Wunderkind ist zum Pechvogel mutiert. Das hat seinen Grund in einer gewaltigen Fehlkalkulation. In der Manier eines Hedgefonds wollte Wiedeking 75 Prozent der VW-Aktien aufkaufen, VW einen Gewinnabführungsvertrag aufzwingen und dann in Wolfsburg die prall gefüllte Kasse plündern. VW sollte praktisch den eigenen Verkauf selbst bezahlen."
Hessische/Niedersächsische Allgemeine: "Anders ist besser: Ein Versuch über neue Wege in Wirtschaft und Politik hieß der Titel seines Buches. Nun ist der Porsche- Vorstandschef Wendelin Wiedeking mit anders gescheitert. Gescheitert an den Fehlern, die er machte, als er vom David zum Goliath wachsen wollte. (...) Gescheitert aber auch, weil er dachte, eine feindliche Übernahme funktioniere nach den festen Regeln eines Schachspiels."
Nordbayerischer Kurier: "Die 50 Millionen Euro Abfindung, die Wiedeking kassiert, und - Respekt! - zur Hälfte in eine soziale Stiftung investiert, sind für den bisherigen Porsche-Chef nur ein Trostpflaster. Geld hat Wiedeking längst genug."
Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung: Wendelin Wunderkind ist zum Pechvogel mutiert. Das hat seinen Grund in einer gewaltigen Fehlkalkulation. In der Manier eines Hedgefonds wollte Wiedeking 75 Prozent der VW-Aktien aufkaufen, VW einen Gewinnabführungsvertrag aufzwingen und dann in Wolfsburg die prall gefüllte Kasse plündern. VW sollte praktisch den eigenen Verkauf selbst bezahlen."
Hessische/Niedersächsische Allgemeine: "Anders ist besser: Ein Versuch über neue Wege in Wirtschaft und Politik hieß der Titel seines Buches. Nun ist der Porsche- Vorstandschef Wendelin Wiedeking mit anders gescheitert. Gescheitert an den Fehlern, die er machte, als er vom David zum Goliath wachsen wollte. (...) Gescheitert aber auch, weil er dachte, eine feindliche Übernahme funktioniere nach den festen Regeln eines Schachspiels."
"Großes Männer-Gefühls-Kino"
Rhein-Neckar-Zeitung: "Am Ende zeigte sich das 'Alpha-Tier' Wendeling Wiedeking doch noch als ganz normaler Mensch. Mit Tränen in den Augen und einer noblen Geste, 25 Millionen seiner Abfindung für soziale Zwecke zu spenden. Sicherlich ein Medien-Coup. Aber ein gelungener."
Abendzeitung (München): "Das Drama um Porsche – das war großes Männer-Gefühls-Kino, und es fehlte nichts, was echte Kerls ausmacht: irrsinnig aufwändig hergestellte, hoch technisierte Pkw, (...) irrsinnig waghalsige Aktienspekulationen, die keinen echten Sinn machen, (...) ein irrsinniges Scheitern mit Milliarden-Beträgen. (...) Am Ende: der tragische Untergang der Stuttgarter Angreifer, Tränen kullern über angegraute Wangen, Schwüre werden geschworen, gestandene Mannsbilder liegen sich in den Armen. Da weiß man, wozu die Autoindustrie gut ist."
Leipziger Volkszeitung: "Wer hoch steigt, kann tief fallen. Auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der gestern seinen Hut genommen hat, trifft das nicht zu. Gewiss, er verzockte sich mit dem Einstieg bei VW. (...) Diese Schlacht hat Wiedeking verloren, den Kampf für einen effizienten Autokonzern aber nicht."
Mannheimer Morgen: "Günther Oettinger steht bei den Verlierern. Die Familie Porsche wird zwar Arbeitsplätze, Standorte und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der gleichnamigen Firma garantieren. Aber der kleinste unabhängige Autohersteller verliert seine Eigenständigkeit - und Baden-Württemberg damit den Sitz eines Vorzeigeunternehmens."
Abendzeitung (München): "Das Drama um Porsche – das war großes Männer-Gefühls-Kino, und es fehlte nichts, was echte Kerls ausmacht: irrsinnig aufwändig hergestellte, hoch technisierte Pkw, (...) irrsinnig waghalsige Aktienspekulationen, die keinen echten Sinn machen, (...) ein irrsinniges Scheitern mit Milliarden-Beträgen. (...) Am Ende: der tragische Untergang der Stuttgarter Angreifer, Tränen kullern über angegraute Wangen, Schwüre werden geschworen, gestandene Mannsbilder liegen sich in den Armen. Da weiß man, wozu die Autoindustrie gut ist."
