Wenn man sich durch die Untiefen der RaceChip-Internetpräsenz navigiert, überkommt einen früher oder später fast zwangsläufig eine Frage: und zwar die, wer um alles in der Welt die ganzen Zusatzsteuergeräte programmiert, die dort feilgeboten werden. Das Portfolio scheint schier endlos zu sein, erstreckt sich von Supersportwagen über Volumensportler bis hin zu Fahrzeugen, von denen man nicht einmal wusste, dass sie existieren.
Nun, an der Manpower scheint es nicht zu scheitern. Denn obwohl der Powerbox-Spezialist weiterhin fröhlich alle Segmente bedient, findet er immer häufiger auch die Zeit für echte Projektfahrzeuge. So wie diesen Golf GTI, der seiner serienmäßigen Jungfräulichkeit sehr weitreichend beraubt wurde.
RaceChip Golf GTI
Extremer Grip dank Klebe-Pellen und stramm angezogener KW Variante 3. Am Limit keimt trotzdem ein Hauch zu viel Untersteuern.
Bild: Lena Willgalis
Löblich in diesem Kontext: RaceChip schnürt beileibe kein Billigpaket, sondern verbaut durchweg namhaftes Zubehör. Die hauseigene Powerbox (827 Euro inklusive App-Steuerung) fusioniert mit einer neuen Ansaugung nebst besserer Ladeluftkühlung von HG-Motorsport. Das Fahrwerk kommt von KW (Variante 3), während die vom GTI Clubsport entlehnte Bremsanlage mit Pagid-Belägen und der Kühlluftführung des Audi RS 3 8Y aufgestockt wurde.
Motorbauart/Aufladung
R4, Turbo 
Ladedruck max. 
1,3 bar 
Einbaulage 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
Hubraum 
1984 cm³ 
Leistung bei 1/min 
234 kW (318 PS)/6500 
Drehmoment bei 1/min 
450 Nm/4500 
Getriebe 
7-Gang-Doppelkupplung 
Antriebsart 
Vorderrad 
Maße L/B/H 
4289/2073/1441 mm 
Radstand 
2627 mm 
Tank-/Kofferraumvolumen 
50/374-1230 l 
WLTP-Verbrauch auf 100 km 
7,1 l Super Plus 
 Testwagenpreis
62.660 Euro
Viel Reibwert also, den es angesichts der Extrembereifung allerdings auch braucht. Denn wo andere kleckern, geht RaceChip in die Vollen und greift mit dem Michelin Pilot Sport Cup 2 R einfach mal ganz oben ins Trackday-Regal. Solche Reifen findet man sonst eher auf GT3 und Co, nicht jedoch auf einem Golf. Natürlich haben die Sekundenkleber-Pellen auch einen bestimmten Zweck, den wir jedoch erst später an anderer Stelle näher erläutern werden.

Leistungsplus auf dem Papier – und auf der Straße

Heute soll's vor allem um die Leistungssteigerung gehen, die auf dem Papier schon einmal ziemlich amtliche Werte sprechen lässt. Auf hundert bleibt es traktionsbedingt bei zwei Anstands-Zehnteln (5,5 zu 5,7 s). Auf zweihundert schlägt der Tuner dafür jedoch richtig zu (18,1 zu 21,9 s). Schön: Die Powerbox fettet auch den oberen Drehzahlbereich spürbar an, was der gefühlten Drehfreude klar zugutekommt. Weniger schön: Nach Schaltvorgängen kam es zu teils heftigen Ladedruck-Aussetzern, die laut RaceChip auf einen defekten Ladedruck-Schlauch zurückzuführen waren.
RaceChip Golf GTI
Carbon-Ansaugung für Augen und Ohren: Die Powerbox beschert 53 PS und 80 Nm mehr, was eine Fahrleistung auf GTI-Clubsport-Niveau bewirkt.
Bild: Lena Willgalis
Das konnte auch die frisierte Gasannahme via Kennlinien-Tuning nicht kaschieren. Zumal die aggressiveren Pedal-Settings ganz schön auf die Dosierbarkeit des Antriebs schlagen. In Sachen Flair und Sound gelingt RaceChip dafür eine ziemlich reizvolle Dröhnung. Das sanfte Turbozischen kontrastiert prächtig mit den dunkel eingefärbten Tönen der Milltek-Anlage – kesses Lastwechsel-Schnauben inklusive.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Reduziert man Preis-Leistung allein auf die Box, so fährt RaceChip ein fast unschlagbares Angebot auf. Fahrleistungen auf GTI-Clubsport-Niveau mit Teilegutachten für nicht mal 800 Euro. Das Upgrade in Sachen Ansaugung und Ladeluftkühlung stählt die Ausdauer, barg im vorliegenden Fall aber leider auch einen kleinen Hardware-Fehler. Ladedruckaussetzer infolge eines defekten Schlauchs – schade!