Leipziger Volkszeitung: "Wer hoch steigt, kann tief fallen. Auf Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der gestern seinen Hut genommen hat, trifft das nicht zu. Gewiss, er verzockte sich mit dem Einstieg bei VW. (...) Diese Schlacht hat Wiedeking verloren, den Kampf für einen effizienten Autokonzern aber nicht."
Mannheimer Morgen: "Günther Oettinger steht bei den Verlierern. Die Familie Porsche wird zwar Arbeitsplätze, Standorte und auch die Entwicklungsmöglichkeiten der gleichnamigen Firma garantieren. Aber der kleinste unabhängige Autohersteller verliert seine Eigenständigkeit - und Baden-Württemberg damit den Sitz eines Vorzeigeunternehmens."
Ruf der deutschen Autobauer hat gelitten

Münchner Merkur: "Nun haben zwei ihr Ziel verfehlt: Wendelin Wiedeking strebte – mit Rückendeckung der Familien Porsche und Piëch – nach der ganzen Macht bei VW. Er scheiterte an den Banken, die dem Coup plötzlich den schon erteilten Segen entzogen, und an seiner Unterschätzung der Politik. (...) Gescheitert ist aber auch Christian Wulff, der den Spieß umdrehen wollte und sich auch jetzt noch als Sieger fühlt. Er wird die Lage wohl erst dann richtig einschätzen, wenn der Lorbeerkranz, den er sich bereits vor Wochen aufgesetzt hat, einmal welk geworden ist."
Neue Westfälische (Bielefeld): "Angesichts der bedrohlichen EU-Steuerpläne für spritschluckende Sportwagen brauchte Porsche ein sparsames Beiprogramm aus Klein- und Mittelklasse-Wagen. Das sollte VW bieten."
"Porsche verliert seine Eigenständigkeit"
Mitteldeutsche Zeitung: "Wirtschaftlich hat ein Zusammengehen Sinn. Das Sportwagengeschäft ergänzt die Produktpalette von VW hervorragend. Arbeitsplätze sind auf beiden Seiten daher nicht unmittelbar bedroht. In der Produktion arbeiten beide Hersteller ohnehin schon seit Jahren erfolgreich zusammen. Auf einem anderen Blatt steht, ob Volkswagen langfristig mit seinen Eignern glücklich wird."
Pforzheimer Zeitung: "Porsche mag Porsche bleiben. Dennoch: Wer weiß schon, ob sich der Zusammenhalt der eingeschworenen Truppe und der besondere Geist in der kleinen aber feinen Sportwagenschmiede ohne Wiedeking und unter dem Dach von Volkswagen auf Dauer konservieren lässt. (...) Es brechen schwierige Zeiten an."
Reutlinger General-Anzeiger: "Selbstherrliche Ankündigungen von Wiedeking, in Wolfsburg heilige Kühe zu schlachten, provozierte die Gegenreaktion. So wie man in den Wald hineinruft, schallt es eben heraus. Nicht zuletzt ähnelt die Finanzierungsstrategie beim Erwerb der VW-Anteile eher dem Gebaren der Hedgefonds als der schwäbischer Kaufleute."
Heilbronner Stimme: "Der Sportwagenbauer wird als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern eingegliedert und verliert damit seine Eigenständigkeit. Die Großaktionäre sind indes gut beraten, die Edelmarke Porsche nicht zu beschädigen. (...) Im Zweifelsfall fallen die Entscheidungen künftig nicht mehr in Stuttgart, sondern in Wolfsburg. (...) Gelingt es den Beteiligten, Gräben zuzuschütten und zukunftsfeste Strukturen zu schaffen, entsteht ein Branchenriese, der die gesamte Produktpalette abdeckt und zu Recht die Weltspitze anpeilt."
Pforzheimer Zeitung: "Porsche mag Porsche bleiben. Dennoch: Wer weiß schon, ob sich der Zusammenhalt der eingeschworenen Truppe und der besondere Geist in der kleinen aber feinen Sportwagenschmiede ohne Wiedeking und unter dem Dach von Volkswagen auf Dauer konservieren lässt. (...) Es brechen schwierige Zeiten an."
Reutlinger General-Anzeiger: "Selbstherrliche Ankündigungen von Wiedeking, in Wolfsburg heilige Kühe zu schlachten, provozierte die Gegenreaktion. So wie man in den Wald hineinruft, schallt es eben heraus. Nicht zuletzt ähnelt die Finanzierungsstrategie beim Erwerb der VW-Anteile eher dem Gebaren der Hedgefonds als der schwäbischer Kaufleute."
Heilbronner Stimme: "Der Sportwagenbauer wird als zehnte Marke in den Volkswagen-Konzern eingegliedert und verliert damit seine Eigenständigkeit. Die Großaktionäre sind indes gut beraten, die Edelmarke Porsche nicht zu beschädigen. (...) Im Zweifelsfall fallen die Entscheidungen künftig nicht mehr in Stuttgart, sondern in Wolfsburg. (...) Gelingt es den Beteiligten, Gräben zuzuschütten und zukunftsfeste Strukturen zu schaffen, entsteht ein Branchenriese, der die gesamte Produktpalette abdeckt und zu Recht die Weltspitze anpeilt."
"Oettinger blass und beschädigt"

Bild: dpa
Ostsee-Zeitung (Rostock): "Die geniale Übernahme ging in die Hose. Die Fälle Porsche/Piëch, aber auch Schickedanz/Quelle oder Schaeffler/Conti machen zudem die Schattenseiten von familiendominierten Konzernen deutlich. Wenn nur noch Patriarchen ohne wirtschaftliche und soziale Verantwortung handeln, kann es böse ausgehen. Bei Porsche und VW ist es noch einmal gut gegangen."
Neue Osnabrücker Zeitung: "Die Schlagkraft des neuen Konzerns, der vom sparsamen Drei-Liter- Auto über solide Mittelklasse bis hin zum reinrassigen Sportwagen und 40-Tonnen-Lkw alles liefern kann, wird die Konkurrenz schocken. BMW und Daimler müssen sich warm anziehen, um am Ende nicht zu verlieren."
Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe): "Geschickt agiert hat auch Ministerpräsident Christian Wulff. Er überzeugte die Kanzlerin, bekam mit ihr eine wichtige Verbündete für das VW-Gesetz."
"Industrielle Logik spricht für Zusammenschluss"
Salzburger Nachrichten: "Wendelin Wiedeking hat an einem 'verdammt großen Rad' gedreht, wie er selbst sagte. Jetzt dreht er an gar keinem mehr, am Steuer von Porsche sitzt ab sofort der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht. Ob der Abgang des Porsche-Chefs die Machtkämpfe im Porsche-Imperium tatsächlich beendet hat, wird man bald sehen. Auch wenn die Aufsichtsräte beider Unternehmen den Weg für eine Fusion von VW und Porsche freigemacht haben, liegen auf dem Weg dorthin noch einige Stolpersteine."
Neue Zürcher Zeitung: "Porsche wird zwar an Unabhängigkeit verlieren, bekommt jedoch mit VW einen starken Partner. Die industrielle Logik spricht für den Zusammenschluss, und für die Unternehmen selbst ist es zweitrangig, wer wen übernommen hat. Wiedekings designierter Nachfolger Michael Macht wird nun perfektionieren wollen, was er als Produktionsvorstand seit Jahren vorantreibt: die Kooperation von Porsche und VW noch enger zu verzahnen. Diese sollte für beide Unternehmen eine gute Basis für den künftigen Erfolg sein. Das Beispiel Audi zeigt jedenfalls, wie eine Marke im Volkswagen-Konzern mit einer gewissen Autonomie äusserst erfolgreich geführt werden kann."
Neue Zürcher Zeitung: "Porsche wird zwar an Unabhängigkeit verlieren, bekommt jedoch mit VW einen starken Partner. Die industrielle Logik spricht für den Zusammenschluss, und für die Unternehmen selbst ist es zweitrangig, wer wen übernommen hat. Wiedekings designierter Nachfolger Michael Macht wird nun perfektionieren wollen, was er als Produktionsvorstand seit Jahren vorantreibt: die Kooperation von Porsche und VW noch enger zu verzahnen. Diese sollte für beide Unternehmen eine gute Basis für den künftigen Erfolg sein. Das Beispiel Audi zeigt jedenfalls, wie eine Marke im Volkswagen-Konzern mit einer gewissen Autonomie äusserst erfolgreich geführt werden kann."
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